Szene aus Barbarella
Filmplakat von Barbarella

Barbarella

98 min | Komödie, Abenteuer, Science Fiction
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Wir schreiben das Jahr 40000, und Geheimagentin Barbarella steht vor ihrem schwierigsten Auftrag: Sie soll den kriminellen Wissenschaftler Durand Durand daran hindern, für die gefürchtete Schwarze Königin eine vernichtende Geheimwaffe zu entwickeln. Auf der Suche nach Durand gerät Barbarella in allerhand erotische Abenteuer, muss mehrfach um ihr Leben fürchten und steht schließlich der Schwarzen Königin persönlich zum Duell gegenüber.

Filmkritik

20 Millionen DM durfte Regisseur Roger Vadim verbrauchen, um Barbarella, der Comic-Strip-Figur von Jean-Claude Forest, ein aufwendiges Leinwandleben zu ermöglichen. Sie lebt ihr Agentenleben im Jahr 40 000 in einer Märchenwelt, die Forests Phantasie üppig wuchern läßt und Vadims Intentionen, alle Arten und Abarten der Agenten-, Science Fiction- und Gruselfilme unter einen Hut zu bringen, entgegenkommt. Seine Phantasie-Rakete aber, die nur für einfältige Gemüter mehrstufig zündet, irrt am Ende deswegen ziellos im All umher, weil sie trotz aller Einfälle die weitabgesteckte Grenze des Unsinns nicht in Richtung Tiefsinn überschreitet. Barbarella wird vom Präsidenten der Erde via Milchstraße geschickt, um jenen Wissenschaftler ausfindig zu machen, in dessen Händen sich eine alles vernichtende Waffe befindet. Bis zu diesem Ziel aber muß sie verschiedentlich notlanden und Bekanntschaft mit den jeweiligen Wesen auf unbekannten Planeten machen. Und wem es nach dem Titelvorspann noch nicht aufgegangen sein sollte, daß die mutige Astronautin in erster Linie eine Frau ist, der kann sich bei ihren Rendez-vous davon überzeugen, daß sie neben ihrer kompletten James-Bond-Ausrüstung auch noch die Waffen einer Frau besitzt. Kurzum: Barbarella praktiziert neben der modernen Liebe (eine Pille versetzt die Partner in Liebesrausch und gibt nur durch Berühren der Fingerspitzen Erfüllung) auch noch die "altmodische" Art und kommt somit ihrem Ziel, dem gefährlichen Herrn Durand-Durand, näher. Ein Vogelmensch, den sie als Engel bezeichnet, trägt sie weiter, und wenn sie schließlich dem Ungeheuer gegenübersteht und es besiegt, indem sie alle Sicherungen seiner elektrischen "Liebesorgel" durchbrennen läßt, dann darf sie - ehe der Engel sie und die schwarze Königin unter die Fittiche nimmt - noch zusehen, wie ein lebendiger See den ganzen unseligen Planeten verschlingt. Das alles ist keineswegs ein Alptraum, sondern ein bunter Rausch der technischen Wunderdinge aus dem Land Utopia, das freilich auf typische Merkmale der Leinwand aus dem Jahre 68 nicht verzichtet: Sex und Wunderwaffen, Hitchcocks Vögel und der zwischen Gut und Böse trennende Kampf der Agenten, Folterungen und Sadismus. Sind es also diese "Errungenschaften" von heute, die als einzige die Chance hatten, in die Welt des Jahres 40 000 hinübergerettet zu werden? Vadim will es uns glauben machen, obgleich man angesichts der Oberflächlichkeit, mit der dieses Märchen erzählt wird, keinen Gedanken mit Tiefgang voraussetzen kann. Denn immer dann, wenn in kurzen Augenblicken ein nachdenkenswerter Ideenflug erkennbar wird, der sich beispielsweise mit Franz Werfeis "Stern der Ungeborenen" deckt, ist die trickreiche, vordergründige Optik dominierend. Sie schaltet den Verstand aus. Die Menschen, die Vadims Welt bevölkern, sind allesamt unwirklich, und auf die "auflösende" Idee, die dem Spuk ein Ende setzt, wartet man vergeblich. Der Ausgangspunkt, die Welt der Comic-Strips für das Medium Film zu übertragen (mit entsprechenden Farben, Dialogen etc.) wurde von Vadim gänzlich ausgeklammert, weil er diese Vision einzig als Show-Spektakel erzählt sehen will.

Erschienen auf filmdienst.deBarbarellaVon: Volker Holt (12.5.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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