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Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos

101 minKomödie, LovestoryFSK 12
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Eva ist eine starke Frau, die weiß, was sie will, aber ihr Herz macht nach 25 Jahren Ehe nur noch Dienst nach Vorschrift. Das normale Leben hat ihr etwas genommen, das für sie lebenswichtig ist: das Spiel der Liebe. Bei einer Geschäftsreise nach Rom begegnet sie dem Schriftsteller Alex, in den sie sich spontan verliebt, obwohl er vergeben ist. Zurück in Barcelona gibt Eva ihr geordnetes Leben auf, steigt in die Welt der Dating-Algorithmen ein und versucht, sich im Dschungel der post-romantischen Möglichkeiten zurechtzufinden – nicht immer mit Erfolg. Zwischen poetischen Versprechungen, peinlichen Begegnungen und charmanten Katastrophen stolpert sie durch die moderne Liebeswelt – auf der Suche nach einem Gefühl, das sie längst verloren glaubte. Und gibt es nicht mittlerweile auch einfach eine Medizin für die große Liebe? Plötzlich taucht Alex wieder auf der Bildfläche auf und Eva muss sich die Frage aller Fragen stellen: gibt es sie vielleicht doch, die große Liebe?
EIN LEBEN OHNE LIEBE IST MÖGLICH, ABER SINNLOS ist eine kluge, leichtfüßige und berührende romantische Komödie über die Angst vor der Veränderung und das Glück und den Schmerz, den es bedeutet, sie zu wagen. Spanisches Herz-Kino mit großem Feingefühl, wie man es lange nicht gesehen hat.
  • Veröffentlichung11.12.2025
  • Cesc Gay
  • Spanien (2025)
  • 6.8/10 (211) Stimmen

Kann man mit 50 noch einmal sein Leben umkrempeln? Die Verlagsmitarbeiterin Eva (Nora Navas) findet, dass sie darauf ein Recht habe, auch wenn ihr Freundeskreis skeptisch reagiert. Denn Eva hat eigentlich alles: Seit 25 Jahren ist sie mit dem Informatiker Victor (Juan Diego Botto) liiert; gemeinsam haben sie zwei Kinder im Teenageralter. Eine hübsche Eigentumswohnung besitzen sie auch. Eines Abends, bei einem Essen mit Freunden, erzählt Eva, wie sie auf der Straße einen Bekannten beim Knutschen mit seiner neuen Freundin gesehen habe. Sie sei ein wenig neidisch auf die beiden gewesen. Ehemann Victor ist gekränkt und macht vor versammelter Mannschaft eine Szene. Eva wird emotional und sagt, dass sie das Verliebtsein vermisse.

Keine halben Sachen mehr

Denn ihren Freunden, und vor allem Victor, hat sie eine wichtige Begebenheit in ihrem Leben verschwiegen. Bei einer Geschäftsreise nach Rom hat sie vor kurzem nämlich den charmanten argentinischen Drehbuchautor Alex (Rodrigo de la Serna) kennengelernt. Zwischen beiden funkte es sofort, doch Eva war Victor treu geblieben. Nun denkt sie ständig an Alex und tauscht SMS-Nachrichten mit ihm aus. Außerdem steht ihre Entscheidung fest: Sie wird sich von Victor trennen. Eva hat genug von den Notlügen. Sie ist es leid, es ständig ihrem Ehemann und ihren Freunden rechtmachen zu müssen. Die aber raten, dass sie sich eher einen Liebhaber suchen und bei Victor bleiben soll. Doch Eva macht keine halben Sachen mehr. Sie zieht in eine eigene Wohnung und hofft, Alex bald wiederzusehen. Als diese Erwartungen zunichte werden, verlegt sich Eva aufs Daten. Doch ein Kandidat entpuppt sich dabei schlimmer als der nächste.

