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Filmkritik
Was immer Roman Polanski hat machen oder sagen wollen - er hat ein Shakespeare-Drama verfilmt, und zwar wort- und inhaltsgetreu (Kürzungen und Bearbeitungen sind geringer als bei jeder respektvollen Bühneninszenierung). So muß sein Film auch an Shakespeare gemessen werden. Diese Prüfung aber ergibt: Polanski hat Shakespeare verfehlt. Er inszenierte ein blutrünstiges Spektakel mit zahlreichen Abschlachtereien, nicht aber die Tragödie eines Mannes, der sich selbst zu verwirklichen suchte, den aber sein verführter Ehrgeiz in den Abgrund trieb. Nun war das Barocktheater durchaus nicht zimperlich und Shakespeare eben ein Barockdramatiker, bei dem es stets Leichen in Fülle gab. Aber diese Greuelszenen waren nie Selbstzweck - das unterschied Shakespeare von seinen Zeitgenossen. Polanski aber erfaßt nur die Oberfläche, das äußere Geschehen mit all seiner Phantastik, seiner Grausamkeit, seinem Spektakel. Und wo Shakespeare besonders straff konzipierte, da inszenierte Polanski zerdehnt, schleppend bis zur Langeweile. Bleibt also die Frage: Was kann Polanski an diesem Drama interessiert haben? Aus seinem bisherigen Werk ließe sich ableiten, daß es das Mitwirken der Hexen am Untergang Macbeth` war, also die enge Verbindung von Grausamkeit mit Spukhaftem, Überirdischem. Diesen Elementen wendet der Regisseur auch seine ganze Aufmerksamkeit zu. Er stellt die Hexen als abstoßend häßliche, triefäugige Vetteln dar, die in ihrer Höhle nackt um den Zauberkessel drängen - eine Szene wahrlich für starke Nerven. Das mörderische Paar läßt er von jungen Schauspielern darstellen. Nun ist prinzipiell durchaus nichts gegen diesen Bruch mit alter Bühnentradition zu sagen, die diese Rollen reifen Charakterdarstellern zuwies - aber alles gegen schauspielerische Unzulänglichkeit. Die beiden sind bestenfalls Typen - sie naiv-verworfenes Kindweib, er ratloser Bursche in verspäteter Adoleszenz -, aber sie vermögen das innere Drama, die Versuchung, die Entwicklung, die Gründe für ihr Verhalten nicht zu formen. Polanski gab ihnen keine Hilfe und so blieb die Tragödie ungespielt, nur die Schauerballade inszeniert. Optisch hat der Film freilich einiges zu bieten: satte Farben, wunderbare Landschaften, wilde Massenszenen - aber auch Blut und rollende Köpfe, klaffende Wunden, enthauptete Rümpfe. Auch eine Vergewaltigung muß hinein und Lady Macbeth nackt durch die Nacht geistern. Zeugnisse für einen ungezügelten Geist.










