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Melania

104 minDokumentarfilmFSK 0
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Mit beispiellosem Zugang zu den 20 Tagen vor der Amtseinführung des Präsidenten 2025 – aus der Perspektive der designierten First Lady selbst – eröffnet dieser Film einen Einblick in Melania Trumps Welt. Er begleitet sie dabei, wie sie die Planungen für die Amtseinführung koordiniert, die komplexen Herausforderungen des Übergangs ins Weiße Haus meistert und gemeinsam mit ihrer Familie ins öffentliche Leben zurückkehrt. Exklusives Filmmaterial zeigt entscheidende Treffen, private Gespräche und bislang nie gesehene Orte. Mrs. Trump übernimmt erneut eine der mächtigsten Rollen der Welt.

Wenn ein Dokumentarfilm über die amtierende First Lady der Vereinigten Staaten erscheint, liegt es nahe, auch einen Blick auf die Auswirkungen der von ihr mitvertretenen Politik zu werfen. In den USA machte zuletzt die Einwanderungspolizei ICE Schlagzeilen; in der Großstadt Minneapolis fielen 3000 ICE-Mitglieder wie eine Besatzungsmacht ein, machten Jagd auf Einwanderer und deren Kinder und erschossen Bürger. Zudem wurden Journalisten, die über diese Vorfälle berichteten, auf Geheiß der US-amerikanischen Generalstaatsanwältin verhaftet. All das gehört zum Alltag der zweiten Trump-Regierung, die es selbst im Kriegsfall wie zuletzt in Venezuela nicht für nötig befindet, den US-Kongress zu informieren, sehr wohl aber die Öl-Manager des Landes auf dem Laufenden hält, da sie auf sprudelnde Einnahmen hoffen dürfen.

Der Dokumentarfilm „Melania“ begleitet Melania Trump in den zwanzig Tagen vor der Amtseinführung ihres Ehemanns zum US-Präsidenten. Gedreht wurde an den zentralen Schauplätzen politischer und symbolischer Macht: in Mar-a-Lago in Florida, im Weißen Haus, in Washington, D.C., sowie in New York City, wo die Trumps im eigenen Hochhaus mit Blick über den Central Park residieren. Der Film versteht sich selbst als Porträt einer First Lady in einer Phase politischer Übergänge und persönlicher Neuverortung und erhebt zugleich den Anspruch, eine in der Öffentlichkeit bislang als unnahbar und rätselhaft eingestufte Figur greifbarer zu machen.

Luxuriöser Lifestyle in Hochglanzbildern

Formal ist „Melania“ als Hochglanzproduktion angelegt. Die Bildgestaltung setzt auf elegante Oberflächen, präzise komponierte Totalen und Details, die weniger durch Erzählkraft als durch ihre Repräsentativkraft hervorstechen und den luxuriösen Lifestyle betonen. Üppige Streichermusik liegt fast durchgehend über den Bildern und emotionalisiert selbst banale Abläufe. Dazu kommen immer wieder körnige Aufnahmen im analogen Super-8-Look, um historische Bedeutung zu simulieren. Die Protagonistin erscheint fast immer in Bewegung: von Limousine zu Limousine, von Privatjet zum Regierungsflieger, von Empfang zu Empfang. Die Kamera folgt ihr mit unterwürfiger Nähe und vermeidet jede Form von spannungserzeugenden Einstellungen. Dazu hört man Melania bedeutungsschwer vorgetragene Sätze sprechen wie: „Every day I live with purpose and devotion“.

Auffällig ist die Konzentration auf äußere Zeichen von Disziplin, Kontrolle und Stil. Immer wieder verweilt der Film auf Kleidung, Accessoires und Körperhaltung. Besonders die hochhackigen Pumps, für die Melania Trump bekannt ist, nehmen auf der Bildebene viel Raum ein. In wiederholten Großaufnahmen werden sie zu einer Art visuellem Leitmotiv eines Films, der seine heroisch durch Regierungsflure stöckelnde Hauptfigur weniger über ihre kognitiven Inhalte als über ihre Ästhetik definiert. Melania erscheint als Ikone einer pompösen Machtästhetik, die für die Trump-Jahre prägend ist.

