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Joy - Alles außer gewöhnlich

76 minDrama, BiographieFSK 12
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Der Film ist die aufregende Geschichte von Joy, die ein Geschäftsimperium aufbaut und als Matriarchin leitet. In dieser intensiven, hochemotionalen und vor allem sehr menschlichen Komödie zeichnen Verrat, Vertrauensmissbrauch, der Verlust von Unschuld und verletzte Liebe Joys Lebensweg zum wahren Familienoberhaupt und zur Chefin ihres Unternehmens, mit dem sie sich in einer gnadenlosen Geschäftswelt erfolgreich behauptet. Während Joys innere Stärke und wilde Vorstellungskraft sie durch schwere Zeiten tragen, werden Verbündete zu Kontrahenten und Gegner zu Verbündeten - sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie.
  • Veröffentlichung31.12.2015
  • David O. Russell
  • Vereinigte Staaten (2015)
  • 6/10 (83495) Stimmen

To dream the impossible dream! Basierend auf der wahren Geschichte einiger wagemutiger Frauen, darunter derjenigen von Joy Mangano, die mit ihrer Erfindung des „Miracle Mop“ zu Ansehen und Reichtum gelangte. In seinem neuen Film, einer Mischung aus Märchen und Soap Opera, stimmt David O. Russell eine Hymne auf Durchsetzungskraft und Ehrlichkeit an, die allerdings nur bedingt überzeugt, weil sich die Inszenierung nicht so recht entscheiden kann, was sie denn nun eigentlich erzählen will. Und folglich jedem Einfall folgt. Kommentiert wird der Film aus dem Off von Joys Großmutter Mimi, gegen Ende sogar aus dem Jenseits. Irgendwo in den USA, irgendwann in den 1980er- oder 1990er-Jahren, Arbeitermilieu. Die kleine Joy ist ein aufgewecktes und kreatives Kind, ihre fantasievollen Basteleien faszinieren Familie und Freunde. Schon früh weiß sie, dass sie in ihrem Leben nicht auf einen Prinzen warten will. Doch ihr Talent wird durch die Anforderungen verschüttet, die ihre exzentrische bis zerrüttete Familie an sie stellt. Ihre Eltern lassen sich scheiden, ihre Mutter verlässt das Bett nicht mehr. Sie ist ganz in die Welt der Daily Soaps abgetaucht, in die sich die überforderte, am Rande des Nervenzusammenbruchs agierende Joy manchmal auch hineinträumt. Vater Rudy ist ein Schwerenöter, der sich neue Partnerinnen via Telefonagentur zuführen lässt. Gerade wird er von seiner nächsten Ex bei Joy abgeliefert und muss zu Joys Ex-Ehemann, einem Sänger aus Venezuela, in den Keller ziehen. In der ersten Hälfte entwickelt die Komödie einer dysfunktionalen Familie einen regelrechten Sog: die Figurenzeichnung ist schräg und over the top, die Kamera wandert permanent und höchst elegant umher und die Filmmusik mit Stücken wie „I Feel Free“ von Cream, „The Sidewinder“ von Lee Morgan, „To Love Somebody“ von den Bee Gees oder „Mama Told Me Not To Come“, gesungen von Joys Ex-Mann Tony (gespielt von Edgar Ramirez), treibt die Handlung gleichzeitig voran und kommentiert sie wie bei Martin Scorsese. Während die völlig überforderte Joy also rasant auf einen Zusammenbruch zusteuert, während ihre Ehe mit Tony scheitert und sie ihren Job verliert, jongliert der Film grandios mit Flashbacks, kommentierenden Kamerabewegungen und Traumsequenzen, die ihn fast schon zur Farce werden lassen. Nach ihrem Zusammenbruch entwirft Joy mit leichter Hand und der Kreide ihrer Tochter einen revolutionären Wischmopp, der es erlaubt, den Boden zu wischen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Aus der Erfinderin wird eine Geschäftsfrau, die dann gewissermaßen im Schnelldurchlauf allerlei Lektionen in Sachen Kapitalismus zu lernen hat: vom Kreditwesen über das Patentrecht bis hin zum Marketing und zur Distribution. Unglaubliche Hindernisse behindern Joys Aufstieg von der arbeitslosen Hausfrau zur Firmenchefin, doch Joy meistert alles mit Gottvertrauen und Durchsetzungskraft, während der Film allmählich seinen Humor verliert und sich stattdessen in einem skurrilen Retro-Reenactment hinter den Kulissen des Verkaufssenders QVC verliert. „Joy – Alles Außer Gewöhnlich“ mutiert dabei von der Familienfarce im Retro-Chic zu einer Variante von „Erin Brockovich“ (fd 34 174) mit realistischen Einschüssen von Intrigen, Schikanen, Betrug und Eigensinn, die die Protagonistin in den Bankrott und ihrer niedlichen Tochter die Schamesröte ins Gesicht treiben. Am Schluss ist aus Joy trotzdem eine abgebrühte Matriarchin geworden, ausgestattet mit der Autorität des Erfolgs, die ihr noch abging, als sie von allen Familienmitgliedern ausgenutzt wurde. Kann man das feministisch nennen? Geerdet durch die immer etwas prollige Präsenz von Jennifer Lawrence mit ihrem Mut zur leicht müffelnden Erschöpfung, ausgestattet mit einem illustren Star-Ensemble gut aufgelegter Schauspieler von Robert De Niro über eine entweder schlecht gealterte oder boshaft gestylte Isabella Rossellini, Diane Ladd und Virginia Madsen bis hin zum unvermeidlichen Bradley Cooper als Fernsehproduzenten kann die höchst professionelle, aber etwas unausgegorene Machart des Films dann doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Biopic über die Erfinderin eines revolutionären Wischmopps letztlich nicht hinreicht, um einen Kinoabend angemessen zu füllen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deJoy - Alles außer gewöhnlichVon: Ulrich Kriest (5.8.2026)
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