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LOTTE UND TOTTE

62 minAnimation, FamilieFSK 0
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Lotte (4) zieht mit ihren Eltern aufs Land. Sie vermisst ihre Freund:innen und das Hochhaus, das ihr Zuhause war. Der Babybruder schreit und darf Dinge, die Lotte nicht darf. Könnten sie ihn doch nur weggeben und zurück in die Stadt ziehen! Doch dann trifft Lotte Totte, der mit seiner lustigen Oma im Nachbarhaus lebt. Gemeinsam backen sie Kuchen und erleben kleine Abenteuer mit Tottes Katze im Garten oder am Strand. Bis eines Tages ein Spiel im Streit endet. Lotte muss einen Weg finden, ihren neuen besten Freund zurückzugewinnen.

Es ist, und dafür gibt es zahlreiche Gründe, gar nicht so einfach, Kinderfilme fürs Vorschul- und Kindergartenalter ins Kino zu bringen. Ein ganz banaler Grund dafür ist, dass das Publikum so klein ist – nicht im Sinne der Körpergröße, sondern schlicht in der Zahl. Denn Filme, die sich speziell an dieses Publikum richten, eignen sich vielleicht für die Altersgruppe zwischen vier und sechs Jahren – und so viele Zuschauer:innen sind das dann gar nicht. Wie viele Sitze, wie viele Vorstellungen kann man damit füllen? Zumal, wenn immer auch noch eine Begleitperson Zeit haben muss?

Es ist also nicht verwunderlich, aber auch ein wenig langweilig, dass die Filmwirtschaft sich lieber auf „Familienfilme“ konzentriert, die sich an ein breites Spektrum an Altersgruppen richtet. Wie schön also, wenn einmal ein Film wirklich in die Kinos kommt, der das Kindergartenpublikum auf Augenhöhe abholt. „Kommissar Gordon & Buffy“ war dafür ein herausragendes Beispiel, auch „Karlchen – Das große Geburtstagsabenteuer“, und jetzt eben „Lotte und Totte“.

Klar umrissene Figuren mit ausdrucksstarker Mimik

Die Geschichte davon, wie sich die zwei vierjährigen Titelfiguren kennenlernen, annähern, streiten und versöhnen, basiert auf einer Kinderbuch-Reihe der schwedischen Autorin und Illustratorin Gunilla Wolde; ihr reduzierter Zeichenstil findet sich hier in angepasster Weise auch in den von Christian Kuntz verantworteten Animationen wieder. Gemalte, manchmal fast getuschte Hintergründe, davor klar umrissene, einfache Figuren, die vor allem mit ausdrucksstarker und damit klar erkennbarer Mimik leuchten.

Lotte ist gerade in ein neues Haus gezogen und ist nicht besonders glücklich darüber. Vorher hatte sie – in einer Wohnung in einem Hochhaus in der Stadt, dem „großen Haus“ – aus ihrem Fenster einen direkten Blick auf den Spielplatz und wusste deshalb immer, ob ihre Freundinnen und Freunde gerade draußen spielen. Jetzt hängt im eigenen Garten nur eine olle Schaukel, und rundherum, da ist sie sicher, wohnen nur alte, langweilige Leute.

Allerdings ist die alte Dame nebenan gar nicht so langweilig (sie kann Karate!), und vor allem wohnt bei ihr auch noch ihr Enkel Totte, der sich mit Lotte sofort schon wegen des ähnlichen Namens gut verstehen will. Die beiden spielen miteinander, dank Totte traut sich Lotte am Strand nicht nur ins Wasser, sondern schaut mit Brille sogar unter die Wasseroberfläche. Aber dann macht sie einen Fehler und hat Angst, dass sie es mit ihrem neuen, „bestesten“ Freund verscherzt hat ...

Eine kleine Erschütterung der Welt

Es sind keine weltbewegenden Ängste und Sorgen, die dieses Mädchen umtreiben, aber ihre eigene Welt ist schon erschüttert. Alles ist neu, die Eltern kümmern sich mehr um den neugeborenen Bruder und ums neue Haus als um sie – und kaum findet sie einen neuen Freund, scheint auch das schon wieder verloren zu sein.

Eine Achterbahnfahrt der kindlichen Gefühle hat Regisseurin Mia Fridthjof in ihrem Debüt in altersgerecht sehr knappe 62 Minuten gepackt. Parallel ist dazu auch eine 16-teilige Serie entstanden, dieser episodenhafte Charakter findet sich auch im Film, dessen kleine Geschichten immer wieder durch kurze komische Einsprengsel über das romantische Werben zweier Katzen und die Freundschaft zwischen einem Marienkäfer und einer Schnecke unterbrochen werden.

Diese kurzen Abschnitte kommen der Wahrnehmung des angepeilten, sehr jungen Publikums entgegen. Zugleich erschafft der Film eine klare, übergreifende Geschichte und baut auch gehörig Spannung auf – das letzte Drittel dürfte für unerfahrene Kinobesucher:innen eine emotionale Herausforderung sein.

Lektionen für jung und alt

Vielleicht ist „Lotte und Totte“ hin und wieder ein wenig pädagogisch geraten: Das gemeinsame Kuchenbacken der beiden gerät zunächst zum Wettbewerb mit Streit (Tottes Großmutter lässt die beiden einfach gewähren), dann raufen sie sich aber ganz vorbildlich zusammen und backen doch gemeinsam. Da scheint doch manchmal der Zeigefinger ein wenig zu sehr und zu lehrreich gehoben zu sein.

Allerdings wird der nicht nur für die Kinder gehoben. Als Lotte bei einem Versuch, sich mit Totte zu versöhnen, einen dramatischen Unfall hat und sich (selbstverständlich nur leicht) verletzt, eilt der Vater mit ihr ins Krankenhaus – und redet der Ärztin vor lauter Überfürsorglichkeit permanent in die Arbeit, bis diese ihn sehr bestimmt in seine Schranken weist. Weil nämlich auch Eltern hier noch etwas lernen sollten: Dass Kinder sehr vieles auch schon selbst schaffen – oder man auch mal die Profis ihre Arbeit machen lassen sollte.

So ist „Lotte und Totte“ ein ganz wunderbarer Film für einen allerersten Kinobesuch, allerdings noch nicht allein. Dafür ist später noch genug Zeit und noch genug Kino da.

Veröffentlicht auf filmdienst.deLOTTE UND TOTTEVon: Rochus Wolff (25.11.2026)
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