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Filmkritik
Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo? Luke Littler oder Phil Taylor? Michael Jordan oder LeBron James? „GOAT“-Debatten, also Debatten darum, welcher Spieler/Athlet der „Greatest of all Time“ ist, gibt es in vielen Sportarten. Oft streiten sich übereifrige Fans mit Leidenschaft und stellenweise absurdem Eifer um ihre Helden. Sie wollen ihnen nacheifern, sehnen sich selbst nach solch einer epischen Karriere.
Wenn man „GOAT“ nicht als Kürzel, sondern wortwörtlich liest, heißt es zu deutsch Ziege. Der Animationsfilm von Regisseur Tyree Dillihay führt nun sozusagen beide Bedeutungen spielerisch zusammen, indem er von einem Ziegenbock mit großen sportlichen Ambitionen erzählt: Das Huftier Will träumt schon seit seinem ersten Stadionbesuch mit der mittlerweile verstorbenen Mutter davon, ein erfolgreicher Spieler im „Roarball“, der tierischen Variante von Basketball, zu werden. Aufgesehen hat er schon immer zu Jett Filmore, einem weiblichen schwarzen Panther und Star des Roarball-Teams „Thorns“.
Als der kleine Ziegenbock einige Jahre später durch ein virales Handyvideo urplötzlich von der Besitzerin des Vereins, einem frisierten Schwein im Hosenanzug, für das Team angeheuert wird, missbilligt dies Jett. Da sich ihre Karriere dem Ende zuneigt und sie noch keinen Meistertitel einheimsen konnte, zweifeln Teile der Zuschauerschaft an ihrem „GOAT“-Status; auch weil sich ein abgehobenes Pferd als der neue Star in den sozialen Medien verkauft.
Kleine Ziege hat großen Bock
Will kann zwar in der Kontaktsportart nicht mit seiner Körpergröße punkten, doch verfügt er über eine beeindruckende Wurftechnik – und erinnert damit an die Karriere von Basketballprofi Stephen „Steph“ Curry. Curry, der anfänglich als zu klein und dünn galt, wird mittlerweile als der beste Distanzwerfer der NBA-Geschichte gehandelt. Er selbst hat „G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge“ koproduziert und synchronisiert im Original eine Giraffe, ebenfalls Teammitglied der „Thorns“. So wird die Geschichte eines Underdogs – oder Undergoats – erzählt, der seinen Vorbildern nacheifert.
Dementsprechend generisch verläuft die Geschichte: Aus anfänglicher Ablehnung wird sukzessive Vertrauen, aus skeptischen Kontrahenten wird ein eingeschworenes Team, und aus Niederlagen werden Siege. Die Aufschrift „Dream Big“ ziert die Hallenschuhe von Will, der sich seinen Traum von der Profikarriere durch Talent, harte Arbeit und etwas Glück erfüllen konnte. Coming-of-Age-Elemente zeigen sich insbesondere durch eingebettete Popkultur und entsprechenden Jugendslang der Protagonisten, wobei dieser – zumindest in der Synchronfassung – eher als nervige Persiflage denn als authentische Verortung daherkommt.
Der Animationsfilm ist in einer ähnliche animalischen Welt wie der von „Zoomania“ verortet. Unterschiedliche Tiere leben in einer menschengleichen Umgebung, erledigen ihren Alltag, haben Träume zu jagen, Verluste zu verkraften. Will kommt aus einfachen Verhältnissen und jobbte einst in einem Diner, in dem ein Bild von ihm und seiner Mutter hängt. Hier versammelt sich seine soziale Gemeinschaft – Angestellte, Stammgäste und Freunde –, um gemeinsam die Spiele der „Thorns“ zu schauen.
Durch die Wurzeln vereint
Besonders wichtig wird aber der eingezäunte, traditionsreiche Sportplatz in Wills Heimatort. Dort, wo zahlreiche Profis ihre ersten Schritte machten und wo sich hoffnungsvolle Teenager vorstellen, ihnen würden die Massen bei einem versenkten Dreier zujubeln. So werden auch die Anleihen zum Basketball soziokulturell verständlich: Als in afroamerikanischen Communitys geprägte Sportart ist er in den USA weit mehr als bloß Spiel, sondern soziale Praxis, Aufstiegsversprechen und Ventil. Gerade in armen Vierteln und schwierigen Verhältnissen werden die kleinen Courts zwischen Beton, Zäunen und kaputten Körben zu mehr als nur Spielfeldern.
Doch zumindest beim Roarball gelten für alle dieselben Regeln – vom unsicheren Strauß bis zum durchgeknallten Komodowaran. Selbst wenn in den Arenen plötzlich große Schlaglöcher oder Eistrümmer aufklaffen. Bunt und dynamisch inszeniert Regisseur Tyree Dillihay dieses launige Abenteuer und erinnert nicht nur thematisch an „Space Jam“, in dem die ungeschickten, aber liebenswerten „Looney Tunes“ gegen übermächtige Monster antreten. Slapstick und kesse Sprüche der kauzigen Tiere wechseln sich mit den fulminanten Spielszenen auch in „G.O.A.T.“ ab.
Mechanismen des Profisports und die reaktionäre Zuschauerschaft auf sozialen Kanälen werden für einen simpel gestrickten Animationsfilm sehr akkurat persifliert: von nervigen „GOAT“-Debatten der Fans bis hin zu kapitalistischen Clubbesitzern, die ihre berühmten Starspieler multimedial vermarkten wollen. Trotz der Aufmerksamkeit, des Geldes und der Titelgewinne hat es alles einmal auf diesem einen zugewachsenen Spielfeld angefangen.










