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Filmkritik
Mario und Luigi haben New York hinter sich gelassen. Die Klempner-Brüder, die sich 1993 in „Super Mario Bros.“ noch ausschließlich in der Realfilm-Bizarro-Welt des dystopischen Brooklyns über Wasser halten mussten, leben im zweiten Teil der animierten Videospiel-Adaption fernab von New York, seinen Einwohnern und den physikalischen Gesetzen. „Der Super Mario Galaxy Film“ setzt damit die Kurskorrektur fort, die mit dem ersten Teil begann. Die Reihe ist näher an das Videospiel herangerückt und will nichts mehr von New York und realweltlichen Finanz- und Familienproblemen wissen.
Der Weg zur Galaxie ist offen. Es braucht nicht einmal den Sprung in eine der ikonischen grünen Röhren, um Mario und Luigi in das Videospiel-Reich zu bringen. Sie leben, so macht es den Anschein, mittlerweile ohnehin immer hier. New York und ihre italo-amerikanische Verwandtschaft haben sie hinter sich gelassen. Die Stadt existiert allein in der Geschichte von Yoshi, dem Mario und Luigi bei einem Klempnerjob in der Spielewelt über den Weg laufen – selbst die Arbeit ist hier, umgeben von befreundeten Pilzkreaturen und Prinzessin Peach, deutlich angenehmer.
Der alte Bowser frisiert seinen Bonsai
Bösewicht Bowser ist auch noch hier, aber nach den Ereignissen des ersten Teils noch immer geschrumpft und in Gefangenschaft. Tatsächlich hat er sein Mini-Schloss in eine Bastion der Persönlichkeitsentwicklung verwandelt. Statt den nächsten Plan zur Unterjochung der Galaxie zu entwickeln, malt er Bilder; statt auf die Klempner-Brüder loszugehen, frisiert er seinen Bonsai. Die Gefahr für das intergalaktische Idyll zwischen Pilz-, Bienen- und anderen Welten geht diesmal von Bowsers Nachwuchs aus. Bowser jr. hat das Imperium des Vaters nicht nur geerbt, er hat es grunderneuert und versucht sich an jenem Vorhaben, das sein Vater scheinbar aufgegeben hat: der Unterwerfung aller Welten. Dazu hat er bereits Prinzessin Rosalina, die Schwester von Prinzessin Peach, entführt und eingesperrt. Als er die Welt der Toads und damit auch Peach, Mario und Luigi angreift, muss sich sein Vater bald entscheiden, auf welcher Seite er steht.
Damit ist aber die gesamte dramaturgische Tiefe der Geschichte schon ausgeschöpft. Mario und Luigi helfen Peach, weil der große Bruder noch immer in sie verliebt ist, und die Prinzessinnen hauen als kosmische Kampfschwestern mit Hilfe ihrer intergalaktischen Kräfte die Schergen von Bowser jr. klein.
Der Film entspinnt sich als von Planet zu Planet hüpfende Reihung von Actionsequenzen. Die Held:innen hängen oder baumeln von Klippen, fliehen vor Lawinen, weichen kosmischen Laserstrahlen aus, fliehen vor Tyrannosauriern, navigieren durch Asteroidengürtel in Raumschiffen und hangeln sich spielerisch durch die mit Film- und Videospielzitaten gesäumte Super-Mario-Galaxie.
Ein Best-of aus dem Kinderzimmer
Das ästhetische Register des Films ist ein Best-of aus dem Kinderzimmer, vielfältig und bunt: Retro-Videospiel-Optik, zappelige 3D-Animation, die sich bei Bedarf als 2D-Videospiel tarnt, ein Exkurs in Richtung Retro-Anime und auch zu „Matrix“. Die zum Action-Dauerfeuer gehörenden Animationen sind spektakulär. Die Montage vermag das Spektakel aber nie wirklich zu greifen. Der große Showdown ist emblematisch für einen Film, der enorme Abwechslung bietet, diese aber nicht zuzuspitzen weiß. Während Mario und Luigi sich eine ständige Prügelei mit Bowser und seinem Sohn liefern, versuchen sich Peach und ihre anderen Freunde an der Rettung ihrer Schwester Rosalina. Die findet jedoch nicht parallel und an den Kampf mit den Bösewichten angebunden statt, sondern muss pausieren, bis das Geplänkel beendet ist, um dann wie ein Epilog angehängt zu werden. Sequenzen greifen nicht ineinander, sie werden meist schlicht aneinandergereiht.
Die Grundkonstellation der Figuren ist ähnlich dynamisch und wild, wie es der Aufbau ist, den sie wieder und wieder durcheinanderwerfen. Liebschaften, Familienkonflikte, ambivalente Beziehungen sind darin kaum mehr als Behauptungen, die lediglich bis zur nächsten Spielzeug-Kollision halten. Auch beim ungewöhnlich aufgeweichten und in alle Richtungen durchlässigen Gut/Böse-Verhältnis, das seinen Platz als dramaturgische Leitplanke der Geschichte aufgeben muss, weiß der Film nie, wo es sonst einen Platz finden könnte.
Dinos neben Raumschiffen
Wenn „Der Super Mario Galaxy Film“ von Aaron Horvath und Michael Jelenic ein Abenteuer im Kinderzimmer ist, dann in einem im Vergleich zum Vorgänger ziemlich unaufgeräumten Reich. Dinos liegen neben Raumschiffen, Lawinen rollen Prinzessinnenschlösser nieder und ein Videospielcontroller liegt direkt daneben. Kinderaugen wird das nicht unbedingt missfallen.










