







- Veröffentlichung08.01.2026
- RegieMichiel ten Horn
- ProduktionDeutschland (2025)
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Vorstellungen
Filmkritik
Fatalismus prägt das bescheidene Dasein des niederländischen Kleinkriminellen Jos (Fedja Van Huêt). Seit Generationen scheint seine Familie in der Provinz Limburg den Status von Verlierern nicht ablegen zu können. Auf der von skurrilen Figuren wimmelnden Sippe scheint ein regelrechter Fluch zu lasten. Etwa auf Jos’ Vater, der seinen Oberkörper nicht mehr aufrichten kann, weil er seit Jahrzehnten in der Torflandschaft nach einer goldenen Krone gräbt, die ein Vorfahr im Mittelalter dort vergraben haben soll. Deshalb hat er sich einen Spiegel um den Bauch geschnallt, mit dem er nach vorne schauen und Angriffe abwehren kann.
Das ist auch bitter nötig, denn Jos hat Schulden bei der lokalen Unterwelt, die ihm zunehmend über den Kopf wachsen. Er möchte sie mit zwielichtigen Deals begleichen, die jedoch verlässlich aus dem Ruder laufen und auch den Rest der Familie in Mitleidenschaft ziehen. Selbst sein klappriger ist in steter Erosion begriffen. Trotzdem verliert er nicht die Hoffnung. Bis er von einer magischen Zecke in den Nacken gestochen wird, was ihn fast um seinen Verstand bringt.
Grusel-Sage und Gangster-Groteske
Regisseur und Autor Michiel ten Horn erzählt diesen höllischen Abstieg, wie es der Filmtitel „Fabula“ schon vermuten lässt, als verschlungenen Hybrid aus märchenhafter Grusel-Sage, schwarzer Gangster-Groteske und Wildwest-Drama im Stil der Coen-Brüder. Die Stimme einer alten weisen Frau kommentiert als Voice-over das Geschehen und stellt Bezüge zur Vergangenheit her. Begleitet wird Jos von dem tumben Özgür (Sezgin Gülec), der Jos’ Tochter geschwängert hat und sich schon als Teil der Familie fühlt. Özgür steht im Kontakt zu einem türkischen Clan aus Deutschland, der ihm einen Drogendeal mit gefährlichen Asiaten vorschlägt.
Da Jos den Schwiegersohn in spe für zu unbeholfen hält, nimmt er seinen heroinsüchtigen Bruder Hendrik (Georg Friedrich) zur Übergabe auf einem Parkplatz mit. Doch just da kollabiert Jos, und Hendrik schießt auf die Gegenseite. Als Jos wieder zu sich kommt, sind die Geldtasche mit dem Geld und auch Hendrik verschwunden. Zusammen mit Özgür verfolgt er die Spuren und gerät darüber in eine Odyssee, die nicht mit Leichen und eigenwilligen Gestalten geizt. Dazu gehören auch allwissende Karnevalsjecken und sektiererische polnische Arbeiter auf einem von einem Guru betriebenen Weingut.
Psychedelische Flüge in den Kosmos
Wegen der vielen Schauwerte, die auch psychedelische Flüge in den Kosmos und Rückblenden ins koloniale Indien umfassen, dauert es eine Weile, bis man merkt, worauf der Leidensweg der Hauptfigur abzielt. Die Moral der exzentrischen Fabel liegt jenseits von Schuld und Sühne in der Aufforderung, sich von dem vermeintlichen Schicksal nicht determinieren zu lassen und den Zumutungen des Lebens auf Augenhöhe zu begegnen.
Doch diese ehrenwerte Botschaft verhallt in dem unentwegten Bemühen, der Fabulierlust freien Lauf zu lassen. Das führt dazu, dass man irgendwann mit den karikaturhaft überzeichneten und Dialekt sprechenden Charakteren mangels einer originellen Auflösung der vielen Fährten nicht mehr mitfiebert. Vielmehr ist man erleichtert, wenn der erzählerisch ziellose Mystery-Spuk endlich vorbei ist.
