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Heist - Der letzte Coup

109 minDrama, Action, ThrillerFSK 12
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Joe Moore hat eine schöne junge Frau, man schuldet ihm Geld, er liebt seinen Beruf. Er ist ein Dieb. Sein Profi-Image bekommt einen Knacks, als er sich von einer Überwachungskamera filmen lässt. Sein Hehler Bergman verhandelt daraufhin noch einmal neu über die Summe, die er Moore schuldet. Und möglicherweise betrügt Moores Frau Fran ihn mit dem jungen Assistenten des Hehlers. Plötzlich sind Moore, sein Partner Bobby Blane und ihr Faktotum Pinky Pincus völlig pleite – sie werden hintergangen und erpresst. Moore sieht sich gezwungen, für Bergman noch einen letzten großen Job zu erledigen.
  • Veröffentlichung31.01.2002
  • David Mamet
  • 6/10 (588) Stimmen

Joe Moore ist ein alter Hase. Den jüngsten Überfall auf ein Juweliergeschäft in Boston hat er mit seinem Team – Pinky, Bobby und seine wesentlich jüngere, attraktive Frau – präzise vorbereitet. Doch eine Angestellte verleitet ihn zu einem Fehler; der Profidieb wird von der Überwachungskamera einwandfrei abgelichtet. Dennoch ist der Plan, auf seinem selbst gebauten „Traumschiff“ den Vorruhestand zu genießen, in greifbare Nähe gerückt. Mickey aber, sein Hehler und Gegenspieler, möchte noch einmal richtig Kohle machen und legt Joe aufs Kreuz. Er verlangt von dem Quartett einen Supercoup: den Raub millionenschwerer Goldbarren einer schweizerischen Großbank aus einer Frachtmaschine der Swiss Air. Da die Kompagnons unter akutem Geldmangel leiden, ist Joes Ausstieg erst einmal aufgeschoben. Mickey stellt dem Routinier aus Sicherheitsgründen seinen Neffen, den aufbegehrenden Heißsporn Jimmy, an die Seite. Dieser erliegt dem Charme der Gangsterbraut und bringt das Team wiederholt in die Zwickmühle. Wer am Ende wen austrickst, nachdem das Gold einen neuen Bestimmungsort gefunden hat, bleibt lange offen. Wie bereits in seinem Regiedebüt „Haus der Spiele“ (1987, fd 26 767) macht Pulitzer-Preisträger David Mamet, der als einer der bedeutendsten Drehbuchautoren Amerikas gilt, auch in „Heist“ durch den Rückgriff auf die Konvention des Kriminalgenres den Bruch, die Veränderungen der Figuren. Trotz aller Zugeständnisse an Action sowie ans Spannungskino der 80er- und 90er-Jahre, was Tempo, Schnitt und Soundtrack betrifft, favorisiert er subtilen Sprachwitz und altmodische Ironie, auch wenn gegen Ende einige Volten und Pirouetten zu viel geschlagen werden. Die Ehre und das Berufsethos des Helden münden in ein Labyrinth aus Erpressung und Betrug, und selbst die Liebe seiner jungen Frau scheint fragil und käuflich. Das Ambiente vom Hafen bis zu Lagerhäusern und zum Flugplatz eignet sich gut für Timing und betont das Stimmungsvolle sowie die Lakonie einer Situation. „Heist“ ist ein brillant geschriebener, mit zahlreichen Finten und Wendungen angereicherter Thriller ohne die genreüblichen modischen Effekte. Konventionell konstruiert, legt der Film den Schwerpunkt auf die moralischen Qualitäten der Figuren, die Mamet mit guten Schauspielern und pointierten Wortspielen überzeugend austariert. Es geht ihm um das alte Thema von Vertrauen und Enttäuschung, Freundschaft und Erpressung, um Macht und die Verführung des Geldes. Um den „Look“ der 40er-Jahre herzustellen, wählte er einen monochromen Bildeindruck. Die Schauplätze sind in Braun-, Grau- und verwaschenen Tönen gehalten, die Farbe soll durch die Sprache und die Charaktere entstehen. Mamet: „‘Heist’ ist ein Film noir, d.h. eine Mischung gleichgewichtiger Teile von Gewalt und Ironie. Der Gangsterfilm scheint selbst auf einem Code zu basieren – entweder auf der Ehre unter Gangstern oder auf dem Gesetz gegen die Verbrecher. Andererseits erzählt der Film noir von einem Mann in einer Welt ohne einen Code, in der er sich nur auf seine eigene Stärke und seine Intelligenz verlassen kann.“ Nach der Terence-Rattigan-Adaption „Winslow Boy“ (fd 33 880) und der Hollywood-Satire „State and Main“, zwei veritablen Kassenflops, kehrt Mamet zu seinem vertrauten Sujet und Leitmotiv zurück: Loyalität und Verrat, die Anatomie männlicher Kameradschaft. Fran, Joes Frau, ist in dieser Konstellation eigentlich nur ein Sicherheitsrisiko: unzuverlässig, ein Chamäleon, eine illoyale Femme fatale. Skrupellos geplante Scheinunfälle, um der Truppe die Flucht zu ermöglichen, Versicherungsbetrügereien und akribisch getimte Einbrüche zählen zu den Spezialitäten der Bande. Die Kunst der Täuschung bestimmt Mamets Qualität: Die Ausführung des Plans bedeutet zwar immer einen ultimativen Kick, aber nonverbale Kommunikation und psychologische Subtexte sind in diesem Metier noch wichtiger. Omnia vincit pecunia, die Liebe zum Geld dominiert alles: „Jeder braucht Geld, deswegen heißt es Geld“, klärt der Hehler den Gangster auf. Der bisweilen als ein legitimer Erbe Alfred Hitchcocks gehandelte Amerikaner setzt ganz auf qualifizierten, subtilen Suspense. Doch zwischendurch drosselt er das Tempo, lässt den Nervenkitzel allzu vorhersehbar werden: Wer wen hereinlegt und am Ende triumphiert, ist zwar bald belangslos, verdirbt dem Zuschauer aber nicht jeden Spaß. Trotz actionbetonter und stilisierter Szenen bleibt ein schaler Nachgeschmack, die Auflösung der Pointen wirkt manchmal unentschlossen und nicht konsequent genug durchgeführt. So führt der Rückgriff auf die „gute alte Schule“ des Kriminalfilms zu keiner Weiterentwicklung oder Ironisierung des Genres.

Veröffentlicht auf filmdienst.deHeist - Der letzte CoupVon: Josef Nagel (11.2.2026)
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