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Ein fast perfekter Antrag

105 minDrama, LovestoryFSK 0
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Der eigenwillige Witwer Walter (HEINER LAUTERBACH) vertreibt sich seine Zeit im Ruhestand damit, Restaurants zu testen und akribisch im Internet zu bewerten. Bei einem seiner Restaurantbesuche trifft er zufällig seine Jugendliebe Alice (IRIS BERBEN) wieder. Vor 40 Jahren hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht und war spektakulär gescheitert. Die lebensfrohe und freigeistige Kunstprofessorin ist auch heute noch das genaue Gegenteil des altmodischen, akkuraten Walter. Der Ehrgeiz des pensionierten Ingenieurs ist geweckt. Er will es diesmal besser machen, während Alice gar nicht daran denkt, denn sie liebt ihr unabhängiges Leben und braucht keinen Beziehungsstress. Sie stellt eine Bedingung: Erst wenn er echtes Interesse an ihrer Welt zeigt, bekommt er vielleicht eine zweite Chance. Und so schreibt sich Walter, der sich nie für Kunst interessiert hat, zu Alice Entsetzen als Gaststudent in ihrem Kurs ein – fest entschlossen, sich selbst und ihr zu beweisen, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen. Aber nicht nur Alice stellt ihn vor ungeahnte Herausforderungen, sondern auch die Begegnung mit seinen 40 Jahre jüngeren Kommiliton*innen. Unerwartet finden sich Alice und Walter in einem neuen, aufregenden Kapitel ihres Lebens wieder und müssen sich fragen: Rostet alte Liebe wirklich nicht?
  • Veröffentlichung26.02.2026
  • Marc Rothemund
  • Deutschland (2025)

Rund 40 Jahre ist es her, dass Walter (Heiner Lauterbach) Alice (Iris Berben) einen Heiratsantrag machte – mit einer von ihm penibel aufgebauten Rube-Goldberg-Maschine, die am Ende eine Bowlingkugel ins Rollen brachte, durch die Alice mit gebrochenem Fuß ins Krankenhaus befördert wurde. Mit der Abweisung, die er sich dadurch einfuhr, hat sich Walter sein ganzes Erwachsenenleben herumgeschlagen. Möglicherweise ist sie der Grund, warum er zum Nörgler im Gewand eines vermeintlichen Weltverbesserers geworden ist. Jemand, der die Hotline des Pizzadienstes nur deswegen anruft, um penibel den Unterschied zwischen Scampi und Shrimps zu erklären, und im gleichen Atemzug auch noch das Konzept des „Plant-Based Meat“ sehr grundsätzlich anzweifelt.

Die kleine und die immer offene Welt

Am Anfang der Komödie „Ein fast perfekter Antrag“ von Marc Rothemund steht es nicht gut um diesen ältlichen Witwer. Wenn er spricht, schneidet der Film wiederholt auf das routiniert reagierende Gesicht seines Hundes Barney, um immer wieder zu markieren: So ein Leben ist das, in dem einem nur noch das Haustier wirkliche Beachtung schenkt! Nach mehreren Jahrzehnten, die Walter ausschließlich in seinem Heimatort Regensburg verbrachte, nach dem Tod seiner Frau (ins Bewusstsein gerufen durch Bilder der Schauspielerin Katja Flint, der tatsächlichen Exfrau von Lauterbach), ist seine Welt immer enger und kleiner geworden. Die von Alice hingegen blieb offen: Sie erlangte eine Professur für Kunstgeschichte, lehrte in Paris und Boston und lehnte, nachdem die durch den verhängnisvollen Antrag verursachten Platzwunden wieder verheilt waren, auch alle weiteren Heiratsofferten dankend ab. Der Film zeigt sie zunächst in einer Wohngemeinschaft, wo sie einen ganzen Tisch voller Freunde bespaßt.

In einem Sushi-Restaurant, in dem zeitgleich Walter das Essen anhand unterschiedlicher Kategorien auswertet und Alice mit Kollegen eine von ihr neu angetretene Gastdozentur an der Universität Regensburg bespricht, treffen beide schließlich wieder aufeinander. Eine solche (Wieder-)Begegnung zwischen gegensätzlichen Menschen gehört seit jeher zum erzählerischen Standardrepertoire romantischer US-Komödien. 1989 bekam sie durch „Harry und Sally“ ihre mustergültige Form. Dessen süffisant geschliffener Humor und seine kontrastreiche Schauspieldynamik werden bis heute immer wieder variiert und belehnt.

Ein Genre im Rentenalter

Regisseur Marc Rothemund weiß nur allzu gut um diese Kinotradition, wie auch um deren spezifisch deutschsprachige Spielart. Nicht von ungefähr ist die männliche Hauptrolle mit Heiner Lauterbach besetzt, der Mitte der 1980er-Jahre durch „Männer“ zu einem der populärsten Gesichter der deutschen Beziehungskomödie wurde. „Ein fast perfekter Antrag“ spielt, darin liegt seine Stärke, bewusst mit Lauterbachs Image und legt zugleich unwillentlich offen, dass gemeinsam mit den einst umschwärmten Schauspielern auch das Genre selbst längst ins Rentenalter eingetreten ist. Entstanden ist so eine zwar generische, aber allemal souverän-routinierte Komödie.

„Ich bin ein Best Ager. Very Best Ager“, sagt Walter stolz über sich – eine Formulierung, die möglicherweise einen adäquateren Filmtitel abgegeben hätte als das eher unverbindliche „Ein fast perfekter Antrag“. Um die Beziehung zu Alice wieder aufnehmen zu können, schreibt er sich flugs in ihr Seminar „Der Blick auf die Frau in der Kunst des 19. Jahrhunderts“ an der Uni ein und wird dabei im Lesesaal mit einer jüngeren Generation konfrontiert, die von Walters Boomer-Nonchalance schnell befremdet ist. Sein Verhalten und seine Sichtweisen werden für ihn erklärungsbedürftig. Bei einer Bildbetrachtung eines Gemäldes von Édouard Manet in der Wiener Albertina versucht er etwa zu erklären, durch welche Strategien die Intimität des Körpers dem Blick des Zuschauenden entzogen werden soll – und wieso der dennoch bewusst hinschaut.

Kulturkampf und klassisches Lustspiel

Eine solche Reintegration des sogenannten alten weißen Mannes in die Gegenwart ist eines der Kernprojekte im aktuellen deutschen Komödienkino. Aber Marc Rothemund und dem Drehbuchautor Richard Kropf, die sich schon bei „Wochenendrebellen“ (2023) als kreatives Team bewährt haben, gelingt es letztlich nicht so ganz, zeitgeistigeren Kulturkampf und klassisches Lustspiel zusammenzubringen. Gelungen bleibt gleichwohl, wie versiert der Film den Charme seiner Hauptdarsteller ausspielen kann: das amüsierte Lächeln von Berben und der selbstironisch gebrochene Machismo von Lauterbach. Einem Leinwandpaar, bei dem es verwundert, dass es so viele Jahrzehnte gedauert hat, bis sie gemeinsam im Kino auftreten konnten.

Veröffentlicht auf filmdienst.deEin fast perfekter AntragVon: Kamil Moll (30.10.2026)
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