Ein zentraler Moment ist ihr Auftritt bei der Inauguration. Anders als viele ihrer Vorgängerinnen wählt Melania Trump keinen hoffnungsvollen, hellen Farbcode, sondern einen dunklen, streng geschnittenen Look: maßgeschneiderter Mantel, straff sitzende Seidenbluse, präzise gesetzte Accessoires, dazu ein seltsam tief ins Gesicht gezogener Hut. Die Inszenierung wirkt kühl, distanziert, kontrolliert und betont finster.

Eiserne Disziplin und Selbstoptimierung

Inhaltlich kreist „Melania“ um den Anspruch der First Lady, ihre Rolle neu zu definieren. Das Publikum lauscht einer Vielzahl von Lebensmaximen und Selbstbeschreibungen, die um eiserne Disziplin, Selbstoptimierung und die eigene „Arbeit für die Gemeinschaft“ kreisen. Konkrete politische Positionen bleiben weitgehend ausgespart. Stattdessen dominieren aphoristisch formulierte Aussagen, die an Motivations- und Ratgeberliteratur erinnern. Der Film präsentiert diese Sätze mit großer Ernsthaftigkeit und ohne jede kritische Rahmung.

Produziert wurde „Melania“ von Amazon MGM. Medienberichten zufolge zahlte der Konzern rund 40 Millionen Dollar für die Rechte sowie weitere 35 Millionen für das internationale Marketing – ein außergewöhnlich hohes Budget für einen Dokumentarfilm. Dass Melania Trump selbst erheblich an dem Projekt verdient haben soll – in einem Bericht des „Wall Street Journal“ ist von 28 Millionen die Rede –, verstärkt die Fragen nach Nähe, Unabhängigkeit und Intention dieser Arbeit, die auf pure Affirmation setzt.

Als der US-Branchenjournalist Matt Bellamy anruft, um sich nach der Finanzierung und dem Zustandekommen des Films zu erkundigen, sind sich Melania und ihre PR-Beraterinnen einig, dass dieser Journalist nichts Gutes im Schilde führt. In dieser Szene wird eine Süffisanz offenbar, die anscheinend auch der Regisseur Brett Ratner teilt. Seine Berufung wirft Fragen auf. Ratner, der durch die „Rush Hour“-Reihe bekannt wurde, war nach Vorwürfen sexueller Belästigung 2017 in Hollywood in Misskredit geraten. Mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump erlebt seine Karriere jetzt aber einen bemerkenswerten Neustart. Nachdem David Ellison die Paramount Studios erworben hatte, sorgte ein persönlicher Anruf des US-Präsidenten wohl dafür, dass Ratner einen neuen Auftrag für „Rush Hour 4“ erhielt. „Melania“ ist seine Rückkehr auf die große Bühne.

Eine eigentümliche Ironie

Der Film zeigt Melania Trump bei internationalen Auftritten und Gesprächen mit anderen First Ladies, darunter Brigitte Macron und Königin Rania von Jordanien. Thema sind Bildungsinitiativen, ihre Kampagne „Be Best“ sowie die Gefahren sozialer Medien. Gerade diese Passagen entfalten eine eigentümliche Ironie, da der Film keinerlei Bezug zur Rolle der MAGA-Bewegung in der systematischen Radikalisierung digitaler Öffentlichkeiten herstellt. Die Problematik wird entpolitisiert und auf eine abstrakte Moralebene verschoben.

Breiten Raum nimmt zudem Melanias Selbstinszenierung als kreative Gestalterin ein. Sie richtet Räume im Weißen Haus ein, plant Galas und Ballsäle und bedankt sich ausdrücklich bei den großzügigen Spendern zur Amtseinführung, die diesen Wandel ermöglicht hätten. Unter den Gästen und Geldgebern finden sich bekannte Vertreter der Tech-Elite wie Elon Musk und Jeff Bezos. Mit sichtlicher Freude studiert Melania die Menüfolge – „ein goldenes Ei und Kaviar“ als Auftakt –, ein Moment, der den sozialen und ökonomischen Kontext dieser Inszenierung ungewollt präzise offenlegt.

