Vorstellungen
Filmkritik
Die Lichter sind giftgrün, die Wände grellpink, das Feuerwerk kunterbunt. Das Einzige, was lauter schreit als die Farbpalette von „Dust Bunny“, sind die Adoptiveltern von Aurora, als sie eines Tages von einem Monster gefressen werden. Zumindest hat sich das laut Aurora so zugetragen. In ihrer Vorstellung lebt ein gigantisches Staubungeheuer unter den Bodendielen und verschlingt jeden, der naiv genug ist, nachts das Schlafzimmer zu betreten.
Ob die Welt, die Regisseur Bryan Fuller erzählt, wirklich ein farbenfroher Fiebertraum voller mystischer Wesen ist oder lediglich in Auroras Fantasie existiert, bleibt lange offen. Klar ist jedoch, dass sie Hilfe braucht, wenn sie herausfinden möchte, was mit ihren Eltern passiert ist. Und diese Hilfe kommt in Form eines ominösen Nachbarn (Mads Mikkelsen), der sich scheinbar nur allzu gut darauf versteht, Menschen und Monster gleichermaßen umzubringen.
Teilzeitkiller in Traumwelten
Die hochstilisierte Traumlogik von „Dust Bunny“ hat durchaus ihren Reiz. Aurora bewegt sich auf einer übergroßen Nilpferd-Statue durch ihr Haus; Auftragskiller tragen Overalls mit dem Muster der Dschungeltapeten, und Gottesdienste werden zu Musicalnummern. In Ansätzen erinnert es an die frühen Werke von Jean-Pierre Jeunet und Terry Gilliam. Ein Hauch „Stadt der verlorenen Kinder“ trifft auf eine Prise „Baron Münchhausen“. Nur eben mit Profikillern und Teppichmonstern.
Das macht Lust darauf, die Absurdität dieser Welt weiter zu erkunden und die skurrilen Figuren näher kennenzulernen – doch das scheint „Dust Bunny“ nicht vorgesehen zu haben. Nach dem visuell wie inhaltlich interessanten Auftakt fehlen neue Impulse. Die spannenden Themen über Menschen, Monster und Familien werden genau so ausgespielt, wie man das erwartet, und würden nicht ab und zu imposante Schauplätze und amüsante Nebenfiguren auftreten, ginge der Film komplett verloren. Als hätte Regisseur Bryan Fuller vergessen, seine filmische Piñata mit Konfetti und Bonbons zu füllen, klafft eine gähnende Leere, sobald man die schillernde Fassade des Filmes durchbricht.
Ein Mörder und ein Mädchen
Die Dynamik, die „Dust Bunny“ dennoch über weite Strecken rettet, ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Dass Mads Mikkelsen ein charmanter Haudegen sein kann, ist hinlänglich bekannt, aber mit Sophie Sloan hat er jemanden als Partnerin, die sich ihre Szenen von ihm nicht stehlen lässt. Das Narrativ, das dabei bedient wird, ist altbewährt: Ein mürrischer, älterer Killer muss mit einem starrsinnigen kleinen Mädchen zusammenarbeiten. Es funktionierte in Filmen von „True Grit“ bis „Léon – Der Profi“ - und es funktioniert auch in „Dust Bunny“. Allerdings steht der Film auch hier an einigen Stellen im Wege. Statt in die Tiefe zu gehen, geht er lediglich in die Breite: Der Mörder und das Mädchen führen stets die gleiche Debatte darüber, was Fantasie und Realität ist, und eine langatmige Nebenhandlung mit einer mysteriösen Auftraggeberin (Sigourney Weaver) lenkt vom Wesentlichen ab.
Mit zunehmender Dauer werden alle Schwächen umso deutlicher. Die Leerstellen in Geschichte und Figurenzeichnung treten unübersehbar hervor, die Grenzen des Budgets zeigen sich, je häufiger CGI-Effekte den Bildschirm füllen, und den Wunderland-Einfällen, die den Film am Leben halten, geht die Puste aus. „Dust Bunny“ wäre mit seinen schrägen Ideen, seiner ungewöhnlichen Prämisse und seinen liebenswerten Hauptfiguren ein meisterhafter Kurzfilm. Nur ist er dafür eben 90 Minuten zu lang.
Ein viel zu langer Kurzfilm
Der gravierendste Fehler von „Dust Bunny“ besteht darin, dass sein ungenutztes Potenzial so offensichtlich ist. Das Versprechen der ersten Minute ist eine surreale Achterbahnfahrt, das Ergebnis eher ein Regionalzug mit schöner Aussicht. Die großen Erwartungen schlagen in kleine Enttäuschungen um. Irgendwo im Farbenregen versteckt sich ein besserer Film, doch in seiner jetzigen Form ist es ein Sammelsurium von Ideen, die einen gemeinsamen Kern suchen, um den sie kreisen können.
Mikkelsen und Sloan geben sich redlich Mühe, diesen Fixpunkt zu bilden, und dass sie den Film auch nur ansatzweise zusammenhalten können, spricht für ihr Talent. Doch trotz jeglicher Mühe landet „Dust Bunny“ im Endeffekt dort, wo kein Film, der derart extravagant daherkommt, enden möchte: im soliden Mittelmaß.








