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It's Never Over, Jeff Buckley

106 minDokumentationFSK 12
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IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY, unter der Regie der Oscar-nominierten Filmemacherin Amy Berg (Deliver Us From Evil, Janis: Little Girl Blue, West of Memphis), erzählt die Geschichte des aufstrebenden Musikers Jeff Buckley – einer außergewöhnlichen Stimme und eines Künstlers, der musikalische Grenzen sprengte. Sein plötzlicher Tod im Alter von 30 Jahren erschütterte die Musikwelt der 1990er-Jahre, kurz nach der Veröffentlichung seines von der Kritik gefeierten Debütalbums Grace. Der Film nutzt bisher unveröffentlichtes Material aus Buckleys persönlichen Archiven sowie intime Erinnerungen seiner Mutter Mary Guibert, seiner früheren Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser, seiner ehemaligen Bandkollegen – darunter Michael Tighe und Parker Kindred – sowie Stimmen aus der Musikwelt wie Ben Harper und Aimee Mann. IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY zeichnet so das Porträt einer der einflussreichsten und zugleich rätselhaftesten Figuren der modernen Musikgeschichte.
  • Veröffentlichung09.04.2026
  • Amy J. Berg
  • Vereinigte Staaten (2026)
  • 7.7/10 (2393) Stimmen

Erinnert sich noch jemand an Jeff Buckley? Der äußerst talentierte, sehr attraktive und fotogene US-amerikanische Singer-Songwriter veröffentlichte vor etwas mehr als 30 Jahren sein Debütalbum „Grace“ bei „Columbia Records“, das von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurde – und Buckley zumal in Europa zum „nächsten großen Ding“ werden ließ. Der Erfolg von „Grace“ erlaubte es seinerzeit zudem, noch einmal die Geschichte von Jeffs Vater aus den Archiven der Popkultur hochzuladen und auszubreiten. Dieser Vater war Tim Buckley, ein äußerst talentierter, attraktiver und fotogener Singer-Songwriter, der in den 1960er-Jahren von der Kritik gefeiert wurde, eine sehr experimentelle Karriere in Richtung Free Jazz und Folk einschlug, von der Plattenfirma nur mit größter Mühe zu kommerziellen Zugeständnissen bewegt werden konnte und schließlich im Juni 1975 mit 28 an einer wohl versehentlichen Überdosis starb.

Tims Sohn Jeff wurde 1966 geboren. Da hatte Tim allerdings Jeffs Mutter Mary Guibert bereits verlassen. Jeff lernte seinen Vater erst kurz vor dessen Tod kennen, als er eine knappe Woche mit ihm verbrachte. Mary Guibert, die auch zu den Produzenten von „It’s Never Over, Jeff Buckley“ gehört, wirkt denn auch als zentrale Figur einer seltsam verschobenen Familienaufstellung mit allerlei Leerstellen, die die Dokumentaristin Amy Berg („Janis: Little Girl Blue“) hier gewohnt materialreich vorlegt. „Gewohnt materialreich“, weil es längst nicht mehr erstaunt, was alles nicht nur dokumentiert, sondern auch archiviert worden ist.

Ab 1990 bestens dokumentiert

Neben den konventionellen Ausflügen in die Familienalben ist das Leben Jeff Buckleys spätestens ab dem Moment bestens dokumentiert, als er sich in der Downtown-Szene New Yorks um 1990 einen Ruf als Sänger und Songwriter erspielt. Fast immer scheint eine Kamera im Raum gewesen zu sein – und Jeff Buckley hat sie instinktiv bemerkt und kontaktiert. Was rückblickend etwas eitel rüberkommt. Bis zum ganz großen Durchbruch wird es noch ein paar Jahre dauern, aber die Zeit wird überbrückt durch Eindrücke von Zeitzeugen wie Mutter Mary, den Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser, ehemaligen Band-Kollegen wie Michael Tighe und Parker Kindred und anderen Musiker:innen wie Ben Harper und Aimee Mann, die allesamt Buckley als sensiblen, charmanten und hochtalentierten Musiker profilieren, der höchste Ansprüche an sich selbst stellte. Hinzu kommen noch reichlich Interviews, ergänzt, falls möglich oder nötig, durch Animationen und nicht zuletzt Aufzeichnungen von Anrufbeantwortern.

