Vorstellungen
Filmkritik
„Je weniger Aufwand, desto besser“, mögen sich Margret und H.A. Rey wohl gedacht haben, als die Abenteuer des kleinen Schimpansen Coco und seines Herrchens, dem Mann mit dem gelben Hut, erdachten, zumal die Geschichten für kleine Kinder bestimmt sind. Mit einfachen, prägnanten Zeichnungen sollen diese durch die übersichtliche Abenteuerhandlung der Vorlesegeschichten geführt werden. Die flächigen Bilder, die vom weichen Bleistift und sanften Pastellfarben geprägt sind, füllen die Zwischenräume mit Leben aus. Mit diesem Konzept haben die Reys immerhin mehr als 30 Millionen Bücher verkauft und das putzige Strichäffchen unauslöschbar in die Herzen der vielen jungen und auch alten Fans gemalt. Zum Glück ist dem Affen George (im Deutschen: Coco) und seinem (interessanterweise namenlos gebliebenen, im Film aber Ted getauften) Ziehvater eine 3D-Computer-Verfilmung erspart geblieben, wie sie im Zuge von „Findet Nemo“ (fd 36 237) und den beiden „Ice Age“-Filmen (fd 35 344, fd 37 574) zunächst geplant worden war. Der Computer wurde als Zeichengerät zwar beibehalten, doch die Produzenten von Universal haben aus finanziellen Gründen eine Dimension gespart. Auf diesem Weise wurde die filigrane Seele des kleinen Äffchens glücklich bewahrt, so dass sich auch die Kinozuschauer in den kleinen Schelm verlieben können, auch wenn die Verlockung der Technik doch dazu führte, dass man den 2D-Zeichnungen mittels Lichteffekten eine gewisse Reliefhaftigkeit verlieh. Dieser Umstand ist symptomatisch für ein zehn Jahre währendes Zaudern von Universal davor, ein Risiko einzugehen. Die Macher von „Der Gigant aus dem All“ (fd 34 011) waren 1999 für ihre konsequente Beibehaltung der 2D-Animationstechnik reichlich belohnt worden, als sie alle wichtigen Zeichentrickpreise gewannen – trotz „Antz“ (fd 33 404) und „Das große Krabbeln“ (fd 33 530). Formal ist „Coco – Der neugierige Affe“ also kein Meisterstück geworden, von dem man noch in Jahren reden wird. Inhaltlich liegen die Dinge ähnlich: Als wollte der Film nicht lange mit seinen Trümpfen wuchern, spielt er seinen größten gleich zu Beginn aus. Das ist mitnichten sein Hauptdarsteller, sondern ein Sonnyboy aus Hawaii namens Jack Johnson. Mit seiner akustischen Gitarre steuert der inzwischen zum Superstar der Songwriter-Szene avancierte Hobbysurfer zu „Coco“ eine ganze CD mit Liedern bei. Sein bekanntes „Upside Down“ läuft in voller Länge zunächst erst einmal als Prolog des Filmes und führt den kleinen Affen fidel und unbeschwert in seiner Heimat Afrika ein. Nach diesem „Videoclip“ beginnt die eigentlich Handlung, die nach den Vorgaben des Kinderbuches nicht sonderlich komplex ausfallen kann: Dem Naturkundemuseum, in dem Ted arbeitet, geht es schlecht. Wenn kein Wunder geschieht, muss es einer Tiefgarage weichen. Nur eine Sensation könnte die leeren Kassen füllen. Die, so erinnert sich Ted, könnte eine riesige goldene Götzenfigur sein, die tief verborgen im afrikanischen Dschungel schlummern soll. Während das Museum seinen letzten Cent für eine große Werbekampagne um die Statuette ausgibt, muss Ted sie in Afrika erst suchen. Was er findet, ist allerdings nur ein paar Zentimeter groß und vermeintlich alles andere als geheimnisvoll. Als blinder Passagier über den Atlantik gereist, wagt indes auch ein kleiner Affe die ersten unsicheren Schritte in der großen Stadt. Es war die Neugier auf den gelben Hut von Ted, die Coco aus dem Dschungel lockte; nun lässt sie den Lausbengel eine ganz neue Welt entdecken. Die titelgebende Neugier ist zu jeder Zeit das treibende Element der Handlung. Was im Buch putzig und mitunter lehrreich ist, stellt im Film allerdings ein Problem dar. Man kann Coco zwar ein Badezimmer einer Diva verwüsten, das Saurierskelett im Museum zum Ächzen bringen und den Feierabendverkehr lahm legen lassen, doch eine Geschichte wird daraus noch lange nicht. So mühen sich die Autoren mit einer romantischen Liebesgeschichte zwischen Ted und einer Biologielehrerin ab und beschäftigen einige Sidekicks wie etwa einen liebevoll verrückten Professor und seine noch verrückteren Erfindungen. Was mit ein wenig Mut und Fantasie zu einem zeitlos schönen Märchen hätte werden können, erschöpft sich in einer netten Nummernrevue und den dazu passenden Songs von Jack Johnson, durch die der Film zumindest bei dessen Fans lange in Erinnerung bleiben dürfte. Wer bis zum Abspann ausharrt, kann im Übrigen mit Staunen und noch mehr Wehmut zur Kenntnis nehmen, wie „Coco – Der neugierige Affe“ auch hätte aussehen können; dort läuft nämlich ein wunderschöner, radikal altmodisch animierter Abspann – ganz im Stile und im Sinne des Ehepaars Rey.





