Filmplakat von Die Jönsson Bande

Die Jönsson Bande

122 min | Komödie, Krimi
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Ein Meisterdieb plant nach seiner Haftentlassung den Raub der Kronjuwelen.

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Leider gibt es keine Kinos.

Filmkritik

Um Mitternacht steigt die Bande von Charles-Ingvar „Sickan“ Jönsson in ein Automatenlager in Stockholm ein und befördert mit einem überdimensionalen Staubsauger eine große Menge Münzen in ihren Lieferwagen. Doch Harry fährt mit dem Laster zu früh los, weshalb Sickan allein auf dem Gebäude zurückbleibt und vom Pförtner erwischt wird. Während seine Kumpane fliehen können, landet Sickan im Gefängnis. Oberdrein hat der Einbruch nichts gebracht: Die Münzen sind wertlos.

Als Sickan entlassen wird, holen ihn seine Komplizen ab. Im Gefängnis hat er einen neuen „genialen Plan“ entwickelt, den er ihnen sofort präsentieren muss. Denn in einem Buch ist er auf Informationen gestoßen, dass die mysteriöse finnische Königskrone auf dem Dachboden des Nordischen Museums in Stockholm schlummert. Geschätzter Wert: 32 Millionen Kronen. Allerdings fehlt in der Krone ein wichtiger Edelstein, das sagenumwobene Karelen-Herz.

Das Karelen-Herz und die Monarchie

Doch Harry, seine Frau Doris und auch Ragnar wollen bei der neuen Aktion nicht mitmachen, sondern lieber gesetzestreue Bürger werden. Ragnar soll im Radiogeschäft seines Vaters eine wichtige Funktion übernehmen, und Harry, Doris und ihre Kinder wollen gerade aus ihrer provisorischen Unterkunft in die leerstehende Wohnung von Harrys verstorbener Großmutter ziehen. Sickan muss deshalb zunächst alleine zurechtkommen.

Nach dem Karelen-Herz sucht aber auch Regina Wall, eine Managerin des schwedischen Konzerns Kulla. Sie verspricht dem Direktor des Nordischen Museums eine große Spende und erhält damit Zugriff auf die Krone. Im Auftrag des Konzernchefs Knut Enberg verfolgt sie den Plan, in Finnland eine Monarchie zu errichten. Als König ist der Adlige Henrik Adlerstierna vorgesehen, der Urenkel von Graf Didrik Adlerstierna, der die Krone 1917 herstellen ließ, beim ersten Anlauf, König zu werden, aber scheiterte.

Um dem Vorhaben öffentlich Nachdruck zu verleihen, soll die Krone mit dem Edelstein bei einer Ausstellung der Weltpresse gezeigt werden. Doch zuerst muss der Stein beschafft werden, der im Tresor einer Geheimgesellschaft schlummert. Hall wendet sich an die Unterweltgröße Anita, die wiederum Sickan beauftragt, der Spezialist für solche Tresore ist. Damit bricht ein wilder Wettstreit um den Besitz des Karelen-Herzens aus.

Noch immer im Fahrwasser der „Olsenbande“

Die 14 dänischen Filme um die „Olsenbande“, die zwischen 1968 und 1998 entstanden und in Dänemark und der DDR Kultstatus erlangten, haben in Norwegen und Schweden Filmschaffende angeregt, neue Verfilmungen mit einheimischen Schauspielern zu realisieren. So wurden in Schweden zwischen 1981 und 2000 acht Gaunerkomödien um die Jönsson-Bande gedreht, gefolgt von vier Kinderfilmen um die Kleine Jönsson-Bande (1996-2006).

Und 2015 wurde der bewährte Stoff mit dem schwedischen Kinofilm „Master Plan – Der perfekte Coup“ wiederbelebt. Fünf Jahre später unternahm Regisseur Tomas Alfredson mit „Die Jönsson Bande“ einen weiteren Anlauf, der in Schweden wegen der Corona-Pandemie nur per Streaming ausgewertet wurde, in Deutschland jetzt aber den Sprung ins Kino schafft.

Alfredson, der das Drehbuch zusammen mit Henrik Dorsin und Rikard Ulvshammar schrieb, übernimmt das Figurenarsenal und auch einige erzählerische Standards größtenteils aus den Vorgängerreihen. Dazu gehören Handlungsmotive wie der „geniale Plan“, den Sickan stets im Gefängnis schmiedet, und die Pannen der tollpatschigen Ganoven, die ihre Coups regelmäßig vermasseln. Zu den bewährten Elementen zählen auch Running Gags wie die Begrüßung Sickans bei der Haftentlassung durch die Komplizen oder Sickans Ritual beim Aufbrechen der Tresore der Berliner Firma Franz Jäger.

Zur Radiomesse in Travemünde

Allerdings fällt die Geschichte um die Machenschaften der vorgeblichen Monarchisten ziemlich abstrus und verworren aus. Der Film weist deutliche Längen auf, etwa wenn Sickan seinen Kumpanen die langatmige Vorgeschichte des Karelen-Steins referiert. Irritierend wirkt auch die seltsame stilistische Mischung der Ausstattung, die antiquierte Telefone und Briefe, die noch auf Schreibmaschinen geschrieben werden, mit dem aktuellen Stand der Technik vereint, etwa wenn Ragnar gleich eine Online-Verkaufsplattform einrichten will, als sein Vater verkündet, ins Podcast-Geschäft einzusteigen.

Viele Späße wirken altbacken und manche komische Wendung konstruiert. Zu selten schwingt sich der Film zu skurrilen Einfällen wie dem Münzstaubsauger oder der Radiomesse auf, die Ragnars Vater alle drei Jahre besucht und die ausgerechnet in Travemünde (!) stattfindet.

„Die Jönsson Bande“ reiht sich damit in die vielen Remakes und Relaunches ein, die aus kommerziellen Erwägungen realisiert werden, aber keinen ästhetischen Mehrwert bieten.

Erschienen auf filmdienst.deDie Jönsson BandeVon: Reinhard Kleber (4.10.2021)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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