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Juliet, Naked

97 minDrama, Komödie, MusikFSK 0
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Tucker Crowe: Der Name des geheimnisvollen Rockstars ist das Einzige, was in der leidenschaftslosen Beziehung von Annie (Rose Byrne) und Duncan (Chris O'Dowd) noch für Zündstoff sorgt. 20 Jahre ist es her, dass der gefeierte Musiker (Ethan Hawke) seine letzte Platte veröffentlichte. Im Gegensatz zu dem fanatischen Tucker Crowe-Fan Duncan verreißt Annie dessen neues Album "Juliet, Naked" in einem Online-Forum - und bekommt plötzlich Post von Tucker Crowe höchstpersönlich... (Text: Verleih)
Annie (Rose Byrne) führt eine eher farblose Beziehung mit ihrem Freund Duncan (Chris O'Dowd), der vielleicht kein leidenschaftlicher Freund, dafür aber ein leidenschaftlicher Fan des einst sehr erfolgreichen Singer-Songwriters Tucker Crowe (Ethan Hawke) ist. Annie kann wenig mit diesem Hype anfangen, kommt aber durch ihre Kritik seines neusten Albums trotzdem unerwarteter Weise persönlich mit ihm in Kontakt ... und verliebt sich entgegen aller Vorurteile in den Mann, den ihr Freund so sehr verehrt.

Der Titel des Films führt in die Irre, und er tut es mit Bedacht. Dennoch folgt man der Geschichte einer Midlife-Krise mit Vergnügen, in der sich „Juliet, Naked“ als Titel eines fiktiven Songalbums entpuppt, dessen plötzliches Auftauchen im Dasein eines der „Szene“ nie ganz entwachsenen Akademikerpaars eine Menge Verwirrung anrichtet.

Die in der Vergangenheit angesiedelte, aber keineswegs unzeitgemäß wirkende Story beruht auf einem Roman von Nick Hornby, der durch seine ebenfalls verfilmten Bücher „Fever Pitch“, „High Fidelity“ und „About a Boy“ oder durch seine Adaptionen von „An Education“ und „Brooklyn“ bekannt wurde. Hornbys Schreibe eignet sich vorzüglich für filmische Umsetzungen, solange ein Regisseur am Werk ist, der Gespür für seinen unalltäglichen und doch den Alltag so treffend registrierenden Stil besitzt. Der US-Regisseur Jesse Peretz besitzt diese Begabung, auch wenn er den Beginn der Geschichte etwas über Gebühr auswalzt.

Annie ist Kuratorin eines zuvor von ihrem Vater betreuten Provinzmuseums in einer englischen Küstenstadt; Duncan, seit 15 Jahren Annies Lebenspartner, gibt Filmkurse an der örtlichen Universität. Sie leben immer noch zusammen, aber nicht immer auf der gleichen kommunikativen Ebene. Längst haben sie bedingungslose Liebe für bedingte Zuneigung eingetauscht, wie es einmal im Film heißt. Dazu hat nicht zuletzt Duncans obsessive Verehrung eines Rocksängers namens Tucker Crowe beigetragen, dessen Album „Juliet, Naked“ er für eine der größten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation hält.

„Juliet, Naked“ ist das unausgesprochene – und manchmal auch ausgesprochene – Symbol für alles, was im Zusammenleben von Duncan und Annie schief läuft. Es ist deshalb kein Wunder, dass die brüchige Verbindung der beiden noch mehr aus dem Lot kommt, als mit der Post ein leibhaftiges Exemplar des historischen Songalbums eintrifft und Duncan an den Rand der Hysterie versetzt. In ihrem verständlichen Zorn postet Annie einen Verriss des Albums auf Duncans Fan-Webseite, ohne zu ahnen, dass dies ausgerechnet den Ex-Rockmusiker Crowe auf den Plan rufen würde, der in persona in ihr Leben tritt.

Tucker Crowe, erfährt man nun, hat ein paar Jahrzehnte lang ein wenig verantwortungsvolles Leben geführt. Er hat mehrere Kinder mit ebenso vielen Frauen und lebt derzeit mit einem sechsjährigen Sohn in der Garage hinter dem Haus einer Ex-Geliebten. Als Crowe und Sohn in England auftauchen, dauert es nicht lange, bis sich das Blatt in Annies und Duncans Leben wendet. Nun ist es Annie, die sich für den angegrauten Ex-Rocker interessiert, während Duncans grenzenlose Bewunderung einer harten Probe ausgesetzt wird.

Dass es den Produzenten des Films gelungen ist, Ethan Hawke für die Rolle des Tucker Crowe zu verpflichten, stellt sich schon bald als großer Glücksfall heraus. Nicht, dass Rose Byrne und Chris O’Dowd ihren Rollen nicht gewachsen wären, aber es ist Hawke, der Schwung in die Geschichte bringt und die von Anfang an vorhandene ironische Unterfütterung an die Oberfläche hievt. Wieder einmal darf man sich über Hawkes Wandlungsfähigkeit wundern. Seine Fähigkeit, eine Story an sich zu reißen und eine Figur in wenigen Minuten glaubhaft zu machen, die eine ganze Generation verkörpert, ist mindestens genauso erstaunlich wie Duncans Verehrung eines Songs, der nach dem Willen seines Komponisten die Gefühle einer längst in Nostalgie verpackten Epoche spiegeln soll.

Veröffentlicht auf filmdienst.deJuliet, NakedVon: Franz Everschor (2.4.2026)
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