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3 Engel für Charlie

118 minKomödie, Abenteuer, Action
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Elena ist eine brillante Wissenschaftlerin und Ingenieurin, die die nachhaltige Energiequelle „Calisto“ entwickelt hat. Nachdem ihre Chefs die Quelle auf den Markt gebracht haben, bemerkt Elena, dass ihr System einen Fehler aufweist: In den falschen Händen kann es als gefährliche Waffe eingesetzt werden. Doch leider stellt sich die Firma, für die Elena arbeitet, als kriminelle Organisation heraus, die gar nicht daran denkt, das Produkt aus den Händen zu geben. Daraufhin wendet sich Elena hilfesuchend an die Townsend-Agency. Die Agentur ist mit ihren "Engel" genannten Agentinnen über die Zeit so erfolgreich geworden, dass das Unternehmen expandierte und mehrere Gruppen mit tapferen Engeln an verschiedenen Standorten postiert hat. Angeleitet werden die Frauen von Vermittlern, die alle auf den Namen "Bosley" hören und ihren Agentinnen die weltweit härtesten Jobs an Land ziehen. Elena schließt sich mit den Engeln Sabina und Jane zusammen, um die Welt vor einer Katastrophe zu bewahren.
  • Veröffentlichung02.01.2020
  • Vereinigte Staaten
  • 6.5/10 (2719) Stimmen

Nach dem Erfolg des Films „Auf der Flucht“ (fd 30 442) und der Parodie „Die Brady Familie“ (fd 31 388) lag es auf der Hand, eine weitere Filmversion einer „kultigen“ amerikanischen Fernsehserie zu produzieren. Während „Auf der Flucht“ in beiden Formaten eine reine Männergeschichte war, setzte „Drei Engel für Charlie“ schon früh auf Frauenpower. Die Serie, die sich in den 70er-Jahren weltweit verkaufte, wirkt aus heutiger Sicht zwar ebenso lahm wie viele Produkte aus jener Zeit, manchmal sogar noch um einiges unbeholfener. Die drei „Engel“ von damals - Jaclyn Smith, Kate Jackson und Farah Fawcett, die später durch Cheryl Ladd ersetzt wurde - schienen sich oft nicht sicher, ob sie mehr auf übliche Sexyness oder weibliche Selbstbestimmung setzen sollen – unterm Strich waren sie zwar klug und schlagfertig, vor allem aber hübsch und liebenswert. Aber eine Serie mit drei weiblichen Hauptfiguren, die die Dinge in die Hand nahmen, hatte es bis dahin nicht gegeben. Auch im Kino werden sie von jener unsichtbaren Stimme namens Charlie geleitet, hinter der ein anonymer, freundlicher, aber patriarchalischer Millionär steckt, dessen Spleen die private Verbrechensaufklärung ist. Die drei neuen „Engel“ tun alles, um nicht bloß durch ihre Schönheit zu gewinnen: sie sind raffiniert, witzig und sportlich, lassen aber keine Gelegenheit aus, auch ihre weiblichen Reize ins Spiel zu bringen, und zeigen sich besonders im Umgang mit Männern manchmal auch verletzlich. Offensichtlich ist dies das Frauenbild, von dem sich Regisseur Joseph McGinty Nichol, der sich McG nennt, und seine Autoren heutzutage die meiste Zustimmung versprechen.

Der Inhalt ist so schlicht wie in den Serienfolgen und kaum von Bedeutung. Ein Computerspezialist, der ein besonders leistungsfähiges Spracherkennungssystem entwickelt hat, wird entführt. Wenn es in die falschen Hände geriete, könnte das System, auf einen Satelliten gepflanzt, alle Menschen weltweit und jederzeit durch ihre Sprachmuster ausfindig machen. Charlie beschließt, die Rettung der Welt seinen „Engeln“ anzuvertrauen, und wenig später wird der arme Junge befreit. Damit aber beginnt die Geschichte erst, denn Gut und Böse sind auch von Engeln nicht immer leicht auseinander zu halten, was dazu führt, dass sogar Charlie selbst in Gefahr gerät. Schon der Beginn ist atemberaubend. Was die „Engel“ dort in der Luft und zu Wasser veranstalten, ist die comichafte Übertreibung eines James-Bond-Stunts, an dessen Ende sich die drei „Engel“ vorwiegend dem richtigen Sitz ihrer Frisuren widmen. Wie der britische Geheimagent werden sie auch alle erdenklichen Fortbewegungsmittel virtuos verwenden. Auffällig ist der jugendliche Charme, den die Rollen vermitteln, eine unendliche Heiterkeit, ein Spaß bei der Arbeit, den besonders Cameron Diaz und Drew Barrymore zeigen, während sich Lucy Liu eher ernst gibt und ein wenig das Nachsehen hat. Diese Konstellation wird bereits vom Einstieg geprägt, der ironisch auf die Biografien der Schauspielerinnen eingeht: Cameron Diaz, die Frau mit dem umwerfenden Lächeln, einst auch im wirklichen Leben Model und Tänzerin, Drew Barrymore, die nach einem Status als Kinderstar und einer ausgiebigen Drogenkarriere wieder aufgeblüht ist (eine Szene führt sie sogar zum Schauplatz ihres Erfolgsfilms „E.T. – der Außerirdische“, fd 23 743), und Lucy Liu, die durch ihren etwas spröden Charme in der Fernsehserie „Ally McBeal“ bekannt wurde und im Film eine Tarnexistenz als Nachwuchsschauspielerin betreibt. Danach hält sich der Film mit Ironie und Bezügen zurück, denn es soll nichts lächerlich gemacht werden. Der Spaß kommt aus erster Hand, und genau das ist sein Verdienst. Natürlich hat das Hongkong-Kino mit seinen Exzessen und der wilden Lust an Übertreibungen seine Spuren hinterlassen, aber es sind die vielen kleinen originellen Szenen, die dem Film Witz und Tempo geben. Da nimmt man es in Kauf, dass einige Einfälle ohne wirklichen Sinn bleiben, etwa der Kampf des „Engel“-Helfers Bosley gegen den vermeintlichen Bösewicht Roger Corwin in der grotesken, dicken Wattierung als Sumo-Ringer oder die vielen Verkleidungen der „Engel“, die eher als Modeschauen inszeniert sind. Insgesamt findet man sich in jener Bilderwelt wieder, die vom avancierten Musikfernsehen sowie digitalen Zaubertricks aus Filmen wie „Matrix“ (fd 33 720) geprägt wurde; bekannte Popmusik wurde dabei über die bloße Grundierung hinaus gleichberechtigt und mit blendender Stilsicherheit zur Stimmungserzeugung eingesetzt. Ein schönes Stück Mainstream-Unterhaltung auf dem höchsten Stand des heute Machbaren.

Veröffentlicht auf filmdienst.de3 Engel für CharlieVon: Oliver Rahayel (1.3.2026)
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