Vorstellungen
Filmkritik
Wer sich in der Filmgeschichte ein bißchen auskennt, wird sich eines sehr ähnlichen Films erinnern. In "Nie wieder New York" spielte einst Jack Lemmon den Pechvogel, für den Manhattan nur unliebsame Überraschungen bereithält und der auch nicht zur Ruhe kommt, als er endlich im Flugzeug sitzt. Diesmal ist Steve Martin der Unglücksrabe, der am Tag vor Thanksgiving zu Frau und Kindern nach Chicago zurückkehren will, stattdessen aber eine nicht enden wollende Odyssee antritt. Mit welchem Verkehrsmittel er sich auch einläßt, er ist immer der Verlierer. Das für 75 Dollar einem anderen "abgekaufte" Taxi schnappt ihm ein kleiner Handelsvertreter weg; das Flugzeug hat Verspätung, und als es endlich fliegt, muß es wegen Schneesturms in Wichita (Kansas) landen; der Zug, der ihn von dort nach Chicago bringen soll, bleibt mit Maschinenschaden im Niemandsland liegen; der eroberte Mietwagen steht nicht an seinem Platz; und die Mitfahrt mit besagtem Handelsvertreter wird fast zum Todeskommando auf der Autobahn. Übrigens, der Handlungsreisende. Mit ihm führt der Film allmählich einen zweiten Handlungsstrang ein, der die Gag-Komödie mehr und mehr mit ernsthaft-besinnlichen Tönen unterläuft. Der Kerl ist das genaue Gegenteil des gutverdienenden, smarten Aufsteigers aus der Werbebranche, dessen Weg er dauernd kreuzt: ein dicker, unaufhörlich redender, gutmütiger Zeitgenosse, der aber gerade durch seine Gutmütigkeit ungeheuer lästig fällt. Steve Martin kann ihn sich nicht vom Hals schaffen.
Wie ein Bumerang ist der schwatzhafte Mitreisende samt seinem schweren Musterkoffer immer wieder zur Stelle, wann und wo auch nur etwas schiefgeht. In einem ausgebuchten Motel landen die beiden sogar im selben Bett und bringen sich gegenseitig um den verdienten Schlaf. Geht der Gag-Komödie relativ bald die Luft aus, weil sich im Grunde die Pechsträhne nur potenziert und die meisten Unglücke voraussehbar werden, so baut sich mit dem Niedergang des Lustspiels eine hintergründig menschlichere Komödie auf: die Beziehung der ungleichen Leidensgefährten zueinander. Der Dicke (John Candy) ist jener freundliche Typ, der immer einen Ausweg findet und hilfreich gern andere daran teilhaben läßt. Steve Martin dagegen ist der distanzierte Geschäftsmann, der sich Mitreisende lieber vom Leib hält, der leichter Geld ausgibt als spontane Hilfe anzunehmen, und der in der Hilfsbereitschaft anderer nichts als Aufdringlichkeit sieht. Er muß erst lernen, in seinem ungewollten Reisegefährten den Menschen zu erkennen. So wird ganz langsam aus Abweisung und mühsam verstecktem Ärger verspätete Reue, Mitleid und schließlich menschliche Anteilnahme. Dieser sich allmählich vollziehende Sinneswandel könnte die etwas schwach konzipierten Gags wirkungsvoll unterlaufen, wäre der Film insgesamt kongruenter inszeniert. Leider aber reicht John Hughes Talent nicht aus, um eine dauerhaft überzeugende Balance zwischen den beiden Ebenen herzustellen. Immer wieder schieben sich auch im zweiten Teil des Films äußerliche Gags in den Vordergrund, obwohl längst die Beziehung der ungleichen Partner zueinander mehr interessiert als die nur mäßig überraschende Fortsetzung der Reiseunfälle. Das Bestreben, nur ja die Erwartungen eines auf Lacher versessenen Publikums zu erfüllen, stellt sich häufig einer konsequenten Entwicklung der Story entgegen. Was übrig bleibt, ist ein Film, der vermutlich weder die eine noch die andere Erwartung des Zuschauers befriedigt und an dem man einmal mehr ablesen kann, wie schwer es ist, eine ausgewogene Komödie zu inszenieren.










