Filmplakat von Dancing Heartbeats

Dancing Heartbeats

92 min | Dokumentarfilm | FSK 6
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Die drei Freundinnen Frieda, Viola und Jilou wollen die Breakdance-Welt erobern. Gemeinsam pushen sie sich und trainieren, um ihre Tanzperformances auf Höchstniveau zu bringen. Ihr hartes Training und ihre Auftritte bei internationalen Battles helfen ihnen, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen. Jilou ist inzwischen eine der Besten der Szene und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Während sie eine Herausforderung nach der anderen meistert, kämpft Frieda mit einer Verletzung. Sie muss sich damit auseinandersetzen, dass sie ein Leben nach dem Profisport führen muss. Doch wie soll das aussehen? Und Viola möchte vor allem als Tänzerin wahrgenommen werden. Sie verbindet das Breaken mit modernen Tanzelementen und als Ausdruck ihrer Identität als Künstlerin.
  • RegieLisa Wagner
  • ProduktionsländerDeutschland
  • Produktionsjahr2023
  • Dauer92 Minuten
  • GenreDokumentarfilm
  • AltersfreigabeFSK 6

Vorstellungen

Capitol Theater
Seilgraben 8
52062 Aachen
Subiaco
Klosterplatz 2
72275 Alpirsbach
Olympia Kino
Hölderlinstraße 2
69493 Hirschberg an der Bergstraße
Karlstorkino
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg
Subiaco
Schiltachstraße 28
78713 Schramberg
Subiaco
Promenadenplatz 1
72250 Freudenstadt
Filmhaus Heidelberg
Marlene-Dietrich-Platz 1
69126 Heidelberg

Filmkritik

Für Sanja Jilwan Rasul alias „Jilou“ stehen entscheidende Wochen an. Als das derzeit erfolgreichste deutsche B-Girl kann sie sich über die „Olympic Qualifier Series“ in Shanghai und Budapest für die Olympischen Spiele 2024 in Paris qualifizieren. Es ist das erste Mal, dass mit Breakdance eine Tanzsportart olympisch wird. Jilou kann Sportgeschichte schreiben.

Wie der von Lisa Wagner inszenierte Dokumentarfilm „Dancing Heartbeats“ erahnen lässt, befindet sich Jilou damit auf dem vorläufigen (sportlichen) Höhepunkt eines harten Weges und einer oftmals schwierigen Vita. Neben Jilou begleitet der Film mit Viola Luise Barner und Frieda Frost zwei weitere B-Girls durch ihren Alltag. Jilou ist mit 31 Jahren die jüngste der drei Frauen und die Einzige, die sich noch immer ganz dem Breaking verschrieben hat, weil eine Olympiateilnahme fast zum Greifen nahe ist.

An den Grenzen des Körpers

Die neun Jahre ältere Frieda hingegen, die einstige Pionierin der deutschen B-Girl-Szene, stößt zunehmend an die Grenzen ihres Körpers. Jede Verletzung fühlte sich wie eine Depression an, ehe sie mitten im Corona-Lockdown in Marokko strandet und ihrem Leben eine neue Perspektive verleiht, weg von den Wettkämpfen hin zur Tanzperformance. Anstatt selbst aktiv an „Battles“ teilzunehmen, unterrichtet sie Schülerinnen, gründete eine Tanzakademie und organisiert Events.

Auch Viola will sich mit Mitte 30 nicht länger in die B-Girl-Schublade stecken und vorschreiben lassen, wie sie sich zu verhalten hat. Zunehmend zweifelt sie daran, ob ihr das Breaking allein genügt, Immer mehr Elemente zeitgenössischer Tanzkunst und des brasilianischen Kampftanzes Capoeira lässt sie in ihre Choreografien einfließen. Falls sie damit die B-Girl-Schublade sprengt, erklärt sie trotzig selbstbewusst, dann ist sie ab jetzt halt eine Tänzerin.

Die Frage, was es für die drei Frauen bedeutet, in Deutschland ein B-Girl zu sein oder vielleicht eben auch nicht (mehr), zieht sich als roter Faden durch die Dokumentation.

Rare Momente des Miterlebens

Während im Bildausschnitt Breaking-Battles, Tanzperformances, Trainings oder Impressionen vom Abschied am Flughafen und Einkäufe auf einem marokkanischen Markt zu sehen sind, findet die Suche nach den individuell richtigen Antworten nahezu ausschließlich auf der Tonspur und damit im Off statt. Die Protagonistinnen werden nicht in Interviewsituationen gezeigt. Die Filmemacherin bleibt unsichtbar. Auch auf einen erklärenden Erzählerkommentar verzichtet Lisa Wagner.

Für ein authentisches Gefühl des Miterlebens sorgt dies nur in den stärksten, aber raren Momenten des Films. Etwa, wenn Viola ihren jüngeren Bruder trifft und gemeinsam mit ihm das Grab der früh verstorbenen Mutter aufsucht. Oder wenn Jilou und ihr Freund sich streiten, weil Jilou zwar von ihm unterstützt werden möchte, aber auf ihrem Weg und ohne sich dreinreden zu lassen. Es sind intensive zwischenmenschliche Begegnungen, in denen die Off-Spur verstummt und der jeweilige Augenblick die Regie übernimmt. Meist jedoch berauben sich Ton und Bild gegenseitig ihrer Kraft. Die Erzählungen wirken dann episodisch, die Einstellungen illustrativ.

Narrativ, ästhetisch und emotional verliert sich „Dancing Heartbeats“ gleichsam in Halbtotalen, ohne eine echte Nähe zuzulassen, aber auch ohne das Gezeigte in einen Kontext einzubinden. Die vielfältigen Eindrücke und Momentaufnahmen verbinden sich allenfalls zu einer fragmentarischen Collage, einer vagen Gesamtskizze. Weder werden die Hintergründe von Hip-Hop und Breakdance noch die Historie der deutschen B-Girl-Szene beleuchtet. Nicht einmal die technischen Aspekte des Breaking werden erläutert.

Der „Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung“ in der „männerdominierten Breakdance-Welt“, von dem in den Pressematerialien vollmundig die Rede ist, wird lediglich gestreift, wenn sich die drei B-Girls darüber unterhalten, dass die meisten Break-Lehrer Männer sind und sie als Frauen weder bevorzugt noch benachteiligt, sondern einfach nach ihren „Skills“ beurteilt werden wollen. Auch zu den individuellen Werdegängen der drei Protagonistinnen liefert der Dokumentarfilm kaum mehr als Andeutungen über schwierige Kindheiten und problematische Familienverhältnisse.

Ein oszillierendes Kulturphänomen

Stattdessen wiederholt der Film in einer ungeduldig-kurzatmigen Montage austauschbare Posen und Bewegungsabläufe, ohne sie einzuordnen oder auch nur (nach)wirken zu lassen. Obwohl „Dancing Heartbeats“ vom Reiz, den das Breaking ausmacht, kaum mehr vermittelt als eine flüchtige Ahnung, von dessen subkulturell-subversiven Wurzeln, aber auch den sexistischen Abgründen, der Machokultur, in der sich die B-Girls ihren Platz erbattlen, und von den drei Protagonistinnen selbst, ihren Lebensgeschichten, Widerständen, Hoffnungen und Sehnsüchten, genügt das doch, um auf unterhaltsame Weise die Neugierde zu wecken auf ein faszinierendes, oszillierendes Kulturphänomen, aus dem im Sommer 2024 eine neue olympische Sportart hervorgeht.

Erschienen auf filmdienst.deDancing HeartbeatsVon: Stefan Volk (6.5.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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