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Filmkritik
Zum Jahreswechsel 87/88 feierte die "Romantic Comedy" ihre vor kurzem noch wenig wahrscheinliche Rückkehr in die amerikanischen Kinos. Norman Jewisons "Mondsüchtig" war das erfolgreichste Beispiel. Standen noch vor ein paar Jahren Science Fiction und "Kids Stuff", die Filme für das Teenager-Publikum, hoch im Kurs, so sind neuerdings die romantischen Komödien in der Tradition des alten Hollywood der 40er und 50er Jahre wieder gefragt. Was immer es damals an Erfolgen der Traumfabrik gab, von Katharine Hepburn bis Doris Day, scheint jetzt als Vorbild für neue Kinostoffe zu dienen.
"Overboard" ist einer der Filme, die am ungeniertesten auf alte Rezepte zurückgreifen. Über weite Strecken wirkt er wie eine nachträglich kolorierte Anthologie bekannter Komödienszenen.
Joanna (Goldie Hawn) ist eine blasierte, verwöhnte Millionärin, die ihr Leben neben einem ungeliebten Mann an Bord einer Luxusyacht verbringt. Sie behandelt Menschen wie den letzten Dreck, so auch den Schreiner Dean (Kurt Russell), der ihr einen neuen Schuhschrank zimmert. Joannas Leben verändert sich drastisch, als sie eines Nachts über Bord fällt. Im Hospital erinnert sie sich an nichts mehr; Amnesie ist die Diagnose. Und Dean, der verwitwet mit seinen vier unerzogenen Jungen in einem verwahrlosten Haus außerhalb der Stadt lebt, macht sich die Situation zunutze. Halb aus Rache, halb aus Eigennutz behauptet er, Joanna sei seine verschwundene Frau Annie. So muß die verwöhnte Dame der großen Welt über Nacht mit einer Rasselbande rücksichtsloser Kinder und einem verlotterten Haushalt zurechtkommen. Es dauert einige Zeit, bis die schlechten Erfahrungen, die Unsicherheit und die Resignation ins Gegenteil umschlagen. Joannas Überlebenswille schafft Ordnung. Und langsam, je mehr sie sich selbst verändert, schleicht sie sich auch ins Herz der Kinder und natürlich in Deans Herz ein. Bis ihr wirklicher Mann sie aufspürt und ihr Erinnerungsvermögen weckt.
Der Film zieht zunächst einmal kräftig Nutzen aus der turbulenten Situation in Deans Familie. Hier, wie auch schon an Bord der Luxusyacht, bietet er alles an Klischees auf, was das Genre hervorgebracht hat. Man möchte den Film fast schon abschreiben, da schlägt er mit der Eingewöhnung der unpassenden Haus- und Ehefrau andere Töne an. Kaum kommt in der wenig homogenen Familie so etwas wie versuchsweise Harmonie auf, gewinnen auch die Konflikte und Ereignisse an Originalität und Wärme. Es stellt sich bald heraus, daß aggressiver Humor, der durch eine Portion satirischer Schärfe hätte Witz gewinnen können, des Regisseurs Sache nicht ist. Sehr viel besser gelingt ihm die Nachempfindung liebenswürdiger Komik, eines erwachenden menschlichen Umgangstons, in dem sich offenbar auch die Darsteller wesentlich wohler fühlen. Wer Geduld genug besitzt, bekommt letztendlich dann doch noch eine Kostprobe der "romantischen Komödie" von ihrer positiven Seite. Leider muß man in "Overboard" ungebührlich lange darauf warten.



