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Johannes und das Licht der Welt

91 minDrama, Animation, FantasyFSK 6
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Wir schreiben das Jahr 30 n. Chr. und alle warten gespannt auf den kommenden Messias. Obwohl Jesus nicht ganz so ist, wie sie ihn sich vorgestellt haben, hat dieser Mann etwas Besonderes an sich. Bald folgen Johannes, Jakobus, Andreas, Petrus und andere Jesus auf ein unerwartetes Abenteuer. Diese wunderschön animierte Geschichte von Jesus wird aus der Sicht seines geliebten jungen Freundes, des Apostels Johannes, erzählt.
Johannes und das Licht der Welt ist ein handgezeichneter 2D-Animationsfilm, der das Leben Jesu aus der Perspektive des jungen Apostels Johannes erzählt. Der Film verbindet klassische Animationskunst mit einer emotionalen Coming-of-Age-Geschichte und richtet sich an Familien, Gemeinden und ein breites, kulturinteressiertes Publikum.

Am Anfang steht ein Zitat aus dem Johannesevangelium (Joh 3.16): „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Schon damit ist für das Publikum deutlich, dass im Folgenden die Geschichte von Jesus Christus als Erlöser der Welt dargeboten wird. Der Animationsfilm „Johannes und das Licht der Welt“ zielt auf den Glauben der Menschen, will diesen wecken oder bestärken.

Die Handlung setzt am Abend in einem Wohnhaus in Judäa ein, eine Mutter erzählt ihren beiden kleinen Söhnen, wie alles begann. Die Schöpfung in sechs Tagen, das Verbot, von der Frucht des Baumes zu essen, und die Vertreibung aus dem „perfekten Garten“ in eine „sterbende Welt“. Der jüngere der beiden Brüder, Johannes, bekommt Angst vor der Dunkelheit, die in der Welt herrscht. Die Mutter springt in ihrer Erzählung zur Erscheinung des Retters, des Messias, der erneut das Licht Gottes in die Welt tragen wird. Sie habe sogar gehört, es sei jetzt so weit, ein heller Stern sei gesehen worden. Der Vater geht dazwischen und möchte die Realität beachtet wissen: Das Leben sei harte Arbeit und Rom dürfe man nicht provozieren.

Das Evangelium durch die Augen eines Heranwachsenden

Der Film in klassischer 2D-Animation macht mit diesem Beginn keinen Hehl aus seiner Absicht: Das Evangelium von Jesus Christus soll verkündet werden und nicht eine, sondern die Geschichte von der Erlösung der Menschen wird erzählt werden. Zugleich wird aber auch eine Coming-of-Age-Handlung in Gang gesetzt. Was werden dieser Johannes und sein Bruder Jakobus noch erleben? Wem werden sie begegnen? Die Mutter besteht darauf, dass der Messias kommen und er das Licht der Welt sein werde. Ein Prolog, der Themen und Stimmung setzt, bevor der Filmtitel erscheint.

Die Handlung springt einige Jahre in die Zukunft. Johannes ist nun 13 Jahre alt, sein Bruder Jakobus ist fast erwachsen. In der Nachbarschaft leben Petrus und sein Bruder Andreas, beide Familien arbeiten als Fischer und leiden unter der Steuerlast Roms. Während Johannes versucht, sich für die Familie nützlich zu machen und mit Fischen zum Markt aufbricht, will Andreas den Gerüchten nachgehen, der Messias sei gesehen worden.

Dadurch dass die Filmemacher Johannes, der in der Bibel zusammen mit seinem Bruder Jakobus als einer der ersten Jünger Jesu genannt wird, als Dreizehnjährigen auftreten lassen, sieht man als Zuschauer die Ereignisse durch die Augen eines neugierigen Heranwachsenden. Er will dabei sein, stellt Fragen und durchlebt intensive Emotionen, die für dieses Alter typisch sind – von absoluter Begeisterung bis zu völliger Enttäuschung. Im Mittelpunkt der Erlebnisse stehen die Wundertaten Jesu, wenngleich Johannes’ erste Begegnung auf dem Markt völlig unspektakulär erfolgt, denn Jesus ist als Zimmermann tätig.

Raum für das Staunen im Alltag

Eine kritische Auseinandersetzung oder auch nur die Darstellung eines Jesus, die kontroverse Reaktionen hervorrufen könnte, liegt zu keiner Zeit in der Absicht der Filmmacher. Die Wunder werden zwar mit großem Soundtrack und auch spektakulär in Szene gesetzt, zum Beispiel der Sturm auf dem See zusammen mit Jesu Gang auf dem Wasser, aber es bleibt auch genug Raum für das Staunen im Alltag: Bei der Hochzeit zu Kana schleicht sich Johannes als Aushilfe ein, und die Heilung eines Blinden geschieht fast beiläufig. Ein Junge, der sich noch zwischen Kind- und Erwachsensein befindet und immer wieder die Nähe seiner Eltern sucht, nimmt die Erlebnisse auf seine Weise wahr und lernt durch seine Beobachtung. Aussagen und Reden Jesu sind daher wenig zu finden und nur das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist zu hören und zu sehen.

