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Das letzte Abendmahl

114 minDramaFSK 12
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Jerusalem, kurz vor dem Pessachfest: Jesus kommt noch einmal mit seinen engsten Gefährten zusammen. Was als gemeinsames Mahl beginnt, wird zu einem Abend voller unausgesprochener Konflikte und brüchiger Loyalitäten. Während draußen die politischen Fronten sich verhärten, fällt im Inneren eine Entscheidung, die alles verändern wird.

Für Christen ist die Geschichte des letzten Abendmahls, bei dem Jesus in Jerusalem seine Gefährten um sich versammelte, mehr als vertraut. In der katholischen Welt wird das historische Ereignis in jeder Messe wiederholt. Auch das Davor und Danach, vom umjubelten Einzug in der Stadt bis zu Kreuzigung und Auferstehung, sind bestens bekannt. Die vier synoptischen Evangelien berichten davon detailliert – und in der Karwoche wird das Geschehen zudem liturgisch aufwendig vergegenwärtigt.

Ein Film wie „Das letzte Abendmahl“ von Mauro Borrelli wiederholt damit einen Stoff, bei dem es mehr auf die Interpretation und die Details als auf die groben Konturen oder eine kunstvolle Spannungssteigerung ankommt. Wobei der solide produzierte, visuell und narrativ aber recht konventionelle Bibelfilm seine Herkunft aus dem evangelikalen US-Milieu und seine Intentionen von Anfang an klar zu erkennen gibt: „Dies ist mehr als eine Geschichte – es ist eine Einladung, Jesus kennen zu lernen.“

Ein Brot, das den Hunger tilgt

Der Prediger aus Nazareth steht zu Beginn inmitten einer riesigen Menge, die ihm gebannt zuhört und wundersame Dinge erwartet. Eine Frau schiebt ihr taubstummes Kind durch die Reihen zu Jesus (Jamie Ward), der sich prompt des Jungen annimmt und ihn von seinem Leiden befreit. Die Jünger, allen voran Petrus (James Oliver Wheatley), verfolgen dies vom Ufer des Sees Genezareth aus, wobei sich nicht nur Judas (Robert Knepper) um die hungrigen Menschen sorgt. Jesus aber lächelt nur milde, schließt die Augen und lässt dann die fünf Brote und zwei Fische verteilen. Dass jeder der „Fünftausend“ davon nimmt, wie es in der Bibel heißt und von Borrelli beiläufig ins Bild gesetzt wird, verblüfft auch die Gesandtschaft aus der Stadt Sepphoris, die nicht so recht weiß, was sie davon halten soll. Auch Judas ist überwältigt und beginnt von einer neuen Zeit nach dem Ende der römischen Herrschaft zu träumen. Doch Jesus geht es um etwas anderes: Schon hier spricht er vom lebendigen Brot, nach dessen Verzehr man nie mehr hungrig ist, weil es Anteil am ewigen Leben gewährt.

Damit ist das zentrale Thema angespielt, das nach einen Zeitsprung in Jerusalem im Zentrum steht: die Umdeutung der rituellen Pessach-Feier, mit der das Judentum der Flucht aus Ägypten und der befreienden Taten ihres Gottes gedenkt, während sie im Christentum mit Jesus als dem endzeitlichen Messias verknüpft wird. Seine Begleiter rätseln während des Essens noch über die seltsame Konnotation von Brot und Wein als Christi Leib und Blut, stürzen sich aber dann mit Gusto auf das Opferlamm, das neben den gesäuerten Broten, den Bitterkräutern und dem Wein ebenfalls verzehrt wird. Erst viel später, nach den verstörenden Ereignissen von Kreuzigung und Auferstehung, als Jesus ihnen am See erscheint und erneut ein Fischfang-Wunder bewirkt, sind sie in der Lage, die eigentliche Dimension der Ereignisse zu verstehen – dass ihr Freund sich für die Vergebung der Sünden und das Versprechen des ewigen Lebens geopfert hat, wie es am Ende des Films heißt. Nun ist es an Petrus, der am Wasser predigt und den Menschen von Jesus als dem wahren Opferlamm und dem heiligen Brot erzählt, das den Hunger für immer tilgt.

Judas, Petrus und Johannes

In englischsprachigen Rezensionen des Films, der in den USA bereits im Frühjahr 2025 in die Kinos kam, wurde die mangelnde Ausstrahlung von Jamie Ward als Jesus beklagt. Das verkennt allerdings die missionarische Zielsetzung der Produktion, die bei aller Verehrung Jesus nicht als strahlenden Superhelden stilisieren, sondern eine Brücke in die Gegenwart schlagen will. Andere Figuren werden spürbar profilierter herausgearbeitet, etwa Judas, der als zerrissene, vom Satan immer wieder versuchte Persönlichkeit gezeichnet wird. Oder Petrus und Johannes, die fast wie Zeitgenossen wirken, wenn man ihre von der Sonne ausgebleichten Leinenkutten durch aktuelle Kleidung ersetzen würde. Sehr interessant ist die Figur von Johannes (Charlie MacGechan), der Jünger, den Jesus nach Auskunft des Johannes-Evangeliums liebte. In deutlicher Absetzung zu kunsthistorischen Traditionen wird er hier nicht knabenhaft-weich, sondern eher als ein echter Kerl vom Schlage eines Tim Mälzer gezeichnet, der beim Fest auch nicht an Jesu Seite ruht, sondern sich unter die anderen mischt.

In diesen Kontext evangelikaler Jesus-Verehrung passt auch die dramaturgische Strukturierung des Geschehens, die nach dem gemeinsamen Mahl relativ viel Zeit auf den weiteren Abend im Garten Gethsemane, die Verhaftung und das Verhör durch den Hohepriester Kajaphas verwendet, während Hinrichtung, Tod und Auferstehung nur sehr gerafft, fast kursorisch abgehandelt werden, um dann der neuerlichen Begegnung am See in Galiläa mit Jesus als auferstandenem Christus wieder viel Raum zu geben. Auf diesen Moment steuert „Das letzte Abendmahl“ unaufgeregt, aber entschieden zu, als ein frommer, erbaulicher Film, fast nach Art einer Kinderbibel, mit solide ausgeleuchteten Bildern und mäßig dramatischen Zuspitzungen, unter denen das abgeschlagene Ohr des Malchus oder die Verbildlichungen des Teufels als zischelnde Schlange für ein wenig Beklemmung sorgen.

Für theologische Reflexionen bleiben nur wenige Szenen, etwa kurze, albtraumartige Zwischenschnitte, wenn Jesus für einen Moment das Schlachten der Opferlämmer mit seinem Kreuzestod assoziiert. Ob der Film damit einen Bogen zum Blut schlagen will, mit dem im Alten Testament zu Pessach die Türpfosten markiert werden, ist allerdings eher fraglich.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDas letzte AbendmahlVon: Josef Lederle (26.3.2026)
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