Filmplakat von Die drei ??? - Erbe des Drachens

Die drei ??? - Erbe des Drachens

100 min | Abenteuer | FSK 6
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Die drei ??? Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) reisen in den Sommerferien nach Rumänien, um ein Praktikum am Filmset von „Dracula Rises“ zu absolvieren, welches ihnen Peters Vater (Mark Waschke) vermittelt hat, der bei der Produktion für die Spezialeffekte verantwortlich ist. Kaum in Transsilvanien angekommen, kommt es zu einer Serie mysteriöser Ereignisse auf dem alten Schloss von Gräfin Codrina (Gudrun Landgrebe), das dem Film als Kulisse dient. Die drei Detektive wollen herausfinden, was all das mit dem Verschwinden eines Jungen zu tun hat, der vor über 50 Jahren vom Erdboden verschwand. Dabei kommen die drei Freunde einer mysteriösen Bruderschaft und einem rätselhaften Untoten auf die Spur. Nach und nach stehen nicht nur die Dreharbeiten, sondern auch Peters Beziehung zu seinem Vater auf dem Spiel.

Filmkritik

In fernen Ländern haben die drei Jungdetektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews schon öfter schwierige Kriminalfälle gelöst, sei es in der Südsee oder in Ägypten, in Südafrika oder in den Alpen. In Rumänien sind sie dagegen das erste Mal. In der Neuadaption der populären Buch- und Hörspielreihe „Die drei ???“ soll das Trio allerdings einmal nicht Detektiv spielen, sondern während der Sommerferien ein Praktikum am Set einer Filmproduktion machen. Das steht in einem Schloss aus dem 14. Jahrhundert in Siebenbürgen, wo ein Spielfilm mit dem Titel „Dracula Rises“ gedreht werden soll, für dessen Spezialeffekte Peters Vater (Mark Waschke) verantwortlich zeichnet. Er hat den drei Freunden, die von Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl gespielt werden, das Praktikum vermittelt.

Vor 50 Jahren verschwand ein Junge

Doch kaum sind die Jungs in Transsilvanien gelandet, werden sie mit mehreren rätselhaften Vorgängen in dem alten Schloss konfrontiert, das die Gräfin Codrina (Gudrun Landgrebe) als Filmkulisse bereitgestellt hat. Und schon sind die Intelligenz und das fotografische Gedächtnis von Justus und Bobs Recherchekünste gefragt. Nur Peter bleibt skeptisch, denn er will sich keinen Ärger mit seinem Vater einhandeln. Doch mehrere Fragen lassen das Trio nicht mehr los: Was ist mit jenem Jungen passiert, der in der Gegend vor mehr als 50 Jahren verschwunden ist? Welche Ziele verfolgte eine mysteriöse Bruderschaft, die hier einst aktiv war? Und gibt es den sagenumwobenen Schatz, von dem gemunkelt wird, wirklich?

Der Kinderkrimi von Regisseur Tim Dünschede beruht vage auf der 1964 gestarteten US-Jugendbuchreihe „The Three Investigators“ von Robert Arthur, die ab 1968 in Deutschland unter dem Titel „Die drei ???“ erschien. Seitdem wurden hierzulande mehr als 16 Millionen Bücher abgesetzt. Die gleichnamige Hörspielreihe war noch erfolgreicher; davon wurden ab 1979 mehr als 45 Millionen Tonträger verkauft. Während in den USA bis 1990 58 Bände von elf Autoren erschienen, wurden in Deutschland 216 Bücher publiziert. Nach der Einstellung der Serie in den USA schrieb ein deutsches Autorenteam ab 1993 unter Hauptautor André Marx fleißig weiter.

Trotz dieses Massenerfolgs dauerte es bis 2006, ehe der Stoff erstmals verfilmt wurde. Regisseur Florian Baxmeyer inszenierte den Kinofilm „Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel“ auf Englisch. 2009 kam die Fortsetzung „Die drei ??? – Das verfluchte Schloss“ in die Kinos. Ein dritter Film wurde nicht mehr realisiert. Erst zwölf Jahre später nimmt jetzt Tim Dünschede einen neuen Anlauf, der allerdings nicht wie die Vorgängerfilme auf einem Fragezeichen-Band, sondern auf einem eigenen Drehbuch beruht, das er mit Anil Kizilbuga nach einer Erzählung von André Marx geschrieben hat.

