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Filmkritik
18 Jahre ist es bereits her, dass mit der französischen Komödie „LOL“, Chatroom- und SMS-Akronym für „Laughing Out Loud“, eine Komödie in die Kinos kam, in der Laptop, Handy und MP3-Player – seinerzeit alle noch recht neu – unter den Jugendlichen für rasche und unmittelbare Kommunikation sorgten. Die Erwachsenen schloss das mit ihrem altmodischen Kommunikationsverhalten zwangsläufig aus, der Generationskonflikt schien unüberwindlich. Das Schöne damals: Sophie Marceau schlug in der Rolle der geplagten Mutter die Brücke zu ihren eigenen Jugendfilmen, „La Boum - Die Fete“ (1980) und „La Boum 2 - Die Fete geht weiter“ (1982). Es machte einfach Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie nun die Probleme des Heranwachsens von der anderen Seite betrachtete, während die Liebeshändel von Mutter und Tochter sich auffallend spiegelten.
Noch einmal ein enormer Schritt nach vorn
Nun fragt man sich unwillkürlich, wo die Figuren nach so langer Zeit stehen mögen. „LOL 2.0“ beginnt mit vielen schnellen, gleichzeitig über die Leinwand verteilten Ausschnitten aus Tik-Tok-Videos und WhatsApp-Chats. Willkommen in der neuen Welt, die Kommunikationstechnik hat noch einmal einen enormen Schritt nach vorn getan. Lola, Titelfigur des ersten Teils, wurde etwas lieblos zum Bäumepflanzen nach Costa Rica abgeschoben, nun steht ihre jüngere Schwester Louise (Thaïs Alessandrin war schon als Zehnjährige im Vorgänger dabei) im Mittelpunkt der Erzählung. Bereits zu Anfang des Films scheitert sie mit einem Start-up-Unternehmen und kehrt reumütig nach Hause zur Mutter (wieder von Sophie Marceau gespielt) zurück. Sich vom Elternhaus zu lösen, bedarf immer noch einer großen Anstrengung. Um Geld zu verdienen, heuert sie als Kellnerin in einem Restaurant an, ein beruflicher Rückschritt, zudem mit viel Frust verbunden: Der Besitzer schikaniert sie, in einer übertriebenen Dramatisierung, wo er nur kann.
Anne hingegen leitet ein Architekturbüro, muss mit ihren 55 Jahren allerdings die Erfahrung machen, dass ihr der Generationswechsel und die wachsende Konkurrenz beruflich schwer zu schaffen machen. Zu allem Überfluss eröffnet ihr Sohn Théo, dass seine Frau schwanger ist. Ergo: Anne wird bald Oma.
Die Idee des Tagebuchs taucht wieder auf
Eltern werden älter, das Berufsleben geht zu Ende – ein Thema, das im internationalen Kino immer wichtiger zu werden scheint, wie kürzlich auch die deutsche Komödie „Die Ältern“ bewies. Doch für die filmische Aufbereitung ist entscheidend, wie interessant die Figuren eigentlich sind. Während Louises Vater eine Freundin von ihr heiratet, die Gattin also seine Tochter sein könnte, lässt sich Anne wie ein verliebter Teenager von einer Zufallsbekanntschaft umständlich den Hof machen. Doch der Zauber und die Leichtigkeit des ersten Teils sind dahin, daran kann auch Sophie Marceau nichts ändern. Nun taucht die Idee des Tagebuchs noch einmal auf, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen, weil die Tochter heimlich bei der Mutter spioniert, wieder kommt es zum Eklat.
Sehr originell und einfallsreich sind diese Doppelungen nicht. Louises kunterbunter Freundeskreis bringt so etwas wie Lebensfreude ins schematisierte Geschehen, doch ausgerechnet Maël, der im ersten Teil in Lola verliebt war, ist vor einigen Jahren leichtsinnigerweise von einer Mauer gesprungen und sitzt seitdem im Rollstuhl. Ein absurder Drehbucheinfall, der die Figur desavouiert. Dazu passt auch der Moment, in dem die Figuren bei einer Party unwissentlich eine Hasch-Schokolade verzehren – mit absehbaren Folgen. Sehr originell und einfallsreich ist auch diese Szene nicht.
Der Verlust liebgewonnener Einrichtungen
„Früher waren die Cafés wie in einem Film von Claude Sautet“, sagt einmal eine Freundin von Anne bei einem Besuch in einem modernen Coffee-Shop amerikanischen Zuschnitts. Was für ein schöner Satz, zumal man das leise Bedauern über den Verlust liebgewonnener Einrichtungen so gut nachempfinden kann. Doch das abgenutzte Klischee mit der viel zu großen Auswahl an Kaffeesorten und Zutaten, die einem zu viele Entscheidungen abverlangen, und der betont gelangweilten Bedienung macht dieses Bonmot gleich wieder kaputt. So geht es einem als Zuschauer mit dem gesamten Film.









