Vorstellungen
Filmkritik
Eine romantische Begegnung sieht wahrscheinlich anders aus: Als Valerio (Edoardo Leo) den vollbesetzten Bus entert, knallt er einer schönen Frau sein mitgeschlepptes Klapprad vor das Knie und zerbricht ihre Lesebrille. Alessandra (Claudia Pandolfi), die Geschädigte, nimmt es gelassen. Soll er ihr doch den Brief vorlesen, in dem die Testergebnisse über ihre letzte künstliche Befruchtung stehen. Wieder negativ! Für Valerio wiederum Grund genug, ihr seine Zeugungsunfähigkeit zu gestehen. Ob sich erwachsene Italiener und Italienerinnen gleich bei der ersten Begegnung öffentlich über derart persönliche Geheimnisse unterhalten, mag dahingestellt sein, in „Amore und Basta!“ ist es jedenfalls so.
Der prinzipientreue Direktor und die engagierte Lehrerin
Es folgt dann noch eine Diskussion über patriarchalische Männer und emanzipierte Frauen – trotzdem landen die beiden zusammen im Bett. Am nächsten Morgen dann die nächste Überraschung: Valerio ist der neue, ein wenig steife und prinzipientreue Direktor des Gymnasiums, an dem Alessandra als engagierte, ihre Schüler mitreißende Literaturlehrerin arbeitet. Der Schulalltag bringt ihre charakterlichen Unterschiede deutlich zum Vorschein, von Liebe kann (noch) keine Rede sein.
Zu dumm nur, dass Alessandra – trotz aller Unwahrscheinlichkeit – schwanger wird. Wäre es jetzt nicht ratsam, zusammenzuziehen und gemeinsam für das Kind zu sorgen? Doch Alessandra besteht auf ihrer Eigenständigkeit. Gespiegelt werden die Konflikte durch die renitenten Schüler, die über Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe diskutieren. Doch weil der Direktor so stoffelig ist, hilft nur ein Streik.
„2 cuori e 2 capanne“ heißt der Film von Massimiliano Bruno im Original, also „Zwei Herzen und zwei Hütten“. Die Unterschiedlichkeit und die räumliche Ferne zwischen den Protagonisten wird also bereits im Filmtitel verhandelt. Alessandra ist unabhängig und autonom, redegewandt und leidenschaftlich, Valerio konservativ und konfliktscheu, maulfaul und autoritär. Irritierend ist dabei, dass der Mann als das Andere, als das Fremde begriffen wird, zu dem man eine größtmögliche Distanz aufbauen muss. Ein Zusammenwohnen erscheint nicht mehr als der richtige Lebensentwurf. Um wenigstens in Alessandras Nähe zu sein, zieht Valerio sogar in die Wohnung nebenan. „Familie ist der Tod der Freiheit“, sagt Alessandras Mutter einmal – noch so ein Urteil, dass einer geselligen Italianità widerspricht. Zu allem Überfluss macht Valerio auch noch einen Vaterschaftstest, weil er Alessandra nicht traut – derartig darf man eine Figur nicht desavouieren.
Unfruchtbarkeit und Ideologie
Die These einiger Filmkritiker, dass „Amore und Basta!“ mit der Screwball-Komödie amerikanischer Machart zu vergleichen sei, zielt darum ins Leere. Denn im Hollywood der 1930er-Jahre begegneten sich Mann und Frau auf Augenhöhe, ihre Unterschiedlichkeit machte gerade die Attraktion aus, in frechen, höchst witzigen Dialogen wurde sie wortreich verhandelt. Davon ist hier nur an der Oberfläche etwas zu spüren. In den launigen Diskussionen geht es um Unfruchtbarkeit und Ideologie, um Genderfragen und Selbstbestimmung, mitunter wird reichlich didaktisch und zu problembewusst gestritten. Der Sprachwitz kocht, zumindest in der blassen deutschen Synchronfassung, auf Sparflamme, nicht jede Pointe zündet und zuweilen nehmen die Klischees über die Eigenschaften von Mann und Frau überhand.
Den Schauspielern kann man sicher keinen Vorwurf machen. Claudia Pandolfi verkörpert temperamentvoll die bindungsscheue Feministin, Edoardo Leo schlüpft spielfreudig in die Rolle des stoffeligen Chauvis. Nur schade, dass Regisseur Massimiliano Bruno den Figuren so viel Bedeutung aufbürdet.








