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Bonne Nuit Papa

101 minDocumentaryFSK 6
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Szenebild von Bonne Nuit Papa 1
Szenebild von Bonne Nuit Papa 2
Szenebild von Bonne Nuit Papa 3
BONNE NUIT PAPA ist ein Film über Versöhnung, Abschied und Verbundensein. Er dokumentiert Marina Kems Suche nach der Geschichte ihres Vaters. Ein Vater, der ihr doppelt fremd war; fremd durch seine kambodschanische Herkunft, fremd in seinem Schweigen. Dr. Ottara Kem hatte nie über seine Heimat gesprochen. Doch auf dem Sterbebett wünschte er sich, in Kambodscha begraben zu werden. Für die Tochter beginnt damit eine intensive, versöhnliche und poetische Reise. Auf den Spuren seines Lebens gelangt sie immer tiefer in die Geschichte der Ideologiekriege und findet am Ende eine neue Familie und Versöhnung mit ihren Wurzeln. Mehr zum Inhalt... Bonne Nuit Papa ist eine Koproduktion mit dem NDR/ARTE und wurde gefördert aus Mitteln der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, dem Kuratorium junger deutscher Film und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.
In der DDR studierte er und konnte sich alsbald ein neues Leben mit einer eigenen Familie aufbauen. Die Vergangenheit war für Kem jedoch nie ein beliebtes Gesprächsthema und so schwieg er, sobald ihn jemand danach fragte. Erst als er im Sterben liegt, äußert er den Wunsch, in seiner fernöstlichen Heimat bestattet zu werden. Für Marina Kem ist das der Beginn ihrer Reise durch das Leben des Vaters. Sie nutzt Zeitzeugen, Briefe, Stasi-Protokolle und Fotos, um die Erinnerungen zum Leben zu erwecken. So bekommt sie Einblick in beide Kulturen ihres Vaters: in die deutsche und die kambodschanische.
  • Veröffentlichung29.01.2015
  • Deutschland (2015)

Ottara Kem war einer der wenigen Ausländer, die in der DDR lebten. 1965 kam der Kambodschaner mit einem Stipendium nach Leipzig, um Ingenieurswissenschaften zu studieren. Nach dem Examen wollte er, ganz so, wie es seine Familie von ihm erwartete, wieder in seiner Heimat zurückkehren. Doch dann verliebte er sich in eine Deutsche, die bald schwanger wurde. Sie wollte das Kind, er nicht. Eine gemeinsame Zukunft in Kambodscha kam für die Frau erst recht nicht in Frage. Ottara Kem fügte sich, heiratete und bekam eine Tochter, der zwei weitere folgten. Aus beruflichen Gründen verschlug es das Paar später in ein sächsisches Dorf, während in Kambodscha viele Mitglieder aus Ottara Kems Familie dem Schreckensregime der Roten Khmer zum Opfer fielen. Irgendwann verstummte der dreifache Familienvater in Sachsen, zog sich immer mehr in sich zurück und ließ weder Frau noch Töchter an sich heran. Die Ehe scheiterte, die Töchter blieben bei der Mutter und sahen ihren depressiven Vater, der nach der Wende auch seine Arbeit verloren hatte, kaum noch. Erst als eine unheilbare Krebserkrankung diagnostiziert wurde, nahm Ottara Kem zaghaft wieder Kontakt zu seinen Töchtern auf. Das ist die nüchterne Bilanz eines allenfalls teilweise geglückten Lebens. Sie steht am Ende dieses sehr intimen Porträts, das Marina Kem, die älteste Tochter des Protagonisten, gedreht hat. Der Dokumentarfilm lässt die Zuschauer an der schwierigen Suche einer jungen Frau nach ihrem Vater teilhaben, die erst kurz vor dessen Ableben einsetzt. In seinem Nachlass findet sie Fotos, Notizbücher und Briefe seiner Familie in Asien, die kleine Anhaltspunkte liefern, warum Ottara Kem in seinem Leben nicht glücklich wurde. Seinem letzten Wunsch gemäß, bringt die Autorin gemeinsam mit ihren Schwestern die Urne mit der Asche ihres Vaters zur Bestattung in dessen Heimatdorf. Doch die Menschen in Kambodscha bleiben ihr so fremd wie auf einer früheren Reise, zu der sie ihren Vater 1999 überredet hatte. Die bewegten Urlaubsbilder von damals tauchen in „Bonne Nuit Papa“ wieder auf. Doch erst auf einer neuerlichen Reise findet sie Kontakt zu ihren Verwandten und setzt aus deren Erinnerungen das Bild der Kindheit ihres Vaters zusammen. Dazu kommen Gespräche mit deutschen Weggefährten ihres Vaters, mit Nachbarn, Arbeitskollegen, ihren Schwestern und ihrer Mutter. Auch wenn der Film letztlich nicht zu klären vermag, aus welchen konkreten Gründen der Vater immer mehr verstummte, entwickelt sich ein ebenso intimes wie komplexes Porträt eines Mannes, dessen Biografie durch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf zwei Kontinenten geprägt wurde. Gewöhnungsbedürftig bleibt dabei allerdings der Umstand, dass die Autorin ihrem sehr persönlichen Ansatz durch einen nahezu durchgehenden inneren Monolog Ausdruck verleiht. Etwas mehr Selbstbeschränkung zugunsten der Bilder wäre hier durchaus angebracht gewesen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deBonne Nuit PapaVon: Reinhard Lüke (28.6.2024)
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