Vorstellungen
Filmkritik
Eigentlich war ja alles gut am Ende von „Die wilden Kerle 2“ (fd 36 920). Die jugendliche Fußballtruppe um Leon und Vanessa hatte sich wieder zusammengerauft, das entscheidende Spiel gewonnen und vor allem zu neuer solidarischer Stärke gefunden, wofür das Match gegen die deutsche Nationalmannschaft ein angemessener Lohn war. Doch dann muss zwischen dem zweiten und dritten Kinofilm etwas fürchterlich schief gegangen sein: Das Spiel gegen die Nationalmannschaft ging deutlich mit 25:1 verloren, Leon warf mittendrin das Handtuch und ließ, resigniert und entmutigt, die Freunde im Stich. Zu Beginn des dritten Films ist das legendäre „Teufelstopf“-Stadion nur noch eine Ruine, und die „Wilden Kerle“ von einst sind in alle Winde zerstreut. Doch was wirklich „wild“ ist, das hinterlässt auch Spuren – und die keimen in dem kleinen Nerv, der den Untergang seiner Lieblingsmannschaft nicht hinnehmen will und mit einem gezielten Schuss in den Winkel (ausgerechnet seines Zimmerfensters) all seine rebellischen Kräfte sammelt, um von nun an selbst ein „Wilder“ zu sein. Da wird er im Rund des verfallenen „Teufelstopfs“ Zeuge einer ungeheuerlichen Herausforderung: Die coole Mädchenbande der „Biestigen Biester“ klagt den Titel der wirklich wildesten Fußballmannschaft ein, wobei sie von einem angeberischen Dandy gecoacht werden, der sich ausgerechnet als Fabi erweist – vor vier, fünf Jahren (in „Die wilden Kerle“, fd 36 148) noch Leons bester Freund. Nun stehen sie sich als Feinde gegenüber, und am liebsten würde Leon erneut kneifen; doch da nimmt der forsche Nerv an seiner Stelle die Herausforderung zum Entscheidungsspiel an. Nun gilt es, die Freunde von einst zusammenzutrommeln, um noch einmal zu beweisen, dass man für alle Zeit ein „Wilder Kerl“ ist. Das geht nicht ohne Zwist und Reibereien ab. Vor allem die von Leon tief enttäuschte Vanessa muss mehrfach über ihren Schatten springen, bis man dann doch noch gemeinsam im Lager der „Biester“ antritt. Erneut geht es um die mächtige Kraft des Teamgeists, der hier noch schwerer als im zweiten Teil zu beschwören ist, weil – quasi ein Tribut an die Entwicklungen der jugendlichen Darsteller – Enttäuschungen und Niederlagen, Vereinzelung und Rückzug in individuelle Schutzzonen dazu geführt haben, dass sich die Jungs und das einzige Mädchen der „Kerle“ weitgehend auseinander gelebt haben. Daraus eine konfliktreiche, vor allem realitätsnahe Jugendgeschichte zu konstruieren, liegt dem Erfolgsautor und Regisseur Joachim Masannek freilich fern. Vor mehr als fünf Jahren erfand er die „Wilden Kerle“, die er seitdem geschickt vermarktet hat, wobei ihm Konflikte primär zum Ausspinnen fantasiebetonter Abenteuergeschichten ohne soziale Verankerung dienen. Mit „Die wilden Kerle 3“ hat sich die Serie nun endgültig von jedem konkreten Wirklichkeitsraum verabschiedet und siedelt sich in einem imaginären Kosmos an, der sich vor allem aus „klassischen“ Genre-Vorbildern des Erwachsenen-Kinos speist. Da blitzen Duell-Situationen und Bösewichter des (Italo-)Westerns ebenso auf, wie sich die plakativen Dialoge auf coole Gangster- und Outlaw-Sujets beziehen (ohne dass freilich auf die plakativ-schlichten „Kerle“-Fluchereien verzichtet würde); vor allem aber gibt sich der Film ebenso distanzlos wie eklektisch einen betont „trashigen“ Anstrich, wie man ihn aus einschlägigen Endzeitfilmen kennt: „Waterworld“ (fd 31 536) oder „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ (fd 25 266), wobei sich besonders die Mädchen in ausgefallenem Outfit „obercool“ gebärden dürfen. Das Ganze hat phasenweise kaum noch den verspielt-naiven Charme der beiden ersten „Kerle“-Filme, sondern gibt sich in Sound, Ausstattung und Kostümen einen geradezu bombastischen Anstrich, der eher an Roberto Rodriguez’ „Spy Kids“-Serie erinnert – ohne freilich deren selbstironischen Witz zu erreichen. Die Kinder sprechen ihre Texte überwiegend wie aufgesagt und spielen die „archaischen“ (Genre-)Typen gelegentlich am Rand zur Persiflage. Als Gleichaltrige durchaus unterhaltende Abenteuer-Fantasie geht das immer noch zügig durch, wobei das distanzlose Einüben hohler Macho-Posen doch aufstößt. Schön, dass wenigstens am Ende Jungs und Mädchen wieder entspannt zusammensitzen und in aller Freundschaft ein Fest feiern können.








