





- Veröffentlichung08.01.2026
- RegieRic Roman Waugh
- ProduktionVereinigtes Königreich (2025)
- Cast
- TMDb Rating6/10 (44) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
Fünf Jahre nach der Katastrophe in „Greenland“ stirbt die Welt nur noch langsam. Wer die unmittelbaren Folgen des Kometeneinschlags überleben konnte, findet den allmählichen Tod in der strahlenverseuchten Außenwelt des Festlands. Den wenigen Bunkeranlagen der Welt gehen derweil langsam, aber sicher die Vorräte aus. So auch dem gewaltigen Refugium, in dem die Familie Garrity Unterschlupf gefunden hat. Die recht große Lebensgemeinschaft, die sich hier gebildet hat, sieht dem langsamen Tod entgegen: weitere Flüchtlinge sind im Anmarsch, die Wasserversorgung ist immer wieder von Ausfällen bedroht und die Vorräte gehen allmählich zu Ende.
Bevor der langsame Tod sich endgültig manifestieren kann, schlägt in „Greenland 2“ der schnelle Tod zu: die Flüchtlingsmission, die Grundwasser- und Versorgungsprobleme brechen, gemeinsam mit den mühevoll aufgebauten Bau- und Gesellschaftsstrukturen des Bunkers zusammen. Buchstäblich. Grund dafür ist nicht der langsam, aber unaufhaltsam voranschreitende soziale Krisenzustand im Inneren, sondern ein gewaltiges Erdbeben. Kaum hat Bauingenieur John Garrity (Gerard Butler) den Riss in der Wand bemerkt, beginnt das Refugium einzustürzen und die soziale Gemeinschaft zu einer Schar von Individuen im Überlebenskampf zu zersplittern. Auch Grönland hat keine Zukunft mehr. Die einzige Hoffnung sieht Wissenschaftlerin Casey (Amber Rose Revah) in Frankreich. Genau dort, wo der größte Teil des Kometen Clarke einst einschlug, soll heute der Ort liegen, der einen Neuanfang des Lebens ermöglichen kann.
Ein weiteres Mal in der (Post-)Apokalypse
John, seine Frau Allison (Morena Baccarin) und der gemeinsame Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) müssen sich, trotz alter und neuer Verwürfnisse, ein weiteres Mal als Familie in der (Post-)Apokalypse durchschlagen. Die Erde ist noch immer alles andere als habitabel. Auf das Erdbeben folgen Riesenwellen. Die Überlebenden von Beben und Flut stranden auf den Resten des teilüberfluteten Vereinigten Königreichs, das wie Grönland von nuklearen Stürmen und dem Feuerregen der im Orbit verbliebenen Fragmente heimgesucht wird. Die dazugehörigen Bilder überrollen den Film, wie die nicht enden wollenden Katastrophen den Planeten selbst überollen.
Anders gesagt: „Greenland 2“ ist gänzlich um die Ästhetik der Katastrophe gebaut. Mit Feuerregen, Riesenwellen, ausgetrockneten Meerengen und Kriegsgebieten fährt die Fortsetzung einiges an Katastrophe auf. Filmemacher Ric Roman Waugh beweist dabei erneut ein gutes Gespür für knackige Szenen, die mit aller Naturgewalt an der fragilen und doch untrennbaren Familie zerren.
Gestaunt werden darf aber immer nur kurz: zu tödlich ist die Welt, die „Clarke“ der Menschheit hinterlassen hat. Gewissermaßen taugt die Bündigkeit, die der Weltuntergang der Erzählung aufzwingt, auch dazu, die auch im zweiten Teil mitunter sichtbaren Lücken im Budget zu kaschieren: Tsunamis, Meteoritenregen und Artilleriefeuer sehen beeindruckend aus, solange es keine Zeit für einen zweiten Blick gibt.
Die Attraktionen rauschen vorbei
Glücklicherweise lässt das Nachbeben der Apokalypse, das „Greenland 2“ erzählt, zweite Blicke praktisch kaum zu. Fast erstaunlich scheint es, dass so viele Katastrophen in nur 98 Minuten Laufzeit Platz finden. Dramaturgisch kommt der Film entsprechend einer Achterbahn- beziehungsweise Geisterbahnfahrt gleich. Die Attraktionen rauschen vorbei und werden, kaum dass die Kleinfamilie und ihre Begleiter den Schrecken überwunden haben, von der nächsten abgelöst. Zeit für globale geopolitische Betrachtungen bleibt dabei nicht.
Wo den Garritys eine Pause aufgezwungen wird, muss „Greenland 2“ aber dennoch Abstriche machen. Das Familiendrama, das noch im ersten Teil recht ausgiebig als gemeinsame Erfahrung der Hilflosigkeit erzählt wurde, wird hier nurmehr in Erfüllung der Pflicht, wenn auch effizient abgewickelt. Dort, wo der Blick nicht allein auf die Kleinfamilie fällt, erscheint das Trauer- und Traumaprogramm wie ein im Vorbeirauschen angeheftetes Anhängsel. Sinnbildlich dafür steht eine Trauerrede, die Nathan hält. Er zitiert die Worte des Vaters, die anders als bei dessen Rede nicht beim Begräbnis gesprochen, sondern schon wenige Sekunden nach Ableben der geliebten Person herausposaunt werden.
Eine Vision, die alternativlos bleibt
Das einzige Gegengewicht zur Katastrophe ist das Pathos des Lebens, das „Greenland 2“ seiner noch brennenden Welt als fahrige, jedoch bildgewaltige Vision aufdrängt. Saftige Wiesen, pralle Wasserfälle und neu entstandene Bergmassive illustrieren jene Zukunft, die sich die diegetische Wissenschaft auf der recht wackligen Basis ihrer Forschungsdaten imaginiert. Wirklich daran zu glauben fällt der Familie schwer und doch lassen sich alle, wider besseres Wissen, in Richtung dieser Vision treiben, die naiv sein mag, aber – niemand weiß das besser als eine zerbrechende Kleinfamilie zu Weltuntergangszeiten – alternativlos bleibt.
