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Der Dritte

111 minDrama, LovestoryFSK 6
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Szenebild von Der Dritte 1
Ich bin Mitte dreißig, hab zwei Kinder, jedes von einem anderen. Ich hab das zwei Mal versucht, der Dritte soll bleiben, sagt Margit zu ihrer besten Freundin Lucie. Die alleinerziehende Datentechnikerin hat nämlich ein Auge auf den ebenfalls geschiedenen Hrdlitschka aus dem Chemiewerk II geworfen. Nur fehlt Margit der Mut, den ersten Schritt zu tun, obwohl es ihr sonst nicht an Selbstbewußtsein mangelt.

Jahren klischeehafter gesellschaftspolitischer Filmproduktion in strenger Ausrichtung auf die von den Parteitagen ausgegebenen ideologischen Fixpunkte folgt eine Art DDR-Neue Welle von Filmen, in denen gesellschaftspolitische Maximen und Phänomene relativiert werden. Egon Günthers Film "Der Dritte" ist für den bundesdeutschen Zuschauer auch als Zeugnis für eine Bewußtseinsveränderung in der DDR interessant. - Margit, eine 35jährige Mathematikerin, versucht nach zwei unglücklichen Liebesgeschichten, aus denen sie zwei Töchter hat, zum dritten Mal, ihr Glück in einer Ehe zu finden. Eigentlich jedoch sind die amüsanten Versuche der Frau, die Aufmerksamkeit des Auserwählten auf sich zu lenken, und die Erinnerungen an ihr vergangenes Leben Anlaß, eine typische Situation der Frau in der DDR kritisch darzustellen. Genau betrachtet, stehen fast alle Sequenzen unter dem Vorzeichen: verfehlte Emanzipation. Die Kernaussage des Films wird bewußt in Margits Mund gelegt: "Ich bin Mathematikerin, arbeite, denke und fühle unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. Aber wenn mir ein Mann gefällt, wenn ich ihn brauche zum Leben, wenn ich ihn haben will, dann mache ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach immer noch lächerlich, wenn ich ihm das sage. Ganz wie zu Großmutters Zeiten." - Humor und sachliche Probleme sind geschickt miteinander verknüpft. Das Nebeninteresse für die Liebesaffären von Margits Freundin Lucie stört etwas den Rhythmus; sonst sind Schnitt und Kamera (der Film enthält einige Rückblenden) vorbildlich gebraucht. Günther liefert keine buchstabengetreue Verfilmung der Vorlage, sondern eine eigenständige Arbeit; der Realitätsbezug des Films ist erheblich stärker als der des Buches, aber keineswegs "sozialistischer Realismus". Nicht zuletzt dank der sympathischen Jutta Hoffmann, einer Hauptdarstellerin von außergewöhnlicher Wandlungsfähigkeit, ist er viel gelungener als andere rabiate und allzu verbale Versuche zum Thema Emanzipation der Frau, wie z. B. Tattolis "Planet Venus".

Veröffentlicht auf filmdienst.deDer DritteVon: CoMa/P. F. G. (12.2.2026)
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