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Filmkritik
"Jeder, der das Außergewöhnliche sucht, das Abenteuer, muß dem Tod begegnen" - ein Wort des 35jährigen französischen Regisseurs Robert Enrico, der sich auf Abenteuerfilme nach dem Vorbild der amerikanischen Action-Filme spezialisiert hat. "Die Abenteurer" ist sein dritter Spielfilm; sein erster unter dem Titel "Das schöne Leben" wurde 1962 von der Zensur verboten; sein zweiter Spielfilm "Die großen Schnauzen", 1965 gedreht, war zumindest in Deutschland kein Erfolg. Immerhin erhielt Enrico für seinen Kurzfilm "Die Brücke am Eulenfluß", bei uns im Fernsehen gezeigt, 1964 einen Oscar. - Auch in "Die Abenteurer" erzählt Robert Enrico wieder eine Geschichte, in der es um Freundschaft und Tod geht. Drei vom Leben enttäuschte junge Menschen finden sich zu einem aufregenden Abenteuer zusammen: der ehemalige Rennfahrer Rolland (Lino Ventura), der an einem Traumrennwagen bastelt, der Fluglehrer Manu (Alain Delon), der durch seine artistischen Eskapaden den Flugschein verliert, und die Metallbildhauerin Laetitia (Joanna Shimkus), der die Kritiker nach einer spektakulären Ausstellung heftige Verisse widmen. Die beiden Freunde nehmen sich des Mädchens an, als es ihnen eines Tages in ihre Bude schneit. Sie träumen von großen Abenteuern und Reichtum, scheitern aber immer wieder an der Verwirklichung ihrer Wünsche. Als sie dann von einem kongolesischen Schatz erfahren, der in einem Flugzeugwrack auf dem Meeresgrund nahe der afrikanischen Küste liegt, brechen sie mit Laetitia nach Afrika auf. Ehe sie auf den Schatz treffen, machen sie die Bekanntschaft eines heruntergekommenen Franzosen, der im Kongo-Krieg das Flugzeug mit dem Geld steuerte und mit dem Leben davonkam. Im Hintergrund lauern bereits die Kongo-Söldner von einst, die gleichfalls am dicken Geld interessiert sind. Als der Schatz gehoben wird, kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung, bei der Laetitia getötet wird, die beider Freunde heimliche Liebe war. Ein verträumtes Geschöpf, das in einem verlassenen Kastell mitten im Atlantik einmal leben wollte. Mit Rolland, wie sie ihm kurz vor dem Tod anvertraute. Nach Frankreich zurückgekehrt, werden Rolland und Manu ihres Reichtums nicht recht froh. Das Mädchen Laetitia, auf dessen Spuren sie wandeln, fehlt ihnen. Wieder tauchen die Banditen auf, in dem Kastell auf dem Meer beginnt der Kampf ums Geld. Manu wird erschossen; Rolland, der gute Kerl, bleibt allein mit dem ganzen Reichtum zurück, der ihm kein Glück gebracht hat.
Das ist nun eine höchst fantasievolle Geschichte, die aber durch Robert Enricos frischen Inszenierungsstil gar nicht so abseits der Realität erscheint. Der im Grunde klischeehaftsentimentalen Abenteuergeschichte gewinnt der Regisseur interessante Aspekte ab, indem er sich nicht auf die vordergründig knisternde Spannung, auf die Aneinanderreihung von Schieß- und Prügelszenen konzentriert, sondern mit viel Einfühlungsvermögen zeigt, wie drei extreme Charaktere unter extremen Bedingungen mit dem Abenteuer Leben fertig werden. In den ungemein lebendig gestalteten Bildkompositionen weiß Enrico lyrische Passagen geschickt mit realistischen Einstellungen zu verbinden. Die Farbfotografie gleitet zwar gelegentlich ins Geschmäcklerische ab, doch gelingt es Enrico immer wieder, den Zuschauer für die Verhaltensweisen und Gefühle seiner Figuren zu interessieren. Die leinwanderfahrenen Darsteller Lino Ventura und Alain Delon sowie die junge Joanna Shimkus ("De l`amour"), sind stark genug, psychologisch fesselnde Charaktere zu formen und die Hauruck-Dramaturgie des Drehbuchs zu überspielen. Der Regisseur selber beobachtet das Geschehen äußerst distanziert, aber nicht teilnahmslos. Er kommentiert nicht, er ergreift nicht Partei, er läßt das Geschehen abrollen in seiner Eigengesetzlichkeit. So entsteht zwar kein künstlerisch bedeutsamer, jedoch ein angenehm unterhaltender Abenteuerfilm.