Trump selbst tritt erst zur Mitte des Films in Erscheinung. Sein Auftritt markiert einen Wendepunkt. Bei einem Vorbereitungstreffen zur Amtseinführung gibt er sich in vertrauter Manier: scheinbar jovial, tatsächlich gekränkt. Anlass seiner Unzufriedenheit ist ein parallel angesetztes Football-Meisterschaftsspiel. „Das haben sie wahrscheinlich mit Absicht so gelegt“, beklagt er sich – ein scheinbar beiläufiger Satz, der weniger über die Terminplanung der Footballliga als über Trumps Weltbild Auskunft gibt.

Worte mit zynischer Sprengkraft

Eine Schlüsselszene zeigt Melania bei einer Redeprobe ihres Mannes. Als dieser nach einer Selbstbeschreibung sucht, hilft sie aus: „A unifier and peacemaker.“ Die zynische Sprengkraft dieser Worte, die tatsächlich Eingang in die Rede bei der Amtseinführung fanden, scheint ihr bewusst zu sein, was eine spätere Szene unterstreicht, in der sie offen Sicherheitsbedenken äußert: Sie und ihr Sohn Barron wollen während der Parade auf keinen Fall das Fahrzeug verlassen – zu groß könnte der Unmut auf der Straße sein.

Der Film beantwortet die Frage, wer diese enigmatische Gestalt an der Seite des Präsidenten ist, nicht analytisch, sondern propagandistisch. Hinter der mannequinhaften Maske verbirgt sich kein Geheimnis, sondern der pure Wunsch nach persönlichem Erfolg und Vorankommen. Die Ansicht, dass Melania Trump eine innerlich distanzierte Figur oder gar eine heimliche Gegnerin ihres Mannes sei, wird hier implizit widerlegt. „Melania“ zeigt eine Frau, die sich in ihrer Welt offenbar eingerichtet hat – im Tower hoch über dem Central Park, im Schutz der Macht, unterhält sie ein kleines Heer an beflissen untergebenen Helferlein. Schneider, Designer, Visagisten, Stylisten und andere Dienstleister, die das Ansehen der First Lady auf Weltniveau halten. Als sie eine schnelle Umarbeitung einer Bluse beauftragt, sieht man kurz das angsterfüllte Antlitz einer der Schneiderinnen aufblitzen.

„Melania“ erweist sich als filmische Propagandaschau im Dienst der Macht, als bizarre Hagiografie und aufdringliches Infomercial samt Power Messaging. Man muss dieser Dokumentation in einer Hinsicht aber auch dankbar sein. Auf unfreiwillige Weise offenbart Ratner ein präzises Sittengemälde unserer Zeit. Im Zentrum der Ideologie von Trump und den MAGA-Leuten steht nicht etwa eine tiefe Überzeugung, sondern lediglich der pure Anspruch auf finanzielle Selbstbereicherung des eigenen Clans.

Als scheinheilige Königin

Melania tritt dabei als scheinheilige Königin dieser Disziplin in Erscheinung, wenn sie mit einer erfolgreichen Designerin aus Laos über den amerikanischen Traum sinniert, der sich für sie verwirklicht hat. „Ich werde meinen Einfluss und meine Macht stets einsetzen, um für Menschen in Not zu kämpfen“, hört man sie sagen. Kurioserweise bleibt dabei Einwanderung ein beliebtes Thema der Präsidentengattin. Schon während der ersten Amtszeit besuchte sie 2018 eine Einrichtung in Texas, in der Kinder untergebracht waren, die nach Mexiko abgeschoben werden sollten. Vor ihrem Besuch prangte auf der Rückseite ihrer Jacke der auffällige Schriftzug „I really don’t care, do you?“. Ein Satz, der damals Bände sprach – und im Jahr 2026 noch viel mehr.

Veröffentlicht auf filmdienst.deMelaniaVon: Chris Schinke (8.4.2026)
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