Szene aus Best of Cinema: Gefährliche Brandung
Filmplakat von Best of Cinema: Gefährliche Brandung

Best of Cinema: Gefährliche Brandung

107 min | Action, Thriller, Krimi | FSK 16
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Eine Bande von Bankräubern terrorisiert die Stadt. Mit Plastikmasken als Ex-Präsidenten der USA verkleidet, schlagen sie immer wieder blitzschnell zu. Die Polizei ist vollkommen ratlos, bis der junge FBI-Agent Johnny Utah auf die Idee kommt, sich als Undercover-Agent in das Surfer-Milieu einzuschleichen. Dort trifft er nicht nur auf die junge, attraktive Tyler, sondern auch auf den charismatischen Surf-Guru Bodhi und seine Clique, mit der er sich schnell anfreundet. Bald stellt er aber fest, dass sie die Gangster sind, die auf der Suche nach immer neuen "Kicks" auch Banküberfälle wie einen Sport betreiben.
  • RegieKathryn Bigelow
  • ProduktionVereinigte Staaten 1990
  • Dauer107 Minuten
  • GenreActionThrillerKrimi
  • AltersfreigabeFSK 16
  • IMDb Rating7/10 (142256) Stimmen

Filmkritik

Viel ist es wahrlich nicht, was Johnny Utah, frischgebackener Agent des FBI in Los Angeles, da an zweckdienlichen Hinweisen auf die Identität eines seltsamen Bankräuber-Quartetts in den Händen hat. Ein unscharfes Foto, auf dem einer der Täter der Überwachungskamera keck sein entblößtes Hinterteil präsentiert. Während Utah darin nur einen Scherz erkennen kann, glaubt sein Kollege Pappas, daß derart sonnengebräunte Exemplare bevorzugt im Surfer-Milieu zu finden sind. Zwar nur ein vages Indiz, da andere aber nicht verfügbar sind, trotzt Utah bald darauf auf dem magischen Brett der tosenden Brandung und hält Ausschau nach verdächtigen Beach-Boys. Doch seine "Fahndung auf hoher See" hat wenig Erfolg, bis er - natürlich inkognito - die aparte Tyler als Surf-Lehrerin anheuert. Mit ihrer Hilfe macht er die Bekanntschaft von Bodhi, dem Anführer einer Truppe von Wellenreitern. Und während Utahs Vorgesetzte ihm ständig mit Fragen nach dem Fortgang der Ermittlungen im Nacken sitzen, findet der FBI-Mann zunehmend Geschmack am Strandleben, dem muskelbepackten Schönling und insbesondere an seiner Surf-Lehrerin. Daß Bodhi und seine Kumpane jene mysteriösen Bankräuber sein könnten, ist zwar nicht eben unwahrscheinlich, aber Utah will nicht so recht daran glauben. Doch als die "Presidents" - die Täter verbergen ihre Gesichter stets hinter Masken mit den Konterfeis der letzten vier US-Präsidenten - eines Tages wieder zuschlagen und Utah am Tatort die Verfolgung aufnimmt, schießt er, "Ronald Reagan" im Visier, absichtlich daneben, ahnend, daß sich hinter der Maske sein neuer Freund verbirgt.

Kathryn Bigelow, zuletzt mit ihrem Cop-Krimi "Blue Steel" erfolgreich, hat den Versuch unternommen, so unterschiedliche Genres wie Thriller und Beach-Movie zu verbinden. Ein kühnes Ansinnen, nur leider stehen diese "Welten" hier so unvermittelt nebeneinander, daß der Film praktisch in zwei disparate Teile zerfällt. Was wie ein action-geladener Krimi beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem langatmigen Melodram um die seltsame Freundschaft zwischen dem eifrigen Gesetzeshüter und dem tollkühnen Outlaw. Der Fall gerät dabei lange Zeit völlig aus dem Blick. Stattdessen ergötzt sich die Kamera ausgiebig am lebensfrohen Californian-Beach-Life und huldigt bis zum Überdruß der Kunst des Wellenreitens. Dazu schwadroniert Bodhi tiefschürfend vom Warten auf die "ultimative Welle" und redet auch sonst, als habe er im Fach "Sportmetaphysik" bei Reinhold Messner volontiert. Darüber hinaus frönt die verwegene Surfer-Gang einer Anarcho-Attitude zwischen dem Bodybuilder-Kult der 90er und den Hippie-Ritualen der 60er Jahre. Bei einer Sommernachtsparty erklingt stilecht Jimi Hendrix` "If 6 was 9". Doch alles plätschert mehr so dahin, als daß es gefangennehmen könnte, zumal die Charakterzeichnung der beiden Kontrahenten viel zu oberflächlich bleibt, um auch nur ansatzweise plausibel zu machen, aus welchen Gründen sie einander so anziehend finden. Dabei entledigt sich Keanu Reeves seiner Rolle als verwirrter Ordnungshüter durchaus respektabel, und Patrick Swayze als muskelbepackter Späthippie und Bösewicht agiert auf Grund seiner bisherigen Good-Guy-Rollen zwar immer am Rand der unfreiwilligen Komik, aber im Prinzip ließe sich auch mit dieser bemühten Gegen-den-Strich-Besetzung leben. Die Crux bleibt die überaus schwache Dramaturgie. Denn ebenso unvermittelt wie Kathryn Bigelow am Anfang nach ein paar Minuten das Tempo aus dem Film herausnimmt, zieht sie es gegen Ende wieder an und kehrt vom Surfer-Melodram zum harten Krimi zurück. Das rettet zwar den Film nicht mehr, aber immerhin gelingen ihr dabei zwei virtuos inszenierte Verfolgungsjagden, die zweifellos zu den Jahresbestleistungen in dieser Disziplin gehören.

Erschienen auf filmdienst.deBest of Cinema: Gefährliche BrandungVon: Reinhard Lüke (31.5.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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