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Normal

90 minAction, Thriller, KrimiFSK 18
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Eigentlich sollte die vorübergehende Versetzung in die verschlafene Kleinstadt Normal für Sheriff Ulysses (Bob Odenkirk) eine willkommene Auszeit von Eheproblemen und beruflichen Rückschlägen sein. Doch als ein misslungener Banküberfall die trügerische Ruhe der Stadt durcheinanderbringt, wird schnell klar, dass die Bewohner weit mehr zu verbergen haben, als zunächst angenommen. Ulysses merkt plötzlich: Diese Kleinstadt ist alles andere als „normal“...

Normal heißt eine Kleinstadt irgendwo in Minnesota, die genau so wie ihr Name zu sein scheint. Zumindest glaubt das Ulysses (Bob Odenkirk). Der ortsfremde Sheriff, der kurzfristig für den verstorbenen Vorgänger einspringt, erwartet das Übliche: nette Leute, kleine Probleme. An seinem ersten Arbeitstag hat er es dementsprechend mit einem Nachbarschaftsstreit und einem weiteren im örtlichen Handwerksgeschäft zu tun sowie mit einem falsch geparkten Auto. Ein paar Details erscheinen dennoch seltsam. Damit ist nicht nur die Motorradjacke von Deputy Mike (Billy MacLellan) gemeint, deren lautes Knarzen das schönste erzählerische Gimmick des Drehbuchs von Derek Kolstad ist. Die Bürger von Normal sind, so freundlich und gewöhnlich sie zunächst erscheinen, erstaunlich bewaffnet. Im lokalen Handwerksladen steht ein riesiger Sicherheitsschrank, auf der Wache sind genug Sturmgewehre und Sicherheitswesten gelagert, um mehrere SWAT-Einheiten ausstatten zu können, und selbst im Nähgeschäft läuft nebenbei der Polizeifunk.

Verschwiegenheit ist der Preis

Der Filmtitel ist ironisch gemeint: Nichts ist hier normal. Der Grund dafür ist kein Geheimnis. Die Yakuza hat in Normal Geld gebunkert. Die Bewohner der Kleinstadt erhalten ihren Anteil; ihre Verschwiegenheit ist der einzige Preis. Auf dem Papier ist der Ersatzsheriff dementsprechend eine perfekte Wahl. Nach einem tödlich eskalierten Einsatz macht er eine persönliche Krise durch; denn er hat auch noch ein Leben und eine Frau in einer anderen Stadt und gilt überhaupt als jemand, der Ruhe sucht und Konflikte, so absurd und feindselig sie auch sein mögen, mit geradezu apathischer Nachsicht löst.

Ulysses gibt damit eine recht zeitgemäße Figur ab. Als Mann mit Autorität ist er fasziniert vom Gewaltpotenzial, das in Form von gepanzerten Fahrzeugen, Sturmgewehren und Sprengstoff in den Kellern der Kleinstadt schlummert. Doch er sieht keinen Anlass, frühzeitig zu intervenieren. Dennoch hat der neue Sheriff einen recht guten moralischen Kompass und steht auf der richtigen Seite, als das Waffenarsenal der Stadt schließlich zum Einsatz kommt.

Bis dahin hat der Film die Ruhe weg. Ulysses trifft den schlangenzüngigen Bürgermeister (Henry Winkler), teilt sich ein paar Drinks mit der Barbesitzerin Moira (Lena Headey) und legt eine Seelsorgestunde bei Alex (Jess McLeod) ein, der Tochter des wohl nicht auf natürlichem Wege verstorbenen Sheriffs. Es sind die besten Szenen des Films, von Odenkirks zenhafter Aura getragene Expositionsschnipsel.

In einen absurden Kleinkrieg hineingezogen

Dass die Ruhe nicht von Dauer sein kann, macht der Film schon in der Eröffnungssequenz deutlich, in der man einigen Yakuza-Mitgliedern dabei zusieht, wie sie Abbitte leisten, indem sie sich von Fingergliedern trennen oder schlicht ihr Leben lassen. Die Überlebenden werden zur Strafe für ihr Versagen nach Minnesota geschickt, um den dort deponierten Goldschatz zu bewachen. Davon ahnt aber weder der neue Sheriff etwas, noch ein liebenswertes Gauner-Pärchen (Reena Jolly, Brendan Fletcher), das eigentlich nur ein paar Scheine mitgehen lassen will, dann aber in den absurden Kleinkrieg hineingezogen wird, den Regisseur Ben Wheatley hier inszeniert.

Der über die restliche Laufzeit stattfindende Showdown zwischen der bis an die Zähne bewaffneten Kleinstadt, den Bankräubern, dem neuen Sheriff sowie der Sheriffstochter Alex lässt sich am besten als trockene Action-Farce beschreiben. Das verschneite Kleinstädtchen erinnert nicht von ungefähr an „Fargo“, und auch die Idee, dass der ein oder andere Besucher sein Ende in einem Schredder findet, scheint bald nicht mehr allzu abwegig. Bob Odenkirk spielt recht eindrücklich den Gegenpol, behauptet sich als Actionheld im Normalo-Modus und behält dort die Bodenhaftung, wo der Film in immer absurdere Varianten eines augenzwinkernden Actionfilms ausartet. „Normal“ ist dabei alles andere als solide; die oft mit slapstickartigen Zufällen verbundenen Scharmützel schmieren alles mit computeranimiertem Blut voll, servieren nebenher Affogato al caffè und nutzen sich sukzessive immer mehr ab.

Die Knochen sind zu schwer

Tatsächlich erschöpft sich der Drang, immer absurder eskalierende Blutspuren zu produzieren, im Innovationswahn. Kaum ein Alltagsgegenstand, der in diesem Kampf unbenutzt bleibt, kaum ein ausgetretener Pfad, den man nicht zu sehen bekommt. „Normal“ ist gewissermaßen eine Pensionär-Version von „Stirb langsam“ (1988); für fein choreografierte Eleganz sind die Knochen zu schwer. Und um wirklich souveräne Gelassenheit zu bieten, ist der Film auch zu fahrig, zu hektisch oder schlichtweg zu wenig bei seinen Stärken.

Veröffentlicht auf filmdienst.deNormalVon: Karsten Munt (22.5.2026)
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