Vorstellungen
Filmkritik
Der Titel läßt in seiner Weitschweifigkeit einen trockenen Lehrfilm über kapitalistische Ausbeutung in unserer Gesellschaft vermuten, aber er ist die ironische Verfremdung für eine Komödie, die den Titel wieder in seiner ernsthaften Aussage bestätigt. Die Rentnerin Lina Braake (Lina Carstens) hat Wohnrecht auf Lebenszeit in dem alten Mietshaus, das zu ihrer selbstverständlichen Umgebung geworden ist. Aber das Haus wird an eine Bank verkauft, und Lina Braake hat versäumt, ihren Anspruch anzumelden. Sie muß ausziehen. Die Bank bietet ihr einen Platz im Altersheim an. Für Lina Braake bricht eine Welt, ihre Welt zusammen.
Alle Kniffe des Geldgeschäfts
Würde sie in diesem Heim nicht dem entmündigten Finanzmakler Gustav Härtlein (Fritz Rasp) begegnen, der in ihr die Rachegedanken gegen die wie anonym funktionierende Geldinstitution weckt, wäre sie in kurzer Zeit in ihren Depressionen verkommen. Dieser betagte, aber immer noch geistig ungemein rege Gustav Härtlein - er liest die "Frankfurter Allgemeine" und die neuesten Aktmagazine - kennt alle Kniffe des Geldgeschäfts. Er kann die Banken hereinlegen, denn an seine Vernunft kann nicht appelliert werden, das ist juristisch festgelegt. Beide bereiten einen Coup vor, der Lina Braake einen Kredit von 20.000 Mark bringen soll, mit dem sie auf Sardinien den Brüdern ihres Friseurs, der als Gastarbeiter das Geld zusammenbringen möchte, einen Bauernhof kaufen will, der auch für sie zur Wohnung werden kann.
Der Plan gelingt und Lina Braake regelt wie abgemacht die Geschäfte. Sie wird zwar nach einiger Zeit wieder nach Deutschland gebracht und entmündigt. Aber das Haus kann von der Bank nicht enteignet werden und Lina Braake hat sich ein Dauerwohnrecht vermachen lassen. Sie wird kommendes Jahr zusammen mit Gustav Härtlein in den warmen Süden fahren.
Lina Braake und Gustav Härtlein sind zwei blitzgescheite alte Leute, sympathisch, das was man bewundernd `menschlich` nennt. Und diese beiden Alten brechen mit des Zuschauers und der Autoren Einverständnis die Gesetze, hauen diese ehrenwerten Bankleute übers Ohr. Das hat etwas von anarchischem Charakter. Ein Kampf, wenn auch ein schlitzohriger, gegen die Verkrustung, die Maschinerie, die Allmacht des Bestehenden, das so oft mit Ewigwährendem gleichgesetzt wird, das aber sehr wohl im eigenen Interesse zu verändern weiß - siehe den Abriß alter brauchbarer Häuser zum Zweck des Zugewinns. - Lina Braake und Gustav Härtlein sind aber auch Beispiele dafür, daß alte Menschen keine Trottel sind, die wie unmündige Kinder bevormundet werden, die man in Heime abschieben kann. Die Unwürdigkeit solcher Altersheime wird skurril und komödienhaft geschildert - und dadurch entlarvt.
Eine phänomenale Leistung
Der Autor Bernhard Sinkel, ein gelernter Jurist, ist in seiner detailfreudigen Beschreibung nie dem Klamauk erlegen. Er hat mit Alf Brustellin zusammen einen Film gestaltet, den man gerne anschaut, der lernen läßt, Einsichten vermittelt. Die große Leistung Sinkeis war die Gewinnung und Führung von Lina Carstens (82 Jahre) und Fritz Rasp (84 Jahre), die ihr Alter in die Rolle einbringen und eine phänomenale Leistung im Sinne der Geschichte erbringen. Sie machen einem glauben, daß man alt nicht nach Jahren, sondern nur nach dem Verstand werden kann - und davor sind auch 20-Jährige nicht gefeit.


