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Die Wilden Kerle 2

89 minKomödie, Sport, FamilieFSK 6
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Ein großes Fußballturnier steht den Wilden Kerlen bevor. Der Sieger darf mit der deutschen Nationalmannschaft spielen! Die Jungs und Vanessa kommen leicht durch die Vorrunden, doch dann verliebt sich Vanessa ausgerechnet in Gonzo, den Anführer der Skatergang "Die Flammenmützen", und verlässt ihr Team! Sie muss zurückgeholt werden - doch wie kämpft man um ein Mädchen? (aga)

Never change a winning team! Es ist noch gar nicht so lange her, seit „Die wilden Kerle“ (fd 36 148) mit viel Teamgeist die furchteinflößende Truppe des dicken Michi aus dem „Teufelstopf“-Stadion fegten. Mittlerweile ist die Mannschaft unschlagbar. Nur noch ein Sieg fehlt zur Meisterschaft in der „Dimension Acht“, wie diese Liga im Straßenfußball genannt wird. Sollte die Meisterschaft eingefahren werden, winkt ein Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft, wofür allerdings, so teilt es der Deutsche Fußballbund (DFB) schriftlich mit, der „Teufelstopf“ noch einiger Renovierungen bedarf. Das Geld für den erforderlichen Umbau könnte Maxis Vater, ein Bankier, vorschießen, der allerdings als alter „Kerle“-Hasser ausgesprochen harte Geschäftsbedingungen formuliert. Im Falle einer Niederlage wird es keinen „Teufelstopf“ mehr geben, und die aufmüpfigen Kinder werden in die Produktion von Weihnachtsschmuck geschickt. Überhaupt: Renovierung und Auflagen sind genau die Dinge, die dem DFB zuerst beim Wort „Straßenfußball“ einfallen. Ob solche (berechtigte) Kritik bei der Zielgruppe ankommt? Doch dafür, dass ein Schatten auf den jugendlichen Lebensentwurf „Fußball ist unser Leben“ fällt, braucht es keine unflexiblen Sportfunktionäre. Dafür genügen schon Vanessas Hormone, die durch das Erscheinen des sich cool (dabei aber ziemlich affektiert und beschränkt) gebärdenden Gonzo Gonzales, dem Anführer der Skater-Gang der „Flammenmützen“, in Aufruhr geraten. Gonzo ist drei Jahre älter als Leon und seine Freunde, und somit stehen ihm ganz andere Möglichkeiten der Selbstinszenierung offen. Vanessa jedenfalls ist hin und weg und findet ihre alten Freunde plötzlich und nicht ohne Grund nur noch kindisch. Deren Verhalten bestätigt diese Einschätzung, denn die Jungs denken sich Vanessa nur als Teil des Teams, nicht aber als eigenständige Persönlichkeit. Ohne Vanessa wird es mit der Meisterschaft und dem Spiel gegen die Nationalmannschaft nichts werden, nur deshalb bemühen sie sich um das Mädchen. Erst Marlons und Leons Vater bringt sie auf die Idee, dass sie um Vanessa kämpfen müssen, wobei die Jungs schmerzlich lernen, wie das geht. Die „Wilden Kerle“ versuchen es zunächst mit falschen Bundesliga-Scouts und nur auf den ersten Blick eindrucksvollen Chauffeuren, später mit blumig formulierten Briefen. Doch sprechen sie lediglich zur Meisterin des Flugkopfballs, nicht aber zu Vanessa, und so verpuffen die Tricks gegen den exotischen, stets etwas Peter-Pan-haften Charme von Gonzo Gonzales, der Vanessa auf einer Ebene anspricht, von der sie gerade selbst erst erfährt, das es sie gibt. Es ist ausgesprochen pfiffig, wie die Fortsetzung des Films um die Kraft des Teamgeistes aus dem natürlichen Alterungsprozess seiner jugendlichen Darsteller Kapital schlägt, indem sie ihn zur Konfliktgrundlage der Geschichte macht. Tatsächlich überragt Sarah Kim Gries ihre Mitspieler in der Mannschaft längst um Haupteslänge. Für die Jungs dagegen ist die Pubertät noch nicht einmal eine Zukunftsperspektive, deshalb fehlen ihnen für die Tatsache, dass Vanessa ein Mädchen ist, schlicht die Worte. Eher noch aktivieren sie die alten Ressentiments gegen das andere Geschlecht, die durch das Unisex-Gepräge der „Wilden Kerle“ übertüncht worden war. Bevor die Jungs um Leon ihren Stolz überwinden lernen, kommt es fast zur „Katastrophe“: Ihrer Trikots beraubt, werden sie in Unterwäsche beim entscheidenden Spiel von der gegnerischen Mannschaft eine Halbzeit lang gedemütigt. In der Pause steht dann Vanessa in der Kabine und bringt neuen Schwung in die müde Truppe, und so wird das entscheidende Spiel doch noch gewonnen. Doch die abschließende Auseinandersetzung mit Gonzo und seiner Bande steht noch aus. Ein weiteres Mal gilt: Man kann alles erreichen, wenn man nur als Team zusammensteht, wobei es erneut die kleinsten unter den „Wilden Kerlen“ sind, auf die es ankommt. Diese dramaturgische Schlussvolte, die den ersten Film kopiert, ist nur zu bekommen, wenn man die vorangegangenen Konflikte schnell wieder vergessen hat. So wird Gonzo zwar vertrieben, aber ob der „Teufelstopf“ in Zukunft noch zum Spielpatz taugt, scheint eher unwahrscheinlich. Neben diesem erzwungenen Happy End mindern wie beim Vorgänger einige weitere Details das Vergnügen. Nicht nur dass die mit stupiden Schimpfwörtern durchsetzte Sprache der Jugendlichen ziemlich manieriert klingt, auch bleibt die Handlung erneut im sozialen Ungefähren, was bei den Nebenfiguren zu logischen Unschärfen oder gar Widersprüchen führt. Einerseits agieren die „Wilden Kerle“ also im luftleeren Raum, andererseits gibt es da die Erwachsenenwelt mit ihren Regeln, Auflagen und Interessen, die aber nur dann ins Spiel kommen, wenn dem Drehbuch nichts mehr einfällt. So überträgt sich das Vergnügen, das die Mitwirkenden beim Drehen ganz offensichtlich gehabt haben, nur selten in den Zuschauerraum.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDie Wilden Kerle 2Von: Ulrich Kriest (24.4.2026)
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