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Nürnberg

148 minDrama, HistorieFSK 12
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Hermann Göring wird von den Alliierten verhaftet und soll als ranghöchster noch verbliebener Nazi für die unfassbaren Taten des NS-Regimes zur Rechenschaft gezogen werden. Der Psychiater Dr. Kelley wird beauftragt, alle Angeklagten auf ihre Prozessfähigkeit hin zu untersuchen. Schnell ist er von Görings Scharfsinn und Charisma eingenommen und obwohl er dessen Machtspiele durchschaut, kann sich Dr. Kelley der manipulativen Stärke und Faszination des Bösen nur schwer entziehen. Um Görings Vertrauen zu gewinnen, überschreitet Dr. Kelley moralische Grenzen und gefährdet sogar den Nürnberger Prozess. Oscar-Preisträger Russell Crowe spielt in dem packenden Thriller Reichsmarschall Hermann Göring auf ebenso grandiose wie preiswürdige Weise. In dem hochspannenden Macht- und Manipulationsspiel übernimmt Oscar-Preisträger Rami Malek die Rolle des Psychiaters Dr. Kelley, der die notwendige Distanz zu dem Verbrecher verliert, weil er den Menschen sieht und herausfinden will, was ihn befähigte, solch ungeheuerliche Taten zu befehlen und auszuführen. Das bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Justizdrama erzählt vom folgenreichsten Prozess des 20. Jahrhunderts, der zudem die Geburtsstunde des Völkerrechts markiert.
Oscar®-Preisträger Russell Crowe spielt in dem packenden Thriller Reichsmarschall Hermann Göring auf ebenso grandiose wie preiswürdige Weise. In dem hochspannenden Macht- und Manipulationsspiel übernimmt Oscar®-Preisträger Rami Malek die Rolle des Psychiaters Dr. Kelley, der die notwendige Distanz zu dem Verbrecher verliert, weil er den Menschen sieht und herausfinden will, was ihn befähigte, solch ungeheuerliche Taten zu befehlen und auszuführen. Das bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Justizdrama erzählt vom folgenreichsten Prozess des 20. Jahrhunderts, der zudem die Geburtsstunde des Völkerrechts markiert.
  • Veröffentlichung07.05.2026
  • James Vanderbilt
  • Vereinigte Staaten (2025)
  • 7.4/10 (75426) Stimmen

Um gewisse Fehler nicht zu wiederholen, bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als den nachfolgenden Generationen die Geschichte der Vorfahren zu erzählen. Dies nicht in Form lobhudelnder Heldensagen mächtiger Führer, die große Eroberungszüge und blutige Kriege führten, sondern aus der Sicht der unter diesen Leidenden und im Fokus auf die dabei schamlos mit Füßen getretene Ethik, Moral und Menschlichkeit.

Vielleicht ist James Vanderbilts „Nürnberg“ zum jetzigen Zeitpunkt genau der richtige Film: eine Art Geschichtslektion für die dritte Generation der nach Ende des Zweiten Weltkriegs Geborenen. Diese dürften von dem zwischen 1939 und 1945 passierten grausigen Geschehenen zwar irgendwo bereits gehört haben. Mit Computer und Internet aufgewachsen, dürfte ihre Wahrnehmung aber auch geprägt sein von in sozialen Medien und Videospielen oft wenig kontrollierten Darstellungen von Gewalt, die deren Einschätzung in der Realität – bewusst oder unbewusst – mitbestimmen.

Die Zurechnungsfähigkeit der Hauptangeklagten einschätzen

Umso wichtiger erscheint dieser Film, in dessen Zentrum der 1912 in Kalifornien geborene und 1958 in Berkeley verstorbene Psychiater Douglas M. Kelley steht. Er wurde 1942 in die US-Armee eingezogen und bei Kriegsende zusammen mit einer Handvoll anderer Armeepsychiater abkommandiert, um von den Alliierten inhaftierte Kriegsverbrecher zu untersuchen. Bei dem vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 dauernden 1. Nürnberger Prozess – dem ersten Prozess, in dem führende Staatsrepräsentanten vor einem internationalen Gericht für von ihnen begangene Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen wurden – oblag es ihm, die Zurechnungsfähigkeit der 24 Hauptangeklagten einzuschätzen. Er wurde in dieser Funktion zwar bereits nach einem Monat abgelöst, 1947 aber veröffentlichte er unter dem Titel „22 Cells in Nuremberg. A Psychiatrist Examines the Nazi Criminals“ („22 Männer um Hitler. Erinnerungen des amerikanischen Armeearztes und Psychiaters am Nürnberger Gefängnis“) ein Buch, in dem er seine Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem einen Monat verarbeitete. Sein Buch war, wie am Schluss des Filmes zu lesen ist, ein Flop.

