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In the Grey

97 minDrama, Action, ThrillerFSK 16
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Mit automatischen Waffen und Sprengstoff gehen sie genauso geschickt um wie mit Einfluss, Macht und Worten: Ein Team von Eliteagenten, das in globalen Grauzonen agiert, wird auf einen skrupellosen Despoten angesetzt, der eine Milliarde Dollar hinterzogen hat. Auf einer streng bewachten Privatinsel entwickelt sich die trickreiche Mission, das Geld zurückzuholen, zu einem strategischen Wettrennen, bei dem jedes Mittel recht ist..
  • Veröffentlichung21.05.2026
  • Guy Ritchie
  • Vereinigtes Königreich (2026)
  • 6.7/10 (2448) Stimmen

Rachel (Eiza González) wird als eisenharte Vermittlerin eingeführt. Im einführenden Voiceover betont sie, dass sie sich stets in den titelgebenden Grauzonen bewegt: zwischen Moral und Amoral, Legalität und Illegalität, Schwarz und Weiß. Ihre demonstrativ selbstbewusste Stimme wird man in „In the Grey“ allerdings lange nicht los.

Denn der neue Film von Guy Ritchie ist vor allem damit beschäftigt, die fundamental simple Geschichte unentwegt zu erklären: Ein geldgieriger spanischer Despot (Carlos Bardem) stiehlt ein Milliardenvermögen, sämtliche Versuche der zuständigen Auftraggeberin (Rosamund Pike), die Beute zurückzuholen, scheitern – also tritt Rachel auf den Plan. Mit resolutem Auftreten und dem Versprechen, die entwendeten Milliarden zurückzubringen – zehn Prozent Beteiligung für sie selbst inklusive –, überzeugt sie die Verzweifelten von ihrem Vorhaben. Gemeinsam mit dem Briten Sid (Henry Cavill), dem US-Amerikaner Bronco (Jake Gyllenhaal) und ihren übrigen „Ziehsöhnen“, die von ihr unter anderem aus internationalen Gefängnissen befreit wurden, nimmt sie sich der scheinbar unmöglichen Mission an.

Und damit auch der Gelegenheit, ihre endlosen Dispositionsmonologe fortzuführen. „In the Grey“ wirkt wie eine überdehnte, mittelmäßige Mission aus dem Computerspiel „Grand Theft Auto“, in der die Spieler jeden noch so kleinen Auftrag bis ins Detail erklärt bekommen. Statt zuzusehen, wie sich die Söldnertruppe Waffen, Fahrzeuge und Ausrüstung beschafft, hört man den Figuren vor allem dabei zu, wie sie darüber sprechen, es zu tun.

Steril in Form und Figur

Mittels zahlreicher Split-Screens, Inserts und integrierter Grafiken versucht Ritchie jene Dynamik zu simulieren, die dem Film von Beginn an fehlt. Pfeile markieren die Beute, potenzielle Feinde oder strategische Positionen auf Landkarten. Diese visuellen Hilfsmittel sollen Orientierung schaffen, verkomplizieren die ohnehin simpel gestrickte Handlung jedoch nur künstlich. Eine Form des Verschlimmbesserns, die umso stärker mit den ausufernden, stumpfen Schießereien der zweiten Hälfte kollidiert. Zwar sind die Actionsequenzen von Kameramann Ed Wild solide eingefangen, doch bleiben die Bilder als Hochglanzoberflächen ebenso steril wie die Figuren.

Ritchie überzeichnet seine genretypischen Männlichkeitsbilder zunächst bis zur Karikatur: stoisch blickende und gleichzeitig formschöne Männer, die sich bedingungslos für Rachel, die alle nur „Mom“ nennen, aufreiben und ihre Pläne ohne Nachfragen ausführen. Anfangs wirkt diese übersteigerte Stereotypisierung noch wie eine ironische Brechung jener testosterongeladenen Actionfilm-Virilität, als würde der Film seine eigenen Klischees bewusst persiflieren. Je länger „In the Grey“ läuft, desto deutlicher wird aber, dass diese Überhöhung offenbar weniger satirisch gemeint ist als angenommen. Wenn sich die Figuren von Cavill und Gyllenhaal scherzhaft als Ehepartner bezeichnen oder sich halbherzig ein „Ich liebe dich“ zuflüstern, entsteht daraus keine pointierte Dekonstruktion männlicher Rollenbilder, sondern vielmehr eine bemüht wirkende Pseudo-Homoerotik, die die fehlende Chemie des prominent besetzten Ensembles kaschieren soll.

Rückständig und seelenlos

Ein mit spanischem Akzent ausgestatteter Quasi-Gangsterboss, pragmatisch-kühle Agenten und eine betont toughe Geschäftsfrau ergänzen den stereotypen Gestus des Films. Dass Eiza González’ Charakter zunächst als durchsetzungsstarke Strippenzieherin etabliert wird, im finalen Kugelhagel jedoch panisch und machtlos durch die Schusswechsel irrt, fügt sich nahtlos in die rückständige Dramaturgie dieses seelenlosen Actionfilms ein. Und auch, dass im Vorspann zunächst die Namen ihrer männlichen Schauspielkollegen in Fettschrift auftrumpfen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deIn the GreyVon: Felix Knorr (20.5.2026)
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