Die Passionserzählung, also Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu, werden düster und auch mit einer angemessenen Härte erzählt, aber nicht so, dass jüngere Zuschauer überfordert wären. Die Animation bietet Einfühlung und Johannes als (kindlicher) Beobachter lenkt den Blick weg von Gewalt und Tod hin zur Sehnsucht nach Freundschaft, Rettung und Neuanfang.

Trotz mancher Klischees, wie die Darstellung des Hohenpriesters als böser Gegenspieler, der von Beginn an gegen Jesus arbeitet, wird die traditionelle Überlieferung nicht überstrapaziert. Maria Magdalena wird von Krankheiten geheilt, ist aber keineswegs eine Ehebrecherin, sie ist auch diejenige, die das leere Grab entdeckt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen erfolgt beim Fischen und der wunderbare Fischfang des Anfangs wiederholt sich. Petrus tritt unter den Jüngern deutlich hervor, aber der Junge Johannes bleibt bis zur letzten Szene der Wortführer und die zentrale Identifikationsfigur. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Gebet „Licht der Welt“, welches wohl einen Anfangskern der gesamten Filmentstehung darstellt. Der Bekenntnischarakter, der dem Film vorangestellt war, wird auf diese Weise Teil des Films selbst.

Durch die jugendliche Hauptfigur geschieht dies aber weniger aufdringlich als in vergleichbaren Produktionen wie dem Animationsfilm „König der Könige“ oder der Serie „The Chosen“, die viel mehr den Mustern des Faith-Based-Movies verhaftet sind. Die katechetische Absicht in „Johannes und das Licht der Welt“ drängt nicht so sehr in den Vordergrund und ist nur in manchem Frage-Antwort-Dialog übermächtig, wie zum Beispiel in der humorvoll gezeichneten Begegnung des Jungen Johannes mit Johannes dem Täufer, der wie eine Kreuzung aus Robinson Crusoe und Freitag mit einem Schuss Catweazle wirkt.

Einflüsse von Disney-Filmen der 1990er-Jahre

Die Handschrift von Ex-Disney-Animator Tom Bancroft, der unter anderem an der Entstehung der Filme „Aladdin“ und „Mulan“ beteiligt war und hier die Regie übernommen hat, ist deutlich erkennbar. Der junge Johannes hat viel vom Wesen des draufgängerischen Aladdin im gleichnamigen Disney-Film. Das geringere Budget im Vergleich zu Disney-Produktionen ist „Johannes und das Licht der Welt“ jedoch deutlich anzumerken. Manche Settings oder Szenen wirken eher wie in einer Fernsehserie. Die Ähnlichkeit der Figuren und der Erzählhaltung zur mittlerweile 28 Jahre alten Dreamworks-Produktion „Der Prinz von Ägypten“ ist deutlich größer und damit auch ein gewisser vergangener Charme. Dazu passt die Aussage von Tom Bancroft: „Wenn Disney in den 1990er-Jahren einen Film über das Leben Jesu gemacht hätte, dann wäre es dieser.“

Die Vertreter der Parable Studios, die den Film in Deutschland in die Kinos bringen, weisen darauf hin, dass Jesus im Film nicht die klassische Hauptfigur ist, sondern durch Beziehung, Nähe und Freundschaft erfahrbar wird. Diese Perspektive, so heißt es weiter, verleihe der bekannten Geschichte neue Glaubwürdigkeit und Zugänglichkeit – ohne Pathos, ohne Predigtton, aber mit großer erzählerischer Klarheit. Predigtton und Pathos sind im Film zwar sehr wohl zu finden, bilden aber nicht die Grundstimmung, so wie es in „König der Könige“ viel stärker der Fall war.

„Johannes und das Licht der Welt“ ist ein Film für die ganze Familie und bietet in kaum 90 Minuten genug Unterhaltung, sodass die klare missionarische Absicht der Rezeption des Films nicht im Weg steht. Sicherlich muss die Botschaft, dass es um die Nachfolge Jesu geht, als positive Herausforderung angenommen werden, aber die Figur Johannes und sein unbefangener Blick auf die Welt machen es einem da leicht.

Veröffentlicht auf filmdienst.deJohannes und das Licht der WeltVon: Martin Ostermann (9.3.2026)
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