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Filmkritik
Aus der Hütte im Wald ist ein Anwesen geworden. Ein den Konventionen der „Evil Dead“-Horrorfilmreihe entsprechend heruntergekommenes Anwesen, aber eben auch ein sichtbares Update des fragwürdigen Feriendomizils, das Bruce Campbell & Co. in Sam Raimis Klassiker „Tanz der Teufel“ – im Original: „The Evil Dead“ (1981) – aufsuchten. Die Price-Familie, die hier zusammenkommt, ist insgeheim längst Opfer der dämonischen Kräfte geworden, die mit diesem Teil der Reihe bereits das sechste Mal die Menschheit heimsuchen. Mutter Susan (Tandi Wright), Vater Edgar (Erroll Shand), Bruder Joseph (Hunter Doohan), seine Frau Thya (Luciane Buchanan) und die demenzkranke Großmutter (Maude Davey) kommen im Anschluss an die Trauerfeier um den bei einem Autounfall getöteten ältesten Sohn Will (George Pullar) in der örtlichen Kapelle erstmals nach langer Zeit wieder als Familie zusammen. Allein Alice (Souheila Yacoub), die Witwe des Toten, scheint nicht willkommen zu sein.
Mitten im Kriegsgebiet
Bevor sich die Spannungen zwischen der Familie und der französischstämmigen Alice entladen, dringen die Dämonen ins Refugium der Familie ein. Die „Evil Dead“ haben keine Körper; sie bemächtigen sich derer der Anwesenden und streichen die Trauerstätte mit Blut und Eingeweiden neu. Was ein Ort der Andacht sein wollte, inszeniert der Film bald als Kriegsgebiet, in dem die verängstigte Alice wimmernd über den Flur kriecht, während um sie herum Körper und Dekor zerschmettert werden.
Verantwortlich für die Wiederkehr der Kräfte des Bösen ist diesmal nicht eine versehentliche Rezitation der satanischen Verse des Necronomicons, sondern schlicht die Familie selbst. Besser gesagt: das Erbe der Familie. Der mittlerweile verstorbene Patriarch war es, der das Buch der Toten erforschte und die Waffe fand, mit deren Hilfe sie besiegt werden konnten. Nun wollen die Dämonen sie mitsamt der Familie vernichten. Dass dazu alle in einem abgelegenen Haus zusammenkommen, ist ein für die Reihe klassisches Szenario.
Neu ist der ostentativ vorgetragene thematische Unterbau der Geschichte. Nach der fast archaischen Grundformation, die das Remake „Evil Dead“ (2012) von Fede Alvarez aus dem Original übernahm, bekommt die Reihe mit „Evil Dead Burn“ nun die Allegorie einer Missbrauchsbeziehung untergehoben. Noch bevor die dämonischen Kräfte den ältesten Sohn Will und seine Familie erreichen, hat er sich als jemand geoutet, dessen Ärger schnell in Gewalt umschlägt. Diese richtet sich nach einem Streit mit seiner Ehefrau Alice zwar noch gegen das eigene Auto. Doch spätestens mit der mustergültigen Ausrede („Look what you made me do“) gibt der Film zu verstehen, dass Wills Verhalten nicht neu und der kleine Ausraster nur die Spitze des Eisbergs ist. Wozu der aggressive Ehemann, seine Familie und die Dämonen, die von ihnen Besitz ergreifen, wirklich fähig sind, erfährt Alice bald in aller Drastik.
Ein archaischer Splatterfilm
Die Energie des anarchischen Splatterfilms, der 1981 das Böse auf die Welt und auf Bruce Campbell losließ, bringt „Evil Dead Burn“ nicht auf. Das Echo von Raimis Meilenstein hallt dennoch auch nach 45 Jahren deutlich nach. Die Dämonen haben nicht verlernt, in Menschenkörper einzudringen. Auch nicht die absolute Verachtung gegenüber diesen. Der Film weiß das noch immer mit allen Facetten des Splatter-Genres auszukosten. Körper werden als Rammböcke benutzt, zertrümmert, zersägt, verkrüppelt, verbrannt und auf alle erdenklichen Arten mit dämonischem Sadismus misshandelt.
Den Humor dahinter aber hat Regisseur Sébastien Vaniček weitgehend aus seiner Geschichte gewaschen. „Evil Dead Burn“ ist grau und kahl wie die Reste der abgeholzten Wälder, die das Anwesen der Familie umgeben. Doch auch im brutalsten Teil der Reihe ist der Raubbau am menschlichen Körper weiterhin das Ventil eines unbändigen kinematografischen Spieltriebs. Vaniček gestaltet die brutale Haptik der Szenen immer neu und immer ihrer jeweiligen Umgebung angemessen. Ein im Auto erwachender Dämon wird mit dem Sicherheitsgurt in Zaum gehalten, die Insassen mit dem von der Straße abkommenden Auto durch den Innenraum gewirbelt, und der Überlebenskampf mit Nackenstützen, Sitzverstellungen und Glasscherben geführt.
Auf immer neue Arten hält der Film die Intensität, benutzt Treppenlift, Geschirrspüler und Kabuff ebenso geschickt wie die klassischen Genre-Umgebungen dunkler Keller und dichten Wälder. Vaniček läuft diese Stationen mit pflichtbewusster Gnadenlosigkeit auch dann noch ab, wenn das allegorische Grundgerüst längst nicht mehr trägt.










