Filmplakat von Prinzessin Lillifee

Prinzessin Lillifee

73 min | Animation, Familie | FSK 0
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Eigentlich ist Rosarien ja ein Ort der Harmonie, der Liebe und des Glücks. In letzter Zeit aber würden viele Rosarier ihre Heimat am liebsten verlassen und dem Königreich für immer den Rücken kehren. Denn die Feen machen den Trollen, Elfen und Meerjungfrauen mit ihrer Selbstsucht und ihrer Rücksichtslosigkeit zunehmend das Leben schwer, und so scheint es nur noch eine zu geben, die helfen kann. Doch bei dem Versuch, den Frieden in Rosarien wieder herzustellen, schwinden bei Prinzessin Lillifee schon bald nicht nur der Mut, sondern auch die Zauberkräfte. (j.b.)

Filmkritik

Entwaffnend niedlich hat Prinzessin Lillifee die bedruckbaren Oberflächen des Kinder-Warensortiments mit rosafarbenem Sternchen- und Glitzereinsatz erobert. Badezusätze, Bettwäsche, Schuhe und Armbanduhren: Auf allem, was ein Mädchenleben schöner (und den Geldbeutel der Eltern schmaler) macht, findet sich die Fee mit ihren blonden Löckchen und dem rosa Tutu. Einen Großteil seiner Einnahmen dürfte der Coppenrath-Verlag, bei dem die gelernte Modedesignerin Monika Finsterbusch ihre sechs „Lillifee“-Bilderbücher veröffentlichte, mit dem Merchandising der Lillifee-Figur erringen. Nun folgt konsequenterweise das Filmdebüt der heiß geliebten kleinen Schwester von Barbie, schließlich boomt derzeit die Vermarktung so genannter Mädchen-Literatur: „Die wilden Hühner“ und „Twilight“ beherrschen als Bücher wie Filme die Bestseller-Listen. Nun kommen die Drei- bis Achtjährigen zum Zuge, auch wenn es sich um keine direkte Verfilmung der Vorlage handelt: Im Vergleich zu den zarter gezeichneten Bilderbüchern verlangte die Grafik auf der großen Leinwand nach mehr Kontur und Farbtiefe, die Dramaturgie nach mehr Handlungsspielraum und Konfliktstoff. In Lillifees Königreich Rosarien ist die zuckersüße Harmonie passé. Die magischen Flugfeen verhalten sich ihren Mitbürgern, den fleißig werkelnden Trollen, Elfen und Meerjungfrauen gegenüber äußerst unsozial. Egoistisch und arrogant wirbeln Eis-, Feuer- und Windfee als zerstörerisches Trio durch die Felder der Elfen und Frisuren der Wassernixen. Rosariens Arbeiterklasse probt daraufhin den Aufstand und fordert von ihrer Herrscherin den Rausschmiss der Feen, ansonsten drohe eine massenhafte Emigration. Lillifee ist verzweifelt; alle Vermittlungsversuche scheitern, die untereinander zerstrittenen Feen weigern sich, in einem völkerverständigenden Musical gemeinsam aufzutreten, und Lillifees Zauberstab produziert statt Schmetterlingen und Blüten nur noch Motten und Dornengestrüpp. Doch Ferkel Pupsi, Igel Iwan, Frosch Carlos und die zwei Zofen-Mäuse Cindy und Clara bläuen der verhinderten Blütenfee in ihrer ersten Regierungskrise tatkräftig das „positive Thinking“ ein. Trotz des Kitsch-Potenzials durch den oberflächlichen Verschönerungswahn, mit dem Lillifee ansonsten Rosarien „heimsucht“, geht es in der kindgerecht reduziert und humorvoll gehaltenen Geschichte also um Zusammenhalt, Toleranz und den Einsatz für andere. Diese als klassischer Zeichentrick animierte und in liebevollen Gesangseinlagen intonierte Botschaft von der Summe der einzelnen Teile hatten auch schon die Coppenrath-Helden „Mondbär“ (fd 38 936) und Hase „Felix“ (fd 37 500) überbracht. An der Realisierung dieser pädagogisch ambitionierten Abenteuer waren die Produzenten Gabriele M. Walther und Frank Piscator sowie Drehbuchautor Mark Slater beteiligt. Das verhilft der an sich harmlosen Überfliegerin zu Tiefgang. Die Prinzessin ist in der Not bereit, sich energisch die rosarote Brille herunterzureißen und ihren „weiblichen“ Glitzer-Einsatz mit der „männlichen“ Pflicht der straffen Staatsführung zu fusionieren. Dabei sieht sich Lillifee auf Staatsebene mit ähnlichen Problemen und Bewältigungsstrategien konfrontiert wie ihre Zielgruppe im beengten Sammelsurium des Kindergartens – kurz bevor sie in die leistungsorientierte Hackordnung des Schulsystems geraten. Die kritisch aufmerksame Begleitperson kann unterdessen die aktuell geforderte Rücknahme von Eigeninteressen und Vorurteilen für ein friedliches Miteinander in „ethnischen“ Vielvölkerstaaten unter der bonbonfarbenen Oberfläche hervorkramen. Dass deren Erfolg vom gutmütig herablassenden Verhalten der elitären (Feen-)Gruppe gegenüber dem arbeitenden (Elfen-)Proletariat abhängt, ist hoffentlich einer aristokratisch angehauchten Märchenästhetik und keinem vermittelbaren Gesellschaftsbild geschuldet.

Erschienen auf filmdienst.dePrinzessin LillifeeVon: Kathrin Häger (6.6.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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