Vorstellungen
Filmkritik
Mit der Liebe ist das so eine Sache. Saira, die Tochter der Königin von Clitopolis, ist in Tränen aufgelöst, weil sie einfach nicht verstehen kann, dass ihre große Liebe Kiki nichts mehr von ihr wissen will. Als Kopfgeldjägerin hat Kiki einfach keine Vorstellung von einer „innigen Langzeitbeziehung“, und der lieben Prinzessin ist es nicht gegeben, die abenteuerlustige Streunerin auf dem behüteten Lesbierinnen-Planeten zu halten. Doch außerhalb des queeren Weltraums herrschen raue Sitten. Zum Beispiel lauern dort die „Straight White Maliens“, die das rein weibliche Zusammenleben ablehnen. Da sich partout kein weibliches Wesen zu ihnen gesellen will, haben sie das neueste Modell des intergalaktischen „Vögel“-Magneten bestellt, das bislang aber nur Federvieh anzuziehen vermag. Was ihnen fehlt, ist ein Exemplar des weiblichen „Labrys“, das in Form einer prächtigen Doppelaxt im Besitz der Prinzessin vermutet wird.
Aus diesem Grund entführen die frustrierten Weltraum-Machos Kiki, um darüber das Wunderwerkzeug ihrer Geliebten zu erpressen. Das Problem dabei aber ist, dass Saira noch nicht reif genug ist, um ein solches „Labrys“ zu produzieren. Doch so kopflos, wie sie ist, macht sie sich in einem sprechenden Raumgleiter mit ziemlich homophoben Ansichten auf den Weg in die Hetero-Galaxis, um Kiki zu befreien und als Heldin vielleicht auch deren Gunst zurückzugewinnen.
Schlichter Zeichenstil, hohe Kreativität
Das ist die Ausgangslage des von Leela Varghese und Emma Hough Hobbs verantworteten Drehbuchs, das die beiden australischen Filmemacherinnen in einen höchst originellen Animationsfilm transformieren. Mit wenig Budget und einem eigenwillig schlichten Zeichenstil schicken sie sich an, eine große „inter-gay-laktische“ Space-Odyssee zu inszenieren. Dazu braucht es keine teure Computeranimation, flippige 3D-Bilder oder hippe Popsongs wie bei „KPop Demon Hunters“, sondern schlicht ein Zeichenprogramm für den heimischen Laptop, ein Handbuch der Marke „Animation für Dummies“ und ein Keyboard für den Singsang zum Gemalten.
Spaß, Kreativität sowie die Gabe, durch aberwitzige, aber sinnstiftende Volten eine kleine Geschichte „episch“ zu entfalten, führen dazu, dass die Erlebnisse der „Lesbian Space Princess“ zu einem unterhaltsamen Abenteuer werden. Das kommt zudem mit mehr Tiefgang als viele Hollywood-Animationen daher, die schon im Vorspann mehr Geld verpulvern als die Australierinnen für 86 vergnügliche Minuten.
Der Film ist nicht ganz jugendfrei, auch wenn hier mit der Lust als Gemütszustand erfrischend unverkrampft umgegangen wird. Die „Straight White Maliens“ sind hingegen nichts weiter als weiße Papierschnipsel mit Augen und Ärmchen. Mehr braucht es nicht, um zu zeigen, wie eindimensional manche Ansichten von der Welt sein können. Natürlich entwickelt „Lesbian Space Princess“ durchaus auch Sympathien für nichtweibliche Kombattanten. Und der abgewrackte Raumgleiter ist immer ziemlich männlich, ohne den in diesem Abenteuer nichts geht. Zudem hat man selbst mit den Papierschnipseln durchaus Mitleid; immerhin sind es auch nur Menschen.
Die Schwierigkeit, einen Platz zu finden
So entfaltet sich die Geschichte alles andere als eindimensional. Spätestens wenn Saira auf ihrer planlosen Suche nach Erleuchtung, dem „Labrys“ und ihrer wahren Liebe auf Bardin Willow trifft, wird klar, dass es den Macherinnen nicht um eine feministische Kampfansage an die Männer geht. Vielmehr treibt sie schlicht die Schwierigkeit um, in einer komplizierten Welt einen halbwegs annehmbaren Platz zu finden. In vielen romantischen Komödien würden die naive Prinzessin und die Vagabundin das perfekte Paar abgeben, das alle Gefahren meistert und zeigt, dass Nerds oft die besseren Menschen sind.
Doch „Lesbian Space Princess“ geht einen eigenen Weg. Zwar erhalten auch hier die „Bösen“ am Ende ihre Lektion und das „hässliche Entlein“ wird zum Schwan. Doch wichtiger als ein Happy End in Zweisamkeit ist die Erkenntnis, dass man sich zunächst einmal selbst lieben muss, bevor man andere lieben kann. Nicht der Partner macht ein Teil zum Ganzen, sondern man selbst. „Lesbian Space Princess“ wirbt damit für ein gesundes Selbstbewusstsein, jenseits aller sexuellen Präferenzen.