Das, was Eva ihren Freunden als „das Spiel der Liebe“ beschrieben hatte, erweist sich als mühsam und frustrierend. Hat sie Victor doch überstürzt verlassen? Die romantische Komödie „Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos“ von Cesc Gay entfaltet ein zweifaches Spiel: das zwischen Evas Hoffnung und ihrer Realität, aber auch das zwischen gesellschaftlichem Druck und Selbstverwirklichung. Im Unterschied zu ihren extrovertierten Freunden ist Eva eher träumerisch und zurückhaltend. Sie hält ihre Gefühle zurück, und ihre neugierigen Freundinnen, die merken, wie abwesend sie ist, belästigen sie mit Fragen. Dabei entstehen komische Szenen. Drei Freundinnen und Evas bester schwuler Freund Dani stehen in der Toilette eines Musicaltheaters um sie herum, quetschen alles aus ihr heraus und trösten die in Tränen aufgelöste Eva.

Die Wahrheit kennt nur Eva

Mit der Diskretion haben sie es allerdings weniger. Bald wissen alle, dass Eva „einen portugiesischen Liebhaber“ hat, während sich in der Familie die Lüge herumspricht, Victor habe sie betrogen, sodass sie ihn verlassen musste. Die Wahrheit über ihre Gefühle und Sehnsüchte kennt nur Eva. Sie muss für ihre Entscheidung auch einen Preis zahlen. Ihr früher so lebhaftes Sozialleben – Dinner mit Freunden, Ausgehen, Kultur – wird als Single weniger. Denn als Ehefrau bewegte sie sich im gesellschaftlich akzeptierten Rahmen von Pärchen-Veranstaltungen. Nach ihrer Begegnung mit Alex durchbricht Eva diese Konventionen. Zwar ist Gatte Victor verständnis- und eher liebevoll. Doch sie träumt lieber von Alex, als sich mit der Farbe für den neuen Teppich im Wohnzimmer zu beschäftigen. Nach der Trennung braucht sie Zeit und will herausfinden, was sie eigentlich selber will.

So sieht man im Film auch recht wenig von Barcelona, wo die Gesellschaftskomödie spielt, sondern viel von den hübschen Inneneinrichtungen in den Wohnungen der intellektuell-bürgerlichen Freunde oder den Interieurs von Bars und Restaurants. Dort finden die verkorksten Dates von Eva statt. Auch ihr Bett besuchen jetzt eher unbedarfte Liebhaber – einer wird sogar von ihren Kindern erwischt –, und auch das ist nicht unkomisch. Der Film verfällt darüber auch nicht in Klischees. Weder wird Eva von den Kindern im Stich gelassen noch von ihren Freunden.

Die katalanische Bridget Jones

Zuweilen lässt die Konstellation an eine katalanische Bridget Jones denken: Die Freundesclique ist oft um sie herum und kümmert sich ungefragt um ihr Liebesleben, das Gegenstand öffentlicher Debatten ist. Dabei ist Eva allerdings nicht so tollpatschig wie Bridget Jones. Sie will niemanden brüskieren und greift zu vielen Notlügen, um schlechte Liebhaber oder Bekannte nicht bloßzustellen.

Dennoch ist man als Zuschauerin stets bei der sehnsüchtigen Heldin. Man leidet mit ihr, wenn alle um sie herum neue Partner finden, sie aber in der Luft hängt. Andere Figuren nutzen offenbar eher als Eva die Gelegenheit, Fakten zu schaffen. Dabei gelingt es dem Film, sowohl Komik zu erzeugen, als auch am Anfang prickelnd-flirtige Momente zwischen Eva und Alex zu inszenieren.

Auch die Emotionen kommen bei der romantischen Komödie nicht zu kurz. Die hat zwar einen ziemlich unsinnigen deutschen Verleihtitel – im Original heißt der Film „Mi amiga Eva - Meine Freundin Eva“-, bleibt aber ihrem Genre treu. Ein Kreis schließt sich, und es wird ein Fest gefeiert – mit einer für die Jubilarin vielversprechenden Aussicht.

Veröffentlicht auf filmdienst.deEin Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlosVon: Kira Taszman (7.1.2026)
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