So rekonstruiert „It’s Never Over, Jeff Buckley“ eine Karriere mit Auftritten im kleinen Sin-é-Club im East Village in New York bis hin zu Auftritten in großen Arenen. In Zeiten von Grunge war Buckley mit seinen Vorlieben für Nina Simone, Edith Piaf oder Nusrat Fateh Ali Khan eher eine Art Gegenprogramm, allerdings hat Buckley auch eine Schwäche für die ganz große Rock-Pose. Befragt nach seinen wichtigsten musikalischen Einflüssen, antwortet er: „Liebe, Wut, Depression, Freude, Träume und Zeppelin“. Schließlich unterzeichnete Buckley einen Vertrag bei Columbia Records (Bob Dylan, Miles Davis, Johnny Cash, Billie Holiday – in dieser Liga glaubt er zu spielen) und veröffentlicht dort schließlich sein Debütalbum „Grace“ im August 1994. Ein Kritikererfolg. Nicht zuletzt, weil einige der Arrangements vom deutschen Jazz-Pionier Karl Berger besorgt wurden, dessen Arbeit im Film noch einmal entsprechend gewürdigt wird.

Eine Erfolgs- und eine Geistergeschichte

So erzählt „It’s Never Over, Jeff Buckley“ einerseits eine Erfolgsgeschichte, andererseits aber auch eine Geistergeschichte. Zeit seines Lebens hat der Sohn versucht, dem übermächtigen Schatten seines Vaters zu entkommen, wollte aus eigener Kraft seinem Talent genügen. Trotzdem war es ein Tribute-Konzert für Tim Buckley im Jahre 1991, das Jeff einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte. Befragt, was er denn von seinem Vater geerbt habe, antwortet der Sohn: „Leute, die sich an meinen Vater erinnern.“ Die Musik seines Vaters nahm er zur Kenntnis, hielt sie aber auf Distanz, lehnte Vergleiche ab. Erst nach einer Stunde erlaubt sich der Film die akustische Erinnerung an die Aufführung von „Hallelujah“, die wohl am engsten mit dem Namen Jeff Buckley verbunden ist. Obwohl seine Cover-Version einer Leonard-Cohen-Komposition ihrerseits Bezug nimmt auf eine frühere Interpretation des Songs durch John Cale.

Dann folgt auch schon das Ende des Traums: Nach intensiven Touren drängt das Label auf ein zweites Album. Buckley zieht nach Memphis, arbeitet an neuem Material und verunglückt dann kurz vor den anberaumten Aufnahmen am 29. Mai 1997 bei einem spontanen Bad im Wolf River, in dem aufgrund der Strömung und des Schiffsverkehrs nicht gebadet werden sollte. Ein Badeunfall aus Leichtsinn. Als die Leiche Tage später gefunden wird, heißt es: Keine Drogen im Spiel. Auch Selbstmord wird ausgeschlossen. Der Film hält sich bedeckt, sammelt aber eine Reihe von recht pathetischen Aussagen Buckleys, die sich wie Abschiede anhören. Einmal gefragt, wo er sich in zehn Jahre sehe, antwortet er, er sehe sich nicht. Der letzte Anruf bei der Mutter, aufgezeichnet vom Anrufbeantworter. Die Musik dazu: „I shall be released“.

Es bleibt die Einsicht, dass 27 Jahre Erfahrungen in „Grace“ eingeflossen sind. Wie funktioniert danach das zweite Album? Skizzenhaft, wie es vorlag, wurde es von der Mutter posthum veröffentlicht. Hier wird es auch im Film spekulativ.

Veröffentlicht auf filmdienst.deIt's Never Over, Jeff BuckleyVon: Ulrich Kriest (18.12.2026)
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