




- Veröffentlichung18.12.2025
- RegieAnissa Bonnefont
- ProduktionFrankreich (2025)
Vorstellungen
Filmkritik
Die Mailänder Scala gilt als eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt. 1778 wurde es mit einer Oper von Antonio Salieri eröffnet, in späteren Jahrhunderten wurden Werke von Giuseppe Verdi, darunter „La forza del destino“, „Nabucco“, „Otello“ oder „Falstaff“ uraufgeführt. Größen wie Maria Callas, Montserrat Caballé oder Mirella Freni sowie Aurelio Pertile, Luciano Pavarotti oder Plácido Domingo schrieben an diesem Ort ebenso Aufführungsgeschichte wie die legendären Dirigenten Arturo Toscanini, Tullio Serafin oder Riccardo Muti.
Bis zur „Inaugurazione“
Die französische Regisseurin Anissa Bonnefont hat sich für ihren Dokumentarfilm über die Scala aber weniger mit der Geschichte des Hauses beschäftigt als mit dem Ereignis, das Jahr für Jahr zu den wichtigsten Kulturereignissen in Italien zählt: der „Inaugurazione“, der ersten Premiere der Saison, die seit dem Jahr 1951 traditionell am 7. Dezember, dem Namenstag des Stadtheiligen Ambrosius, stattfindet. Drei Monate lang begleiteten Bonnefont und ihr Kamerateam 2024 dafür die Vorbereitungen von Verdis „La forza del destino“.
Aufnahmen von den Proben, versehen mit einem Countdown der verbleibenden Tage bis zur Premiere, strukturieren den Film und geben ihm einen roten Faden. Facettenreiche Impressionen auf und hinter der Bühne vermitteln den großen Aufwand, der für das Spektakel betrieben wird, an dem über 900 Künstler mitwirken. Die Auswahl und die Dramaturgie dieser Momentaufnahmen wirken allerdings recht beliebig, wenn kurze Blicke auf das Geschehen auf der Bühne übergangslos mit profanen Beobachtungen in den Werkstätten von Kostümen und Kulissen wechseln. Als problematisch erweist sich dabei auch die Entscheidung, komplett auf Interviews mit den Mitwirkenden zu verzichten, zumal die temporeiche Produktion aufgrund überwiegend kurzer Einstellungen wie ein einziger langer Trailer anmutet.
Näher an der Gegenwart
Besonders Opernkenner werden enttäuscht sein, dass keiner der Künstler zu Wort kommt, weder der Dirigent und scheidende musikalische Direktor der Scala, Riccardo Chailly, noch die Sänger, unter denen an prominentester Stelle die Sopranistin Anna Netrebko herausragt, von der zudem wenig zu hören und zu sehen ist, obwohl sie mit ihrer fulminanten finalen Szene vom Publikum gefeiert wurde. Musikalische Laien, die mit der Handlung der Oper weniger vertraut sind, erfahren nicht einmal, worum es in dem Musikdrama eigentlich geht, außer dass es in Kriegszeiten spielt und von Regisseur Leo Muscato näher an die Gegenwart herangeholt wird. Der Film wird auf Dauer überdies ermüdend, da nicht alle Details interessieren und sich manches wiederholt.
Offen bleibt, was die Sänger und Musiker oder den Dirigenten an dem Stück interessiert. Worin liegen die Herausforderungen? Welche Gedanken hat sich Leo Muscato zu seiner Inszenierung gemacht? Oder was reizt Netrebko an dieser Produktion, wie nähert sie sich ihrer Rolle? Solche spannenden Fragen ignoriert der Film ebenso wie einen kurzen Überblick über die Geschichte des Hauses. „La Scala – Die Macht des Schicksals“ verschenkt damit das Potenzial, eines der berühmtesten Opernhäuser beispielhaft eingehender und informativer vorzustellen. Es bleibt bei einem flüchtigen Einblick hinter die Kulissen. Für eine Hommage an das Haus, die sich die Regisseurin vorstellte, ist das zu wenig.
