Cars

116 minKomödie, Animation, AbenteuerFSK 0
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Lightning McQueen, ein roter Sportwagen mit übermäßigem Selbstbewusstsein, hat einen Traum: Er will eines Tages ein großes Rennen fahren, um damit den Durchbruch zu schaffen. Doch allein der Weg zur Rennstrecke gestaltet sich schwieriger als zunächst gedacht. Mitten in der Wüste, in einem Örtchen namens Radiator Springs, muss das sportliche Gefährt eine Zwangspause einlegen. Wider Erwarten lernt er dabei aber allerhand über die Wichtigkeit von Freundschaft und Familie. (nki)
  • Veröffentlichung07.09.2006
  • 7/10 (15228) Stimmen

Gemessen an den Maßstäben des modernen Actionkinos, kommt „Ben Hur“ (fd 9589) nur schwer in Gang. „Cars“ macht dagegen keine große Umschweife und beginnt gleich mit einem spektakulären Wagenrennen. Ein peitschenschwingender Charlton Heston aber hat ausgedient, die Computeranimation macht es möglich: Die Karossen im neuen Pixar-Film sind ihre eigenen Herren, sind nicht nur mit Automatikgetriebe ausgestattet, sondern denken, fühlen und sprechen auch. Und sie sind ehrgeizig. Das Rennen um den „Piston Cup“ scheint sich auf ein Duell zwischen den beiden Favoriten zu konzentrieren, als der übermütige Newcomer Lightning McQueen unvermittelt in Führung geht: ein knallroter Flitzer mit unwiderstehlichem Lächeln und einem Ego, das aus allen Schweißnähten platzt. Dann platzen ihm die Reifen, felgenfunkensprühend erreicht Lightning zeitgleich mit den Altstars die Ziellinie. Der Dreikampf geht unentschieden aus, und das Turnier muss in einer anderen Arena fortgesetzt werden. Doch Lightning geht auf dem Weg zum nächsten Austragungsort verloren. Das Bermuda-Dreieck für Landstraßen untüchtige Rennautos heißt Radiator Springs, ein Provinznest an der legendären Route 66, deren Anlieger abseits der neuen Schnellstraße ein munteres Schattendasein fristen. Wenn der von seiner Erfolgsspur abgekommene Lightning unter Realitätsschock das halbe Dorf verwüstet, ist das schon die zweite Actionsequenz innerhalb kurzer Zeit. John Lasseter lässt dem Zuschauer keine Bedenkzeit, wie eine Welt funktionieren soll, die nur von Autos und Lastwagen, daneben auch Zügen und Hubschraubern bevölkert wird. In klassischen Trickfilmen wurden, neben Tieren, nur selten Gegenstände „disneysiert“ – etwa ein Türknauf, Teegeschirr und Spielkarten in „Alice im Wunderland“ (fd 2301). Die rechnergestützten Spielfilme haben da bisher keinen Unterschied gemacht, sodass man „Cars“ getrost als revolutionäre Tat in der Trickfilmgeschichte bezeichnen kann. Da Autos zwar Inbegriff der Mobilität, aber in sich kaum beweglich sind, legten die Animatoren konsequent den Schwerpunkt auf ihre Mimik und experimentierten mit der Augenhöhe der virtuellen Blechgesellen. Das Bewegungsarsenal dieser lackierten „Gesichter auf Rädern“ bleibt notgedrungen aufs Vorwärts- und Rückwärtsfahren und das Gestikulieren mit den Reifen beschränkt, aber irgendwie weckt diese Reduktion Beschützerinstinkte: Man beginnt den Nachbarn zu verstehen, der zweimal wöchentlich seinen Wagen wäscht. Lightning McQueens Läuterung vom rücksichtslosen Raser zum umsichtigen Auto verdankt sich der Gemeinde von Radiator Springs. Die tritt zunächst eher feindselig auf, weil Lightning die Dorfstraße ruiniert hat. Doc Hudson, Bürgermeister, Dorfarzt und Richter in Personalunion, verdonnert den Unglückswagen zur Straßenreparatur. Vor eine asphaltspeiende Höllenmaschine namens Bessie gespannt, muss Lightning seine Strafe abbüßen. Einige Stunden Zwangsarbeit und einen missglückten Fluchtversuch später, sieht Lightning die Wüstenei und ihre Bewohner bereits in anderem Licht. Er begreift die sandigen Kurven eines natürlichen Trainingsplatzes als Herausforderung und beginnt, der staubigen Gegend angenehme Seiten abzugewinnen. Dies um so mehr, als ihn das schnittige PorscheFräulein Sally zur romantischen Spritztour in die Berge mitnimmt. Wo Felsen wie Limousinen, Radschächte oder Stoßstangen geformt sind, Wolkenstreifen wie Reifenspuren den Himmel überziehen und winzige VW-Käfer herumschwirren, mutiert die Natur zum Autosalon. Sozusagen im Kofferraum befördert der Film einen Naturbegriff, der die Technologie mit einschließt. Was nichts Neues ist, wenn man an die futuristischen Verschmelzungen von Flora, Fauna und Maschinerie in der „Star Wars“- Serie denkt, und doch manifestiert sich in „Cars“ eine neue Selbstverständlichkeit in der Engführung von natürlicher und technischer Evolution. Diese fortschrittsgläubige Haltung des Films erzeugt ein gewisses Unbehagen, wenn man sich den ansteigenden Spritverbrauch in den USA und das unterentwickelte Umweltbewusstsein der amerikanischen Gesellschaft vor Augen führt. Die vordergründigen Konflikte spielen sich auf der rein „menschlichen“ Ebene ab. Radiator Springs wird zum Schauplatz eines Generationenproblems. Wo die liebenswert- vergessliche Ford-Model-T-Oma Lizzie durchs Bild tuckert, deutet sich schon an, dass die Versöhnung der Alten mit den Jungen nur eine Frage der Zeit ist. Denn selbst hinter der harten Schale des grummeligen Doc verbirgt sich ein vom Leben zwar angekratzter, aber nicht verbitterter Ex-Rennwagen und zweifacher Piston-Cup-Sieger, der seinem jungen „Konkurrenten“ schließlich die Karrierebahn freimacht. Paul Newman hat als Doc Hudsons raue Synchronstimme dann doch seinen gebührenden Auftritt. Friedrich Schönfelder überzeugt als deutsches Pendant ebenso wie Daniel Brühl sich als flinkes Mundwerk von Lightning McQueen mit dem US-Sprecher Owen Wilson messen kann. Überzeugend nicht zuletzt die skurrilen Nebenfiguren: Hook, ein angerosteter Abschleppwagen mit Überbiss, wird für Lightning das, was Goofy für Micky war. Luigi und Guido, das italienische Duo aus dem Autosalon „Casa della Tires“, sorgen für weitere Lachnummern: Wenn Provinzei Guido zum Showdown in Los Angeles Lightnings Boxenstopp managen darf, fragt man sich schon, wie der kleine blaue Gabelstapler ohne jede Feinmotorik den schnellen Reifenwechsel bewerkstelligt. Aber man hat der Disney-Company ja auch schon fliegende Elefanten, sprechende Mäuse und tanzende Teekannen abgenommen. Warum dann nicht auch Autos, die sich gegenseitig reparieren?

Veröffentlicht auf filmdienst.deCarsVon: Jens Hinrichsen (25.6.2026)
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