Modernisierung vs. Markentreue

Dünschede und Kizilbuga haben zusammen schon das Drehbuch zu „Limbo“ verfasst, dem ersten langen Spielfilm des Regisseurs. Im Gegensatz zu diesem Thriller, bei dem der Regisseur mit einer One-Shot-Inszenierung formale Kühnheit und Risikobereitschaft demonstrierte, fällt „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ visuell bieder aus. Denn die Bestrebungen, dem betagten Erzählstoff einen moderneren Anstrich zu verpassen, stoßen schon früh an eine Grenze, da man der etablierten Marke treu bleiben und die inzwischen erwachsenen Fans der Bücher nicht verprellen will.

Besonders sichtbar wird das in Figurengestaltung und Ausstattung. Auch wenn der Trend zu Superhelden im Fantasy-Kino aus Hollywood ungebrochen anhält, bleiben die drei letztlich normale Jungs, allerdings mit besonderen Talenten. Zeitgemäße Technologie wie Smartphones oder ein fliegender Fledermausroboter kommen im Film zwar vor, doch für ihre Recherchen greifen die Jungdetektive lieber auf die konventionelle Zeitung oder eine betagte Bibliothek zurück. Und statt digitaler Errungenschaften wie Google und GPS nutzen sie für Verfolgungsjagden und Beschattungen analoge Mittel wie Füße und Fahrrad.

Eine wichtige Rolle spielt die Gruppendynamik im Dreier-Team. Da der forsche Justus mehrmals eigenwillig voranprescht, ohne die beiden anderen einzubeziehen, sind Konflikte vorprogrammiert. Doch auch wenn das Trio dadurch in Schwierigkeiten gerät, rauft es sich immer wieder zusammen und findet durch Teamwork eine Lösung. Zwei Seiten offenbart auch Peter. Zu Beginn wirkt der durchtrainierte Sportler angesichts von unerklärlichen Klopfgeräuschen und seiner Angst vor „Vampirzombies“ wie ein Weichei, doch wenn es später zur Sache geht, öffnet er mit einem Dietrich resolut ein Schlosstor und springt über einen tiefen Abgrund, als er eine Geheimtür erreichen will.

Eine temporeiche Inszenierung

In die Rolle von Peter schlüpfte Nevio Wendt, der in „Rocca verändert die Welt“ schon vor der Kinokamera stand. Doch weder er noch Levi Brandl reichen an die Ausstrahlung von Julius Weckauf heran. Das Nachwuchstalent, das seit seinem Kinodebüt in „Der Junge muss an die frische Luft“ eine beachtliche Karriere hingelegt hat, schafft es souverän, als Justus einerseits gelegentlich überheblich und egoistisch zu wirken, sich andererseits aber auch als solidarischer Teamplayer zu bewähren.

Die temporeiche Inszenierung wirkt mit ihrem Mix aus Detektiv-, Abenteuer-, Grusel-, Mystery-Film, Film im Film und Familiendrama unausgegoren und kann sich nicht so recht entscheiden, wohin sie will. Das zeigt sich auch an den Spekulationen über Vampiren, Untote und Geister, die sich alle als haltlos entpuppen und rationalistische Ermittler wie die drei ??? nicht aus der Reserve locken können. Dass sich der Spannungsfaktor des Films in engen Grenzen hält, liegt auch an den farblosen Antagonisten und an den oft aufdringlichen Musikeinsätzen, die zu früh dramatische Zuspitzungen verraten.

Weitgehend verschenkt wird das kreative Potenzial, der geradlinigen Detektivstory durch eine Film-im Film-Erzählung eine zusätzliche Ebene zu eröffnen. Dafür dürfen sich ältere Zuschauer und ???-Fans auf versteckte Anspielungen freuen; so erinnert der Schutzumschlag, der ein altes Buch über den Schatz von Vlad umhüllt, an die typische Romancover der „???“-Bücher aus den 1970er-Jahren.

Erschienen auf filmdienst.deDie drei ??? - Erbe des DrachensVon: Reinhard Kleber (28.1.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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