Hauptquelle für den Film ist aber ein anderes Sachbuch: 50 Jahre nach Kelleys Tod übergab sein Sohn dem Journalisten Jack El-Hai unveröffentlichte Aufzeichnungen aus dem Nachlass seines Vaters. El-Hai verfasste darauf basierend das Sachbuch „The Nazi and the Psychatrist“ („Der Nazi und der Psychiater“), das sich unter anderem in Spekulationen über Kelleys Beziehung zu den von ihm beobachteten Häftlingen von Nürnberg ergeht. Unter diesen befand sich mit Ex-Reichsminister Hermann Göring diejenige Person, die nach des „Führers“ Tod als dessen einst „rechte Hand“ am besten über die Kriegsereignisse informiert gewesen sein dürfte.

In „Nürnberg“ ist der von Russell Crowe gespielte Göring nun neben dem von Rami Malek verkörperten Kelley die zweite wichtige Hauptfigur. Die dritte, die vor allem im letzten Teil von „Nürnberg“ in den Vordergrund rückt, ist der von Michael Shannon über weite Strecken mit verbiesterter Miene gespielte Jurist Robert H. Jackson, der die USA im Prozess als Hauptankläger vertritt. Daneben gibt es zwei episodische Nebenplots. Der eine handelt vom Schicksal eines als Jugendlichen in die USA geflohenen jungen Mannes, der als US-Soldat im Land seiner Herkunft Dolmetscherdienste versieht. Der zweite dreht sich um Görings Frau Emmy und seine Tochter Edda, zu denen Kelley verbotenerweise Kontakt aufnimmt und ihnen schriftliche Nachrichten vom Gatten und Vater zukommen lässt.

Eine sich endlos durch Europa wälzende Menschenkolonne

„Nürnberg“ setzt ein im Mai 1945 mit einer sich endlos durch Europa wälzenden Menschenkolonne. Unter ihnen finden sich heimwärts strebende Kriegsvertriebene und Soldaten der Alliierten, ebenso wie bis vor kurzem noch aktiv ins Kriegsgeschehen involvierte NS-Angehörige, die verunsichert eine Bleibe – oder ein Versteck – suchen. Einer von ihnen ist Hermann Göring, der sich mit Frau und Tochter im Auto unterwegs zum in Österreich liegenden Schloss Fischhorn von US-Soldaten widerstandslos festnehmen lässt.

Er gehört mit zu den Hauptangeklagten, die im ersten Nürnberger Prozess vor Gericht stehen; in Vanderbilts Film ist er der Häftling, an dem sich Kelley festbeißt. Dieser möchte das „Böse“ ergründen und darüber später ein Buch schreiben. Er besucht Göring, zuerst begleitet von einem Dolmetscher, später immer häufiger auch allein, immer wieder in seiner Zelle. Er ist fasziniert von Görings Persönlichkeit und seiner Intelligenz, versucht in Gesprächen, sein Vertrauen zu gewinnen, und hält in einem Notizbuch detailliert fest, was dieser ihm anvertraut. Es ist ein faszinierendes Psycho-Duell, das die beiden Männer sich bei ihren Begegnungen liefern und einander derart nahekommen lässt, dass Göring zeitweise glaubt, dass Kelley – der ihn letztlich an den Pranger bringt –so etwas wie ein Freund ist.

Der Neuseeländer Russell Crowe spielt Göring in fesselnder Mischung von wuchtiger Körperlichkeit, Charisma und manipulativer Zwielichtigkeit von Intelligenz, Hochmut, und intuitivem Wissen um die Unerträglichkeit des von ihm Begangenen. Obwohl sich auch Rami Malek in der Rolle Kelleys behaupten kann, wirkt sein Auftritt neben demjenigen von Crowe, der in der Originalfassung erstaunlich perfekt deutsch spricht, etwas blass.

Historisch exakt verordnet

Vanderbilt lässt „Nürnberg“ relativ gemächlich anrollen, mit Beginn des Prozesses im letzten Drittel aber zunehmend Fahrt aufnehmen. Als bei einem der Verhandlungstermine als Beweismittel unverhofft filmische Aufnahmen von der Befreiung diverser Konzentrationslager vorgeführt werden, führt dies nicht nur im Prozess, sondern auch in Film zu einer radikalen dramaturgischen Wende. Obwohl in „Nürnberg“ an der Schilderung der Beziehung zwischen Göring und Kelley etliches spekulativ sein mag, ist der Film insgesamt historisch exakt verortet. Der Rückgriff auf unbeschönigt von kriegerischen Gräueltaten zeugendes originales Archivmaterial verleiht ihm zudem eine Wahrhaftigkeit, der sich die Prozessteilnehmenden im Film so wenig zu entziehen vermögen wie das Kinopublikum.

Vanderbilts „Nürnberg“ ist nicht immer ganz stringent erzählt, aber gut inszeniert und eindrücklich fotografiert. Er enthält zudem viele Momente, welche Fragen aufwerfen und das Publikum damit indirekt zur weiteren Erforschung der damaligen Ereignisse einladen. In Anbetracht der aktuell von zunehmenden Unsicherheiten geprägten Zeit, in der diverse Staatsoberhäupter vor kriegerischen Auseinandersetzungen nicht zurückschrecken, lässt sich „Nürnberg“ durchaus auch als kleiner Warnruf lesen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deNürnbergVon: Irene Genhart (2.12.2026)
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