Vorstellungen
Filmkritik
Das kommunale Schwimmbad als Austragungsort amouröser Verwicklungen wurde bislang sträflich unterschätzt. Dieser Gedanke drängt sich angesichts der naturalistischen Detailfreude geradezu auf, mit der die isländische Filmemacherin Solveig Anspach ihren Plot in den Alltag dieser mit kuriosen Zeitgenossen nicht geizenden Institution einbettet. Der Kranführer Samir stellt der Bademeisterin Agathe im Pariser Vorort Montreuil nach. Um ihr näher zu kommen, gibt er sich trotz exzellenter Kenntnisse als Schwimmanfänger aus und erduldet sogar die Schmach peinlicher Trockenübungen. Das Manöver fliegt auf, als er einer Ertrinkenden zur Hilfe eilt. Die sich anbahnende Liebe bekommt einen Dämpfer. Agathe, die Täuschungen hasst, reist kurzerhand nach Island ab, um an einem Kongress für Bademeister teilzunehmen. Der enttäuschte Samir wächst über sich selbst hinaus, überwindet seine Schüchternheit und folgt ihr. Damit ist er aber noch lange nicht am Ziel. Er erleidet in Folge eines Stromschlags einen Gedächtnisverlust und gibt sich als israelischer Kongressabgeordneter aus. Es tauchen aber auch noch jede Menge Kolleginnen und zielgerichtete Beziehungssuchende auf, die das verhinderte Paar auf Trab halten. Im Genre der Romantischen Komödie macht Anspach, die noch vor der Postproduktion im Sommer 2015 plötzlich gestorben ist, wenig falsch. Die traumähnlichen Wendungen geraten immer abstruser, Märchenmotive beanspruchen ausgiebig Raum, isländische Vulkanlandschaften sorgen für exotisches Urlaubsflair und die Filmmusik setzt dramaturgisch dankbare Akzente. Eine slapstickhaft-lakonische Komödie aus einem Guss, ein sympathisches Kleinod mit perfekt besetzten Darstellern und dem Vermächtnis, dass die alle Hindernisse überwindende Leichtigkeit des ewigen Wunders Liebe feiert.

