Vorstellungen
Filmkritik
Schon als Kind ist Mabel wütend auf die Welt. Genauer gesagt: auf die Menschen, die sie zerstören, die Tiere in Käfigen halten, Schildkröten beim Spielen auf den Rücken drehen und die Umwelt verschmutzen. Mit Hilfe ihrer naturverbundenen Großmutter wächst die kleine Querulantin schnell zu einer echten Rebellin heran, die versucht, ein Stückchen Land vor einer Umgehungsstraße zu retten, stilbewusst mit Chucks, Skateboard und Vintagejacke.
Die Abenteuer einer aufgeweckten Aktivistin, die für ihre Umwelt kämpft, wären für viele Filme schon Handlung genug. Doch für „Hoppers“ von Daniel Chong ist das lediglich der Auftakt einer wesentlich wilderen Geschichte. Denn durch eine Verkettung von Zufällen gelingt es Mabel, ihr Bewusstsein in einen mechanischen Biber hochzuladen. Endlich kann sie sich mit den Tieren des Waldes anfreunden und eine Rebellion gegen die Umweltsünder starten. Diese Story klingt in Mabels Ohren wie „Avatar“. Eigentlich aber ist sie noch besser.
Klassischer Pixar-Film mit neuer Hektik
Aus der Ferne wirkt „Hoppers“ wie ein klassischer Pixar-Film. Eine kreative Prämisse trifft auf ehrliche Emotionen, und in vielen Momenten scheint die Detailverliebtheit durch, die das Studio groß gemacht hat. Aus der Nähe wirkt „Hoppers“ allerdings wesentlich hektischer und aufgeregter als frühere Pixar-Filme. Die Gagdichte ist hoch, und viele Witze fühlen sich so an, als wären sie zur Auswertung als Videoschnipsel in den sozialen Medien entworfen worden. Ein Trailer mit einer Eidechse am Smartphone („Lizard Lizard Lizard“) wurde lange vor Veröffentlichung des Films zum TikTok-Hit. Trotz seines internetfreundlichen Tempos wirken die Gags in „Hoppers“ aber nicht billig, sondern strotzen vor liebenswerten Einfällen. Wenn man von manchen Musiknummern einmal absieht.
Wie in den besten Pixar-Filmen konzentriert sich die Geschichte auf ein zentrales Duo, das mit unterschiedlichen Weltansichten durch ein Abenteuer schlittert. Dieses Modell hat dem Studio von „Toy Story“ bis „Alles steht Kopf“ gute Dienste geleistet und funktioniert auch in „Hoppers“. Mabel freundet sich mit dem optimistischen Biber George an, dessen sorglose Blauäugigkeit das Gegengewicht zur jungen Frau mit ihren Verlustängsten und Zukunftssorgen bietet. Selbst im lauten Gagfeuerwerk finden sie immer wieder kleine Momente, die den Film mit ehrlicher Emotionalität erden, ehe er völlig abhebt.
Zwischen Gen-Z-Geckos und Gegenwartspolitik
Der Humor und die Aufmachung des Films lassen keinen Zweifel daran, dass die Gen Z als Zielgruppe angepeilt ist. Hauptfigur Mabel ringt mit Problemen, die vielen jungen Menschen auf den Herzen liegen: Eine vom Kapitalismus angetriebene Machtpolitik zerstört unnachgiebig die Umwelt und raubt den Heranwachsenden ihre Zukunft. Aus Konflikten wie diesen entstanden in der Lebensrealität Bewegungen wie „Fridays for Future“. Für diese Generation scheint die junge Aktivistin, mit ihrer gerechten Wut im Bauch, eine ideale Bezugsperson. Das stimmige Momentum des Films gerät jedoch ins Wanken, als er sich entscheiden muss, ob er wirklich Teenager und junge Erwachsene adressieren will oder ein unparteiischer Familienfilm bleiben möchte. „Hoppers“ geht den moderaten Weg und legt seinem Publikum nahe, dass man den Weltschmerz lieber hinunterschluckt und nett zu seinen Feinden sein soll.
Das klingt löblich, widerspricht aber dem Geiste einer Bewegung, die lange genug von faulen Kompromissen enttäuscht wurde. Unabhängig davon, ob man diese Überzeugung teilt oder anzweifelt, hat der Film merklich Mühe, seine moralische Nadel im Mittelfeld zu halten. Es müssen zusätzliche Antagonisten gefunden werden, und ein Finale jagt das nächste. Die anfangs so elegante und zielstrebige Geschichte wird unnötig aufgebläht, weil die Ansprüche, ein junger, rebellischer Film und gleichzeitig massentaugliches Familienkino zu sein, nicht immer zusammengehen. Zum Glück helfen die hohe Geschwindigkeit und die Fülle an neuen Ideen dabei, die schwächeren Augenblicke schnell hinter sich zu lassen.
Viel Charme, wenig Risiko
Im Kosmos der Pixar-Filme muss „Hoppers“ den Vergleich nicht scheuen. Was Humor, Emotionen und Ästhetik angeht, ist es beruhigend zu sehen, dass das Studio seine alten Tugenden nicht verlernt hat: Der Film kann mit Leichtigkeit auf bewährte Stärken zurückgreifen und zaubert etwas auf die Leinwand, das höchst einfallsreich ist und dabei noch richtig gut aussieht. Allerdings gibt sich „Hoppers“ damit nicht ganz zufrieden. Er möchte gerne eindrucksvoller, gewagter und vor allem aktueller sein als bisherige Storys. Das ist ein riskanter Sprung, der sein Ziel gegen Ende nicht vollkommen erreichen kann. Denn als es darum geht, nicht nur bunt zu sein, sondern wirklich Farbe zu bekennen, wird er etwas unsicher und lässt die rebellische Schärfe vermissen, die er zu Beginn noch hochgehalten hat.
Seine selbstgesteckte Aufgabe als Sprachrohr einer jungen, rastlosen Generation vernachlässigt er damit zwar, tut es aber derart charmant und liebevoll, dass es leichtfällt, sich dennoch großartig unterhalten zu fühlen. Die neu entdeckte Geschwindigkeit und die Fülle an Ideen helfen dabei, selbst die schwächeren Augenblicke schnell hinter sich lassen zu können. Der versöhnliche Ton reflektiert die Sorgen unserer Gegenwart zwar nicht vollständig, bietet aber eine wohlige Portion Eskapismus. Und den braucht das Publikum möglicherweise, damit die Kräfte für die nächste Großdemo wieder ausreichen.









