Vorstellungen
Filmkritik
Die „guten alten Zeiten“ werden in der Regel von denen beschworen, die vergessen haben, wie schlecht diese eigentlich waren. Das gilt auch für Actionfilme der unteren Kategorie in den 1980er- und 1990er-Jahren, deren Hauptzweck es war, für muntere Videoabende im Freundeskreis zu sorgen. Alles, was solche Filme liefern mussten, waren muskelbepackte Helden und nicht enden wollende, möglichst brutale Kämpfe.
Genau mit diesen „guten alten Zeiten“ kokettiert gleich zu Beginn auch „Mortal Kombat 2“, als der Held, der die Menschheit in nicht enden wollenden Kämpfen vor dem Bösen retten soll, nicht Sonya Blade (Jessica McNamee), Kano (Josh Lawson), Liu Kang (Ludi Lin), Jax (Mehcad Brooks) oder Lord Raiden (Tadanobu Asano) heißt, sondern: Johnny Cage (Karl Urban). Ein Schauspieler, der einst mit Prügelsport im Ring reüssierte, bevor er im fortschreitenden Alter in Filmen ganzen Horden von Angreifern den Garaus machte. Es sieht sehr nach Verzweiflungstat aus, wenn die Kämpfer des „Earthrealm“ um den guten Magier Lord Raiden gegen die Attacken der „Outworld“ unter der Herrschaft des grausamen Shao Kahn (Martyn Ford) im anstehenden Mortal Kombat nur einen Schauspieler aufbieten, der scheinbar nur gewinnen kann, wenn das Drehbuch es so vorsieht. Doch manchmal entziehen sich die Weisheiten der guten Meister aller Logik und Wahrscheinlichkeit. Der Kampf kann also einmal mehr beginnen.
Zu Beginn eine betont billig inszenierte Sequenz
Es ist ein gelungener Kniff, das Sequel zur 2021 in Angriff genommenen Videogame-Neuverfilmung „Mortal Kombat“ ausgerechnet mit einer betont billig inszenierten Sequenz aus dem natürlich fiktiven Actionfilm „Uncaged Fury“ zu beginnen, in dem sich Karl Urban demonstrativ schlecht, aber siegreich durch seine Feinde prügelt. Wohl nicht ganz ungeplant werden Erinnerungen an den Normalo-Erdenbürger wach, der in der Comicverfilmung „Guardians of the Galaxy“ wider Willen und völlig ungeeignet als „Star-Lord“ ins große Weltraumabenteuer manövriert wird. Offenbar haben die Produzenten von „Mortal Kombat“ erkannt, dass der Realspielfilm-Anreihung brutaler Zweikämpfe eine augenzwinkernde Metaebene gut zu Gesicht stehen könnte. Mit Karl Urban haben sie zudem einen Darsteller gewählt, der als brutaler, zynischer und doch sympathischer Haudrauf in der Streamingserie „The Boys“ das Superhelden-Genre entzauberte und ihm damit gleichzeitig eine Frischzellenkur verpasste.
Johnny Cage ist also der nörgelnde, unfähige, unwillige „Auserwählte“, der aber, da es nun mal sein muss, als Mensch von nebenan auch gegen all die Magier und Monster-Kämpfer aus anderen Dimensionen bestehen kann – weil es im Drehbuch von Jeremy Slater zu „Mortal Kombat 2“ so geschrieben steht. Doch dass eine zu starke Metaebene in einem Film, in dem es vornehmlich um Prügeleien gehen soll, fürs Zielpublikum wenig dienlich ist, muss auch Regisseur Simon McQuoid erkennen, dem schon 2021 im ersten Teil der Neuverfilmung der Spagat zwischen Turnier-Zweikämpfen und – wenig fruchtbarer – Handlung misslang.
Eine Rachegeschichte als roter Faden
„Mortal Kombat 2“ setzt deshalb dann doch schnell auf seine Kämpfe. Ebenfalls noch im Prolog, der alles in allem reichlich überladen ist, meuchelt daher Shao Kahn den König von Edenia vor den Augen seiner kleinen Tochter Kitana, damit man als roten Faden eine Rachegeschichte präsentiert bekommt. Darin kann Jahre später die zu einer übermächtigen Kampfkünstlerin herangewachsene Prinzessin (Adeline Rudolph) dem Herrscher von Outworld im Zweikampf gegenüberstehen.
Diese Geschichte und die damit verbundenen Turnierkämpfe neutralisieren schnell wieder den Johnny-Cage-Subplot. Schließlich braucht der Film titelgemäß tödlich endende Kämpfe. Die sind – und das unterscheidet sie von jenen aus dem Actionkino der 1980er- und 1990er-Jahre – immer dann sehr sichtbar computergeneriert, wenn sie brutal werden. So können die Macher mit dem Spektakel auch schon ein jüngeres Publikum anvisieren, dem die Haudrauf-Szenen genügen.
Ein kraftspendendes Medaillon wird zum Streitpunkt
Eigentlich weiß der Film aber überhaupt nicht recht, worauf er hinauswill. Das beweist die Einführung noch einer weiteren Fantasy-Ebene um ein kraftspendendes Medaillon, das zum Streitpunkt wird. Denn der finale Kampf um den Sieg über das Böse und die Sklaverei ist natürlich kein abschließendes Ende; weitere Teile sollen folgen. Die „guten alten Zeiten“ sind längst vorbei, in denen der Söldner am Ende der letzten Prügelei einfach nur den Krieg gewonnen hatte und der Abspann allem ein Ende setzte.










