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Michael

127 minDrama, Musik, HistorieFSK 6
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Er ist einer der einflussreichsten Künstler aller Zeiten – der King of Pop. MICHAEL ist das Portrait eines Ausnahmekünstlers, dessen Musik die Welt bewegt und jede Generation bis heute inspiriert hat. Der Film erzählt die Geschichte von Michael Jacksons Leben – weit über die Musik hinaus. Er zeichnet seinen Weg nach von der Entdeckung seines außergewöhnlichen Talents als Leadsänger der Jackson Five bis hin zu dem visionären Künstler, dessen kreativer Ehrgeiz ihn unermüdlich antrieb, der größte Entertainer der Welt zu werden. Von einigen seiner legendären Auftritte aus seiner frühen Solokarriere bis zu seinem Leben abseits der Bühne – das Publikum hat einen Platz in der ersten Reihe bei einem nie zuvor dagewesenen Blick auf das Leben der Pop-Ikone. Hier fängt seine Geschichte an. Jaafar Jackson gibt mit MICHAEL sein Spielfilmdebüt. Neben ihm sind Nia Long (Empire, Boyz n the Hood – Jungs im Viertel) und Laura Harrier (BlacKkKlansman, Spider-Man: Homecoming) zu sehen, außerdem Miles Teller (Top Gun: Maverick, Whiplash) und der zweifach für den Oscar® nominierte Colman Domingo (Sing Sing, Rustin). Regie führt Antoine Fuqua, der preisgekrönte Filmemacher u. a. von Training Day und der Equalizer-Reihe. Das Drehbuch schrieb der dreifach Oscar®-nominierte John Logan (Gladiator, Aviator). Produziert wurde MICHAEL von Oscar®-Gewinner Graham King (Departed – Unter Feinden, Bohemian Rhapsody), John Branca (Ausführender Produzent von Michael Jackson’s This Is It, Thriller 40) und John McClain (Ausführender Produzent von Michael Jackson’s This Is It, Michael Jackson Live at Wembley July 16, 1988).
  • Veröffentlichung22.04.2025
  • Antoine Fuqua
  • Vereinigte Staaten (2026)

Die bloße Existenz des Filmes „Michael“ stellt die Frage: Welchen Menschen will man ein Denkmal setzen – und wie viel darf man dabei ausblenden?  Ursprünglich sollte ein erheblicher Teil des Michael-Jackson-Biopics sich mit den Kindesmissbrauchsvorwürfen auseinandersetzen, die seine spätere Karriere überschatteten. Doch durch diverse rechtliche Verstrickungen musste diese Idee verworfen werden, während sich der Film von Antoine Fuqua bereits in Produktion befand. Für mehrere Millionen wurde ein neues Ende gedreht, das dieses finstere Kapitel ausspart und stattdessen zu einem unkritischen Lobgesang über die Entstehung eines Weltstars wurde.

Erste Erfolge und das angespannte Verhältnis zum Vater

Michael Jacksons Aufstieg zum Megastar beginnt als Mitglied der Geschwisterband „Jackson Five“ im verschlafenen Gary, Indiana. Der Film erzählt dabei von den frühen Erfolgen des Kinderstars (in seiner Jugend gespielt von Juliano Valdi) und vor allem von Michaels Weg zum Solokünstler mit seinen ersten beiden Alben „Off the Wall“ und „Thriller“. Der Schlussstrich, den der Film zieht, ist das legendäre Konzert im Wembley-Stadium 1988, kurz nach der Veröffentlichung seines dritten Albums „Bad“.

Emotional verhandelt wird vor allem das angespannte Verhältnis zwischen Michael und seinem herrschsüchtigen Vater Joseph (Colman Domingo). Der Patriarch drillt seine Kinder mit körperlicher und seelischer Grausamkeit zur perfekten Showbusiness-Familie und schafft es immer wieder, Michael für seine eigenen Pläne zu missbrauchen. Trotz aller Erfolge gelingt es dem Popstar lange Zeit nicht, sich diesem schädlichen Einfluss zu entziehen.

Ein halbes Leben in kurzen Abrissen erzählt

In vielerlei Hinsicht fühlt sich „Michael“ wie ein typisches Musiker-Biopic an. Im Schnelldurchlauf wird die Karriere des Stars wiedergegeben, von den schwierigen Anfängen bis zum ersten tosenden Höhepunkt. Jeder Song, den das Publikum mögen könnte, klingt kurz im Film an und für die größten Hits wird eine kleine Inspirationsgeschichte eingeschoben. Dazwischen gibt es in verlässlicher Regelmäßigkeit Montagen über Jacksons musikalische Erfolge – natürlich ebenfalls mit den entsprechenden Hits unterlegt.

