Vorstellungen
Filmkritik
Der Verschleiß von Reklamesuperlativen ließ uns die Verheißung "Großbritanniens bester Film" etwas skeptisch aufnehmen, - aber ein. Superlativ ist in der Tat am Platze, wenn er sich auch nur auf die gestaltliche Seite dieser psychologischen Todeskampfstudie erstrecken kann. Johnny, der Chef einer irischen Untergrundbewegung, versucht durch einen Kassenraub Gelder für seine Organisation zu beschaffen, tötet in der Notwehr einen Menschen und wird dabei schwer verwundet. Die Polizei hetzt ihn durch die nasse Winternacht der Hafenstadt. Wo er unter seinen Landsleuten auftaucht, begegnen dem "Ausgestoßehen" erschrecktes Zurückweichen, entschlußloses Mitleid, berechnende Geldgier, pastorales Interesse eines Pfarrers, die Neugier eines wunderlichen Porträtisten und schließlich die verzweifelnde Liebe seines Mädchens. Zusammen mit ihr wird er am rettenden Hafengitter von den Verfolgern niedergeschossen. Diese kleine ungewöhnliche Story ist durch ein geschickt gebautes Drehbuch sowie frappierende fotografische, und mimische Interpretation seelischer Vorgänge ein ungewöhnlicher Film geworden. Kraskers Kamera ist unvergleichlich, wenn sie die sternlose Nacht mit ihren bisher kaum ausgeschöpften Möglichkeiten einfängt und Bewußtseinsinhalte mit ihren Mitteln ins Bild übersetzt - etwa wo der von Reuequalen geschüttelte Todwunde, mit dem Kopf in einer Bierlache liegend, in den Schaumbläschen der verschütteten Brühe das Gesicht des Getöteten aufsteigen sieht...
James Masons bald vor Schmerzen stumpfes, bald schmerzhaft zuckendes Mienenspiel eines Sterbenden darf ohne Zweifel als ein Höhepunkt künstlerischer Ausdrucksbewegung gerühmt werden. Auch die Randfiguren sind echt gezeichnete Charaktere. Daß der reichlich fallende Schnee an Sägespäne erinnert, nimmt man in dem sonst erbarmungslos realistischen Geschehen mit einem fast befreiten Aufatmen zur Kenntnis. Ein erhebliches Unbefriedigtsein jedoch ergibt die Frage nach dem ethischen Gehalt des Films. Man vermißt eine sittliche Motivierung dieses zweistündigen Appells an unser Mitgefühl für den Gehetzten; da eine verschwommene Vaterlandsliebe als Motiv nicht zu rechtfertigen ist, haben wir es nicht mit einem tragischen Schicksal, sondern mit einem eben aus dem Gefängnis entlassenen Gangster zu tun, über den wir im Grunde nicht viel erfahren. Immer hin kehrt er durch die Vision des Liebpredigenden Pfarrers seiner Kindheit innerlich um, während die Liebe seines Mädchens den Weg von bloßer Opferbereitschaft zur fraulichen Verantwortung für die Gewissenslage des Geliebten nicht zu finden vermag.










