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Filmkritik
1910 schied der Berliner Schauspieler Joachim Gottschalk mit seiner Frau freiwillig aus dem Leben, nachdem ihn das Propagandaministerium aufgefordert hatte, sich von seiner jüdischen Frau und seinem Kinde, die beide nach Theresienstadt verschickt werden sollten, zu trennen.
Dieser DEFA-Füm ist zur Erinnerung an jene erschütternde Tragödie einer Ehe im Schatten des Rassenwahns gedreht. Er gilt neben "Mörder sind unter uns" als der beste deutsche Nachkriegsfilm. Kurt Maetzig reißt als erster deutscher Regisseur schonungslos und überzeugend die Maske von einem Regime, von dem es heute hier und da schon wieder heißt: "Damals hatten wir es besser." Ohne knallige, Effekte oder fanatische Hetze erzielt er mit sparsamen Mitteln eine aufwühlende Wirkung. Das feinnuancierende Spiel der Ilse Steppat und die konsequente und glaubwürdige Darstellung Paul Klingers, eingefangen durch die wendige Kamera, überhöht durch die Musik Wolfgang Zellers, erzeugen eine Atmosphäre, die das Publikum zu lautloser Stille zwingt, zu unbarmherziger Gewissenserforschung. Was sich dort auf der Leinwand abspielt, ist noch nicht überwunden: Unduldsamkeit und Ehrfurchtslosigkeit, die jene Verbrechen ermöglichten, sind weithin verbreitet.