Bei „Walk the Line“ hat dieses Konzept hervorragend funktioniert, bei „Bohemian Rhapsody“ bereits nicht mehr so gut und „Michael“ wird mit dieser Blaupause zu einem technisch soliden, aber inhaltlich uninspirierten Musikfilm. Er krankt, noch mehr als andere Filme seiner Art, am Wunsch, alle Ereignisse im Leben seiner Hauptfigur kurz anreißen zu wollen. Hat es ein Detail aus Michael Jacksons Vita in die Schlagzeilen oder ins popkulturelle Gedächtnis geschafft, muss es eine entsprechende Szene im Film geben. Doch den meisten von ihnen fehlt die erzählerische Konsequenz: MTV will keine Videos von schwarzen Künstlern spielen, aber ein wütender Anruf regelt die Sache und Rassismus ist kein Thema mehr. Jackson muss nach einem Unfall Medikamente gegen die furchtbaren Schmerzen nehmen, doch weder die Schmerzen noch die Medikamente werden wieder erwähnt. Es passiert eine Menge in Michaels Leben, doch das Drehbuch zeigt sich überfordert damit, daraus eine eskalierende Dramaturgie zu entwickeln oder seinen Figuren neue Facetten zu verleihen.

Die Starwerdung eines scheinbar perfekten Menschen

Der größte Coup, den der Film landen kann, ist die Besetzung seiner Hauptrolle mit Michael Jacksons Neffen Jaafar. Allein diese biographische Tatsache macht einen gewissen Eindruck und verleiht der kompletten Produktion zusätzliche Glaubwürdigkeit. Obwohl Jaafar Jackson zum ersten Mal vor der Kamera steht, scheint diese Besetzung nicht nur ein Publicity-Stunt zu sein, sondern zeugt von echtem Talent. In den Konzertsequenzen, die mit Abstand den spektakulärsten Teil des Filmes bilden, ist seine Energie so elektrisierend, dass es leicht nachvollziehbar wird, wie der Superstar Michael Jackson ganze Stadien in Ekstase versetzen konnte. In den vielen Momenten, in denen Jaafar seinen Onkel geradezu perfekt imitiert, kann man vergessen, dass der Poptitan hier nicht persönlich im Rampenlicht steht.

Die Inszenierung als Megastar auf der Bühne ist absolut geglückt, doch damit begnügt sich der Film nicht. Auch der Privatmensch Michael soll heroisiert werden: Er ist feinfühlig und unverdorben, spricht mit Tieren und wünscht sich, dass die Menschen einander lieben. Beim Einkaufen findet er Zeit, seinen unzähligen Fans Autogramme zu geben. Kaum sieht er ein Kind leiden, verbringt er Stunden an dessen Krankenbett und spendet Millionen an wohltätige Zwecke. Selbst beim legendären „Thriller“-Video gibt er dem Regisseur John Landis den wichtigsten Ratschlag. Andere Figuren, von Musikproduzenten bis zu Gangmitgliedern, werden nicht müde, Jackson zu versichern, dass er ein absolutes Phänomen und der größte Musiker aller Zeiten sei. Sein einziger Makel scheint darin zu liegen, dass er es nicht schafft, sich von seinem Vater zu lösen. Doch selbst dieses Verhalten entspringt aus seiner Unsicherheit und der Liebe zu seiner Familie.

In seiner jetzigen Form ist es geradezu erleichternd, dass „Michael“ die Missbrauchsvorwürfe gegen seinen Protagonisten verschweigt. Denn die hier gebotene Darstellung von Jackson als Pop-Messias, der mit seiner transformativen Musik Liebe und Frieden auf die Welt bringen möchte, ließe fast keine andere Möglichkeit zu, als ihn in dieser Angelegenheit als missverstandenes, unschuldiges Opfer der Umstände zu porträtieren.

Das Filmerlebnis als Fan-Event

Mit seiner Machart ist „Michael“ mehr Fan-Event als Film. Er setzt die größten Hits des „King of Pop“ eindrucksvoll in Szene und macht es leicht, sich davon mitreißen zu lassen. Zumindest wenn die Musik im Kopf laut genug ist, um etwaige Zweifel an seiner Person zu übertönen. Sogar das Finale verzichtet auf lange Dialoge oder große Wendungen, sondern reiht einfach einen Auftritt an den nächsten, bis der Abspann läuft. Damit wird „Michael“ zu einem hervorragenden Konzertfilm, einem mittelmäßigen Biopic und einem unbefriedigenden Drama mit vielen Leerstellen.

Sollte diese eskapistische Konzertfantasie Erfolg an den Kinokassen haben, sind die Produzenten bereits gewappnet und verkünden im Abspann: „His Story Continues“. Genau wie Joseph Jackson werden sie es sich nicht nehmen lassen, die Jackson-Marke weiter auszubauen, um noch etwas mehr Geld zu verdienen. Wobei etwaige Fortsetzungen zeigen werden, ob jemand das nächste Mal den Mut (und den nötigen Rechtsbeistand) besitzt, um auch die Schattenseiten des Megastars zu thematisieren.

Veröffentlicht auf filmdienst.deMichaelVon: Christoph Dobbitsch (22.4.2026)
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