









- Veröffentlichung15.01.2026
- RegieMarcus H. Rosenmüller
- ProduktionDeutschland (2026)
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Nicht nur die Tennisbälle geraten in der Verfilmung des erfolgreichen Boulevardstücks „Extrawurst“ von Moritz Netenjakob und Dietmar Jacobs außer Rand und Band. Auch die Protagonisten, allesamt Mitglieder in einem Tennisverein, liefern sich während der Jahreshauptversammlung verbale Gefechte, die es in sich haben. Auslöser ist die Frage, ob für den einzigen muslimischen Spieler ein eigener Grill angeschafft werden soll.
Das Thema taucht als letzter Tagespunkt unter „Sonstiges“ aus. Eigentlich ist dieser Punkt eine reine Formalität kurz vor der Feier, auf die alle warten – allen voran der als Präsident des Tennisclubs zum 25. Mal wiedergewählte Heribert, den Hape Kerkeling als besserwisserischen Patron mit Übergewicht und Ischias-Problemen spielt. Sein deutlich jüngerer Stellvertreter Matthias (Friedrich Mücke) versucht im Gegenzug, seine Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen, kommt mit seinen belehrenden Vorträgen aber gegen Heriberts autoritäre Präsenz nicht an.
Das „Problem“ muss ausdiskutiert werden
Just da meldet sich Melanie (Anja Knauer) zu Wort, die zusammen mit Erol (Fahri Yardim) im Doppel kürzlich die Bezirksmeisterschaft gewonnen hat. Sie fordert, dass für Erol, der als Muslim kein Schweinefleisch isst, ein eigener Grill verwendet wird, damit sein Fleisch nicht in unmittelbarer Nähe der Schweinewürstchen gegart wird. Erol ist der Vorschlag zwar unangenehm, doch Melanie besteht darauf, das „Problem“ auch gegen seinen Willen auszudiskutieren. Der folgende Schlagabtausch beginnt harmlos, droht aber mit jeder neuen Meinungsäußerung in einen handgreiflichen Tumult abzugleiten.
Die Autoren des Theaterstücks haben auch das Drehbuch für den Film geschrieben, was man daran merkt, dass die Handlung ausschließlich über Dialoge und einige gekonnt inszenierte Slapstick-Einlagen transportiert wird. Regisseur Marcus H. Rosenmüller und Kameramann Daniel Gottschalk versuchen die Tendenz zum Kammerspiel zwar durch Aufnahmen im Freien aufzulockern, doch die Hauptfiguren duellieren sich überwiegend im Vereinslokal, der Sporthalle oder in der Werkstatt, wo in kleinere Gruppen turbulent diskutiert wird. Je mehr sich die zunehmend verletzten Egos in die Materie vertiefen, desto mehr Ressentiments kommen zur Sprache, denn hinter der Maske des geselligen Miteinanders tun sich tiefe Gräben aus Klischees, Rassismus, Ängsten und Neid auf.
Auch der Vereinschef kapituliert
So wird der in Deutschland geborene Erol nur noch als „der Türke“ angesprochen, während Matthias die Rolle des verkappten Neonazis zugewiesen bekommt. Die Diskussionen steigern sich äußerst amüsant in eine wütende Debatte um kulturelle Identität, Toleranz und Religion, in die ebenso missionarischer Veganismus, feministische Männerkritik oder die Unterdrückung von Minderheiten einfließen. Melanie und ihr querulantischer Gatte Torsten (Christoph Maria Herbst) sollen sich als zugereiste Großstädter mit ihren progressiven Ideen gefälligst heraushalten, während die Provinzler in Deutschtümelei oder Aktivismus pendeln.
Auch Erol, der zwischen Gutmensch und Hardliner laviert, geizt nicht mit Kritik und konfrontiert seine „Verteidiger“, die sich über die Rückständigkeit türkischer Migranten echauffieren, mit dem Vorwurf der Heuchelei, da die Politik und Gesellschaft die Einwanderer bei der Integration weitgehend alleinließen. Selbst Vereinschef Heribert, sonst ein Meister des Wegmoderierens von Konflikten, kommt gegen die Empfindlichkeiten der Mitglieder nicht an.
Von Harmoniesucht übermannt
Die exzellent gecasteten Darsteller laufen in dieser vergnüglich-nachdenklichen Satire um schrille Auswüchse der „Political Correctness“ dank intelligent zugespitzter Dialoge und unerwarteten Allianzen zur Hochform auf. Nur das etwas künstlich wirkende harmonische Happy End passt nicht zum zuvor militant ausgetragenen Clash der Kulturen. Da hat die Autoren wohl eine typisch deutsche Harmoniesucht übermannt.
