Vorstellungen
Filmkritik
Wanda, Gregor und Caren haben ihre masochistischen Obsessionen zum Lebenszweck erhoben. Unter der Führung von Wanda bilden sie ein nach Qualen dürstendes Trio, das neben der eigenen Lustbefriedigung bizarre Bühnenshows für Eingeweihte zelebriert. Als Justine hinzustößt, nutzt Wanda die Chance, die Verlustängste ihrer beiden "Sklaven" zu schüren. Die Leiden werden heftiger, die Gemüter erhitzter, doch alle Beteiligten verharren in einem infernalischen Kreis, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Als Gregor, an dessen Stelle Justine gerückt ist, sich zu einer Verzweiflungstat aufrafft, erntet er nur Hohn und wird von der Menge, Homosexuelle aus der Lederszene - Wandas "Familie", wie sie selbstgefällig behauptet -, als Teil einer neuen Show begriffen. Masochismus als Krankheit bis zum Tode, der jedoch die Erlösung verweigert.
Kaltblaues Licht, verkantete Bilder
Nach Motiven des Romans "Venus im Pelz" (1870) kommt dieser Film rechtzeitig zum 150. Geburtstag des Autors Leopold von Sacher-Masoch, der der psychiatrischen Forschung die bis dato nicht erkannte Perversion des Masochismus bescherte, ins Kino. Dabei ist es weniger der Inhalt des Films, der abstößt, als vielmehr sein Inszenierungsstil und der zum unerträglichen Manierismus geronnene Ästhetizismus. Kaltblaues Licht signalisiert Gefühlskälte, und verkantete Bilder suggerieren, dass die Welt aus dem Lot ist; daran wird man in jeder zweiten Einstellung erinnert. Auch die künstlerisch überhöhte Darstellung kann diesem Beziehungsreigen keinen allgemeingültigen Sinn verleihen. Man fühlt sich nicht ertappt in der Demaskierung eigener, verdrängter Lüste, und die Perversion des Masochismus wird weder erklärt noch wird für Verständnis bei den "normalen" Kinogängern geworben.
Was der Film noch am ehesten hätte leisten können, nämlich der feministischen Bewegung, die, weitgehend entpolitisiert, seit Jahren in der Masochismus-Debatte steckt, ein Forum zu verschaffen, wurde erst gar nicht versucht. So ist der mehrfach geförderte Film rundum überflüssig und ärgerlich. Es scheint, als ob sich die beiden Autorinnen Elfi Mikesch und Monika Treut ein Späßchen machen wollten durch ihre Lust am (vermeintlichen) Provozieren, das schicke Kokettieren mit gesellschaftlichen Tabus, ohne die Stoßrichtung ausgelotet oder abgesprochen zu haben.






