Zum Hauptinhalt springen

Glennkill: Ein Schafskrimi

100 minDrama, KomödieFSK 12
Tickets
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 1
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 2
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 3
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 4
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 5
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 6
Szenebild von Glennkill: Ein Schafskrimi 7
Schäfer George (HUGH JACKMAN) liest seinen geliebten Schafen jeden Abend Krimis vor und nimmt an, dass sie kein Wort davon verstehen. Doch als ein mysteriöser Vorfall das friedliche Leben auf der Farm durchbricht, wird den Schafen bewusst, dass sie selbst nun die Ermittlungen übernehmen müssen. Also folgen sie der Spur der Beweise und machen menschliche Verdächtige ausfindig. Dabei beweisen sie, dass auch Schafe brillant darin sein können, Verbrechen aufzuklären. Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!
  • Veröffentlichung14.05.2026
  • Kyle Balda
  • Vereinigte Staaten (2026)

Von den Bewohnern des irischen Dorfs Glennkill gibt es kaum jemanden, mit dem Schäfer George (Hugh Jackman) nicht zerstritten ist. Umso inniger liebt er seine Tiere, mit denen er etwas abgelegen auf einem großen Feld lebt. Die Schafe versteht der vegetarische Eigenbrötler nicht als Nutztiere, sondern als Gefährten, denen er ein komfortables Leben ermöglicht. Regelmäßig liest er ihnen Krimis vor, während ihn die Vierbeiner scheinbar nur ahnungslos dusselig anglotzen.

Regisseur Kyle Balda vermittelt zu Beginn von „Glennkill: Ein Schafskrimi“ den Eindruck, als ob George der Protagonist dieser Geschichte wäre. Von ihm stammt nicht nur die Voice-over; er ist zunächst auch schlichtweg der einzige Mensch, der dafür in Frage käme. Dann wechselt der Film plötzlich zur Perspektive der Schafe, die, im Gegensatz zu den Menschen, die fremde Spezies sehr wohl verstehen und regelrecht süchtig nach Krimis sind. Noch während sie abends gemächlich in die Scheune trotten, rätseln sie aufgeregt, wer der Mörder der von George nicht zu Ende vorgelesenen Geschichte sein könnte. Bald aber spielt der Schäfer nur noch indirekt eine Rolle, denn eines Morgens liegt er ermordet vor seinem Wohnwagen, worauf es seine geliebten Tiere als ihre Pflicht ansehen, den Täter zu finden.

Mördersuche unter kauzigen Bewohnern

„Glennkill“ basiert auf dem gleichnamigen Roman der deutschen Autorin Leonie Swann. Die Adaption nimmt sich aber viele Freiheiten im Umgang mit der Vorlage, nicht zuletzt beim sehr unterschiedlichen Ende. Mit gotischer Architektur, dunklen Holzvertäfelungen und blühenden Vorgärten erschafft der Film eine heimelig putzige Provinzwelt. Die klassische Suche nach dem Mörder unter den kauzigen Bewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat, ist der Kern des Films, aber nicht sein alleiniger Antrieb. Das komische Aufeinandertreffen zwischen menschlicher und tierischer Lebenswelt sowie die Herausforderung für die Schafe, vermeintliche Gewissheiten zu hinterfragen, spielen eine ebenso bedeutende Rolle. Gelegentlich fühlt man sich an den doppelbödigen Humor der „Paddington“-Filme und an „Ein Schweinchen namens Babe“ erinnert, der ähnlich gekonnt das niedlich-emotionale Potenzial der sprechenden Tiere ausreizte.

Seine Komik schöpft „Glennkill“ häufig aus der gestörten Kommunikation zwischen Schafen und Menschen. Die gutgläubigen Vierbeiner grübeln, was Begriffe wie „Gott“ und „Vegetarier“ bedeuten, und begeben sich aufs fremde Dorfterrain, wo sie Gespräche belauschen und die stockende Ermittlungsarbeit mit Hinweisen voranbringen. Die Menschen reagieren auf die blökenden Helfer naturgemäß irritiert. Sind die Zweibeiner unter sich, gelingen der Inszenierung immer wieder schwungvolle Momente voller Situationskomik. Der unerfahrene und höchst ungeschickte Dorfpolizist Tim (Nicholas Braun) emanzipiert sich dabei langsam von der Lachnummer zu einem emotional vielschichtigen Helden. Andere Figuren fallen etwas flachbrüstig aus, etwa die von Emma Thompson gespielte scharfzüngige Anwältin.

Am wohlsten bei den Schafen

Am wohlsten fühlt sich „Glennkill“ bei den Schafen, die aus unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Typen bestehen: der Hauptermittlerin Lilly, dem griesgrämigen Sebastian mit seiner dunklen Vorgeschichte, der trübseligen Mopple, den ständig auf Krawall gebürsteten Rammböcken oder den schamlos süßen Winterlamm, das von der Herde verstoßen wurde, weil es als einziges nicht im Sommer geboren wurde. Die mithilfe von CGI-Animation sprechenden Tiere bewegen sich am Anfang noch ein wenig ruckelig, aber man gewöhnt sich schnell daran und schließt sie ins Herz.

Manchmal ist die Handlung ein wenig pädagogisch und erzählt davon, wie man Ängste überwindet und durch schlechte Erfahrungen wachsen kann. Doch der Film verpackt diese Entwicklung charmant und berührend. Wenn es um Tod und Verlust geht, wird das nicht romantisiert; der Film federt das dunkle Thema aber mit einem Gag ab. Die Wirklichkeit, so müssen die Schafe lernen, ist viel komplizierter als die Handlung in den Krimis. Zumindest einige der Menschen begreifen wiederum, dass hinter den einfältigen Gesichtern der Tiere fühlende und denkende Lebewesen stecken, auch wenn sie nicht immer kluge Gedanken hervorbringen. Ein warmherziger, versöhnlicher, manchmal zu Herzen gehender und oft ziemlich lustiger Genre-Mix für die ganze Familie.

Veröffentlicht auf filmdienst.deGlennkill: Ein SchafskrimiVon: Michael Kienzl (10.12.2026)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de